DOK Leipzig 30. Oktober – 5. November 2017
60. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 30 October – 5 November 2017
60th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film

Programme


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Internationaler Wettbewerb
kurzer Dokumentar- und Animationsfilm

Das Programm finden Sie auch im Filmfinder.

Dort haben Sie außerdem die Möglichkeit, Online-Tickets zu erwerben.

Die 31 im Wettbewerb vertretenen kurzen Dokumentar- und Animationsfilme wurden, wie das gesamte diesjährige Programm, von einer gemeinsamen Auswahlkommission nominiert. 11 Arbeiten gehen ins Rennen um die Goldene Taube Kurzer Dokumentarfilm, 20 konkurrieren um die Goldene Taube Kurzer Animationsfilm. Damit können sich beide Taubengewinner für den OSCAR® (in den Kategorien ‚Short Film‘ bzw. ‚Documentary Short Subject‘) qualifizieren, sofern sie die formalen Kriterien der Academy erfüllen.

Die Jury, die ebenfalls aus Vertreter/innen beider Genres besteht, vergibt außerdem eine Silberne Taube für eine herausragende künstlerische Einzelleistung. In den Kinos werden die Kurzfilme nach kuratorischen Aspekten gemeinsam mit langen Filmen präsentiert. Wie im letzten Jahr bietet sich dem Animationsfilm-affinen Publikum zusätzlich die Gelegenheit, in Kompilationsprogrammen alle Animations- sowie Animadok-Filme noch einmal jeweils gebündelt zu sehen.

 

Nighthawk (2016); Regie: Špela Čadež

Die Wettbewerbsbeiträge stammen aus 22 Produktionsländern, darunter Kenia, Libanon, Hong Kong, Singapur, Australien und Brasilien, wobei die Schweiz, Frankreich, Kanada, Polen und Belgien besonders stark vertreten sind. Unter den Regisseur/innen befinden sich auch in Leipzig bekannte Namen, darunter die Schwedin Martina Carlstedt ­– mit dem Dokumentarfilm

Livingroom“ zum dritten Mal im Wettbewerb – und die slowenische Animationskünstlerin Špela Čadež (Goldene Taube 2013) mit „Nighthawk“. Der Schweizer Otto Alder, der von 1993 bis 2005 die Sektion Animationsfilm in Leipzig leitete und maßgeblich prägte, kehrt mit seinem experimentellen Fotofilm „Fortgang“ zurück – einer von mehreren künstlerischen Grenzgängen des Wettbewerbs.

 

Thematisch und formal zeichnet sich das Programm durch eine große Vielfalt aus. Mehrere Filme greifen politische Konflikte auf und ergänzen sie um neue Perspektiven. In „My Daughter Nora“, der in Leipzig seine Weltpremiere feiert, dokumentiert Jasna Krajinovic einfühlsam Verzweiflung und Mut einer Frau aus Brüssel, deren Tochter sich in Syrien dem Jihad angeschlossen hat. Dem knallharten Geschäft mit afrikanischen Migrant/innen, die den Kontinent durchqueren, verleiht der kenianische Animationsfilm „This Migrant Business“ von Ng’endo Mukii Sichtbarkeit – womit er einer der wenigen afrikanischen Filme ist, die in Leipzig für einen der Wettbewerbe nominiert worden sind.

 

Some Will Forget (2016); Regie: Ruth Grimberg

Im autobiografischen „Holy God“ verdichtet Vladlena Sandu die persönlichen Folgen des Tschetschenienkriegs in einem Dreigenerationenporträt. Der Libanese Chadi Aoun erzählt mit „SAMT (Silence)“ den Nahost-Konflikt als blutige Dystopie im Stil einer Graphic Novel, während Ruth Grimbergs „Some Will Forget“ die Agonie einer englischen Bergarbeitersiedlung vor der Schließung der letzten Grube beklemmend visualisiert.

 

Im polnischen Beitrag „Three Conversations on Life“ streitet die atheistische Regisseurin Julia Staniszewska mit ihrer katholischen Mutter über ethische Implikationen der In-vitro-Fertilisation. Es ist, wie auch das virtuos gedrehte Kammerspiel „Close Ties“ von Zofia Kowalewska, ein weiterer Beweis der hohen Kunst des polnischen Kurzdokumentarfilms. Als „Digital Immigrants“ lassen Dennis Stauffer und Norbert Kottmann mit liebevollem Humor einen Seniorenkurs die unendlichen Weiten des Computers entdecken.

 

Close Ties (2016); Regie: Zofia Kowalewska

Poppig, temporeich und anarchistisch zerlegen mehrere Animationsfilme gängige fiktionale Erzählmuster und setzen sie neu zusammen. Werke wie „Super Film“ von Piotr Kabat und „This Ain't Disneyland“ von Faiyaz Jafri arbeiten sich an Hollywood ab. Eoin Duffy entwirft mit „I Am Here“ die Welt als Kopfgeburt, während Qing Sheng Ang in „Drop Nowhere“ ein Baby in einen Thriller von Spielbergscher Dimension krabbeln lässt. Und auch die Kulturgeschichte eines unterschätzten Organs wird in „The Clitoris“ von Lori Malépart-Traversy neu erzählt – und zwar wahrheitsgemäß!