DOK Leipzig 30. Oktober – 5. November 2017
60. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 30 October – 5 November 2017
60th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film

Programm


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DOK Neuland

Schon immer lebte das bewegte Bild von Illusionen. In der Virtual Reality finden sie einen neuen Höhepunkt. VR ist die technische Innovation der letzten Jahre. Dabei ist sie mehr als nur Bits-und-Bytes-Spielerei mit einer quasi begehbaren Wirklichkeit: Virtuelle Wirklichkeiten bewegen uns dazu, vertraute Begriffe neu zu denken und unsere Wahrnehmungen zu hinterfragen.

 

Zum zweiten Mal öffnet DOK Neuland dem Leipziger Publikum sowie Fachbesucher/innen seine Zelttore auf dem Marktplatz, um sechs neue, interaktive Arbeiten auszustellen. Zwei 360° Filme, zwei VR Experiences, eine Webdoku und eine Scrolling Graphic Novel zeigen alternative Erzählformen auf, die sich in diesem Jahr Sonderfällen der existenziellen Wirklichkeitserfahrung widmen.

 

Sinneseindrücke können imitiert, getäuscht, manipuliert, ergänzt und in den schönsten Farben ausgeschmückt werden. So ist auch die menschliche Wahrnehmung immer individuell und situativ. Manche psychische Krankheiten lösen Halluzinationen aus, die in entfernte Welten führen. Marietta Ren hat in Zusammenarbeit mit dem Studio Small Bang die erste Graphic Novel-App zum Scrollen entwickelt. In „Phallaina“ stellt sie die Traumwelt der Protagonistin mithilfe von Parallaxeffekt und bewegenden Bildern eindrucksvoll dar. Andere Krankheiten fesseln an Orte. In der Virtual Reality ist beides möglich: das Reisen und das bei sich bleiben. Pascal Hanke führt mit „T)raumzwang“, einer 360°-Doku, in das eingeschränkte Leben eines Mannes mit Angststörungen.

 

T)raumzwang (2016); Entwicklung: Pascal Hanke

Was passiert, wenn man auf einer einsamen Insel seinem virtuellen Selbst begegnet? Das untersuchen Nina Wesemann und Daniel Hengst in der VR-Installation „My Lonesome Hologram“. Mit Fragen danach, wie sich die Erfahrungswelt verändert, wenn der Sehsinn verblasst, beschäftigt sich „Notes on Blindness – Into Darkness“. In einer Virtual Reality und mithilfe von binauralem Ton und interaktiver 3D-Animation zeichnet der erblindete Theologe John Hull seine Erfahrung nach.

 

Wahrnehmungslücken sind in den DOK Neuland-Arbeiten ein wiederkehrendes Motiv. Fouzi Louahem und Claudio Capanna zeigen uns in „Life to Come 360°“ einen Blick auf die Welt, den wir alle erlebt haben, ohne uns an ihn zu erinnern: In einem Krankenhausbett erfahren wir den Alltag aus Sicht eines Neugeborenen. Mit Erinnerungslücken des kollektiven Gedächtnisses beschäftigt sich „Im Märkischen Sand“. Nina Mair, Matthias Neumann und Katalin Ambrus‘ animierte Webdoku gräbt 1943 begangene Verbrechen der Deutschen an italienischen Kriegsgefangenen wieder aus.

 

Im Märkischen Sand (2016); Entwicklung: Nina Mair, Matthias Neumann, Katalin Ambrus

Die interaktive Ausstellung DOK Neuland ist in der Festivalwoche von Dienstag, dem 1.11. bis Samstag, dem 6.11. frei zugänglich auf dem Leipziger Markplatz zu sehen, jeweils von 12 bis 20 Uhr. Zur Eröffnung für Pressevertreter/innen am Festivaldienstag um 10.30 Uhr werden Festivalintendantin Leena Pasanen und Kay Meseberg von ARTE anwesend sein. Zusätzlich werden die Künstler/innen in täglichen Führungen zwischen 15 und 16 Uhr für Fragen zur Verfügung stehen.

 

DOK Neuland wird unterstützt von ARTE.