DOK Leipzig 30. Oktober – 5. November 2017
60. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 30 October – 5 November 2017
60th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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Deutscher Wettbewerb langer
Dokumentar- und Animationsfilm

Das Programm finden Sie auch im Filmfinder.

Dort haben Sie außerdem die Möglichkeit, Online-Tickets zu erwerben.

Debatten um umstrittene Themen, sensible Künstlerporträts und der Blick in raue Arbeitswelten – die Dokumentarfilme des Deutschen Wettbewerbs zeigen sich inhaltlich und künstlerisch auf der Höhe der Zeit und breit aufgestellt. Besonders erfreulich ist, dass in diesem Jahr die Hälfte der zwölf Beiträge von Regisseurinnen stammen, die eine ganz eigene, in den Vorjahren so nie wahrgenommene Perspektive einbringen. Elf der zwölf ausgewählten Filme erleben in Leipzig ihre Weltpremiere.

 

Trockenschwimmen (2016); Regie: Susanne Kim

Zwei junge Regisseurinnen nähern sich sensibel und humorvoll Fragen nach Träumen im Alter: Die Leipziger Filmemacherin Susanne Kim begleitet in „Trockenschwimmen“ Senior/innen, die sich im wahrsten Sinne des Wortes freischwimmen. Carolin Genreith untersucht in ihrem Beitrag „Happy“ die Verbindung ihres Vaters mit einer jungen Thailänderin auf verschiedene Konzepte von Liebe und Glück hin.

 

Überhaupt sind die Deutschen und das Fremde ein Thema, das viele Filmemacher/innen beschäftigt: Wie an einem Bahnhofskiosk in Mecklenburg der Stammtisch auf durchreisende Flüchtlinge trifft, beobachtet der frühere Leipzig-Preisträger Dieter Schumann warmherzig und mit direktem Blick in „Neben den Gleisen“. Die Geschichten unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die als „umFs“ gesichtslos in deutschen Schlagzeilen auftauchen, erzählt in streng kadrierten Schwarz-Weiß-Bildern Andres Rump und betrachtet sie als „Ferne Söhne“. Den Konflikt um den Bau einer Moschee in Berlin-Pankow rekonstruiert, basierend auf Protokollen und in hybrider Form, „Moschee DE“ von Mina Salehpour und Michał Honnens und stellt in der Montage einen gesellschaftlichen Dialog her, der in der Realität nicht mehr stattfindet.

 

Ferne Söhne (2016); Regie: Andres Rump

Um das Fremde kreist auch die detektivische Erkundung „Kokolampy“, in der sich Hajo Schomerus auf die Spuren eines deutschen Abenteurers in Madagaskar begibt und aus den Tiefen diverser Archive handfeste postkoloniale Probleme wie Biopiraterie zutage fördert. Wie aber das Andere in nächster Umgebung konstruiert und zum Sündenbock für blutige Konflikte gemacht wird, rekapituliert die renommierte deutsch-kurdische Regisseurin Ayşe Polat: „The Others“ ist ein vielstimmiges Werk, das im ostanatolischen Van der Geschichte eines Genozids nachgeht.

 

Wie man nach einer Katastrophe weiterlebt, beschäftigt auch Thorsten Trimpop in „Furusato“, der mit monumentalen Bildern das Leben der Menschen von Fukushima beschreibt.

 

Enigmatisch sind die Bilder des Leipziger Stars der internationalen Kunstszene Neo Rauch, den Nicola Graef in einem feinsinnigen Porträt so entrückt wie seine Geschöpfe zeichnet und dabei das Umfeld des Kunstmarkts und die lokale Anbindung des Künstlers nicht aus dem Blick verliert: „Neo Rauch – Gefährten und Begleiter“. Der Verbindung von Wort, Bild und Landschaft spürt der langjährige Festivalgast Bernhard Sallmann mit „Oderland. Fontane“ wiederum in einem kontemplativen Bilderfluss nach.

 

Oderland. Fontane (2016); Regie: Bernhard Sallmann

Über die Symbiose von Mensch und Tier mittels Dressur und Drill reflektiert Lena Leonhardt in ihrem Essay „Hundesoldaten“ und sucht in einem Bundeswehr-Trainingscamp für Diensthunde und deren Führer nach dem Wesen des Soldatischen.

 

Im Spannungsfeld zwischen eigenem Willen, Idealismus und Anpassung, Erziehen und Erzogen-Werden, also „Zwischen den Stühlen“ befinden sich die Referendar/innen, die Jakob Schmidt in ihrem ersten Jahr begleitet. Mit genauem Blick und Gespür für Situationen gelingt ihm eine spannende Sozialstudie, die ein System infrage stellt.