DOK Leipzig 30. Oktober – 5. November 2017
60. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 30 October – 5 November 2017
60th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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Internationaler Wettbewerb
langer Dokumentar- und Animationsfilm

Das Programm finden Sie auch im Filmfinder.

Dort haben Sie außerdem die Möglichkeit, Online-Tickets zu erwerben.

Der Internationale Wettbewerb bei DOK Leipzig hat viel zu bieten: große Namen, große Themen, großes Kino. Die zwölf Beiträge, darunter fünf von Regisseurinnen, mit zwölf beteiligten Produktionsländern und sechs internationalen bzw. Weltpremieren dringen tief in die Konflikte der Gegenwart und des Menschen vor, doch überraschen auch mit Humor und einer gehörigen Portion Herz. Zudem bietet er ein Nebeneinander von Newcomer/innen und bekannten Namen wie der renommierten deutsch-Schweizer Regisseurin Heidi

Specogna, der bekannten französischen Schauspielerin und Regisseurin

Valeria Bruni Tedeschi oder der Finnin Mia Halme sowie ehemaligen Tauben-Gewinnern wie Sergei Loznitsa, Serhiy Bukovsky, Vitaly Mansky und Miroslav Janek.

 

 Cahier Africain (2016); Regie: Heidi Specogna

Schmerzhaft und doch unersetzbar in ihrem tiefer gehenden Blick hinter die Schlagzeilen sind jene Werke, die sich an internationale Krisenherde begeben: In dem dänischen Beitrag „The War Show“ begleiten Obaidah Zytoon und Andreas Dalsgaard einen Freundeskreis in Syrien von den Aufbrüchen der Revolution bis in die Agonie eines schrecklichen Kriegs, dessen Verlauf so noch nie zu sehen war. Die erschütternde Geschichte dreier jesidischer Mädchen, vom IS vergewaltigt und vertrieben, und des Versuchs einer Bewältigung des Traumas erzählt „A157“ des iranischen Regisseurs Behrouz Nooranipour. Heidi Specogna hingegen lenkt den Fokus auf eine schwelende Krise, die aus unserem Bewusstsein zu verschwinden droht: In der Zentralafrikanischen Republik begibt sich „Cahier Africain“ in Bildern von trauriger Schönheit auf eine Odyssee zwischen die Fronten muslimischer und christlicher Rebellen. Vitaly Mansky stellt in „Rodnye (Close Relations)“ den russisch-ukrainischen Konflikt in seinem bisher persönlichsten Film als schmerzhaften Riss durch die eigene Familie dar. Wie wiederum das Grauen der Vergangenheit zum Event der Gegenwart wird, erkundet Sergei Loznitsa in „Austerlitz“, indem er KZ-Besucher/innen mit ihren Selfie-Sticks beobachtet: eine gespenstische Szenerie in Schwarz-Weiß-Tableaus.

 

 The Leading Role (2016); Regie: Serhiy Bukovsky

Mit dem Schrecken des eigenen, schleichenden Todes ist der in seiner Heimat Kroatien legendäre Autor Pero Kvesić konfrontiert – und transformiert ihn mit der Meisterschaft Balkan-typischen Humors in eine tiefschwarze Komödie mit Happy End: „Dum Spiro Spero“. Neue Blicke auf das Alter sind ein wiederkehrendes Sujet dieses Festivaljahrgangs: So lassen Valeria Bruni Tedeschi und Yann Coridian in „A Young Girl in Her Nineties“ die greise Blanche mittels der Intervention des Choreographen Thierry Thieû Niang in traumhaften Tanzszenen ihre letzte große Liebe erleben. Und Serhiy Bukovsky fragt in „The Leading Role“ im szenischen Dialog mit seiner Mutter, einem einstigen sowjetischen Filmstar, danach, wer oder was die Hauptrolle in unserem Leben spielt und wo die (Selbst-)Inszenierung endet.

 

Ein weiteres großes Thema des Jahrgangs ist die Innenwelt autistischer Kinder und Jugendlicher. Während Miroslav Janeks „Normal Autistic Film“ geradezu physisch die überbordende Phantasie und Energie seiner Protagonist/innen überträgt, inszeniert die junge polnische Regisseurin Anna Zamecka in ihrem Erstlingswerk „Communion“ dramaturgisch nahe am Spielfilm ein Coming-of-Age-Drama von utopischer Strahlkraft.

 

 Every Other Couple (2016); Regie: Mia Halme

Einem ebenfalls universellen Drama, der Trennung von Paaren und dem Zerbrechen von Familien, nähert sich Mia Halmes „Every Other Couple“ in einem lyrisch-dichten Geflecht von Erinnerungen und Bildern zwischen Trauma und Bewältigung.

 

Beides könnte auch über der Geschichte von Icare alias Courgette stehen, der sich nach dem Tod der Mutter im Kinderheim eine neue Zukunft erkämpfen muss – was Claude Barras‘ „My Life as a Courgette“ von den anderen Filmen unterscheidet ist lediglich die Tatsache, dass es sich um einen Animationsfilm handelt. Damit öffnet sich der Wettbewerb bei DOK Leipzig auch neuen Zielgruppen: große Filmkunst für ein großes Publikum.