DOK Leipzig 30. Oktober – 5. November 2017
60. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 30 October – 5 November 2017
60th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film

Programm


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Internationales Programm

Das Programm finden Sie auch im Filmfinder.

Dort haben Sie außerdem die Möglichkeit, Online-Tickets zu erwerben.

Publikumsfilme im besten Sinne verspricht das Internationale Programm von DOK Leipzig, das vom Politthriller bis zur Sozialkomödie dokumentarisches Kino, Animation und beste Unterhaltung zusammenbringt. Erstmals bietet das Festival als besonderen Service für das Leipziger Publikum auch für eine Reihe von Filmen außerhalb der Wettbewerbe eine deutsche Übersetzung an. 24 der Filme sind Welt- bzw. internationale Premieren.

 

Dabei geht es um existentielle Fragen: Eine Reihe von Arbeiten untersucht, wie die digitale Zukunft unsere Gegenwart beeinflusst, so Michael Palms opulenter Essay „Cinema Futures“ über den Abschied vom analogen Kino oder „Down the Deep, Dark Web“ von Tzachi Schiff und Duki Dror, der Gefahren und Potenziale des Darknet untersucht. Wie eine wahr gewordene Science-Fiction-Vision wirkt auch „Future Baby“, in dem Maria Arlamovsky den Möglichkeiten des Menschen aus dem Reagenzglas nachgeht. Wie aber ein reales Frühchen seine Welt aus Apparaten wahrnimmt und was seine Eltern dabei empfinden, ergründet „Life to Come“ von Claudio Capanna in Verbund mit einem interaktiven Projekt, zu sehen bei DOK Neuland.

 

The Graduation (2016); Director: Claire Simon

Moderne Arbeitswelten sind das Thema einer ganzen Reihe von Filmen: „Mattress Men“ von Colm Quinn ist eine Sozialkomödie im Stil von Ken Loach. In „The Graduation“ beobachtet Claire Simon die Aufnahmeprüfungen für den Eintritt in den Olymp der französischen Filmschulen. „Working Life“ von Martin Rit und Mariette Désert begleitet junge Belgier/innen auf dem Weg in einen Handwerksberuf, während Katja Duregger in „EGOnomics“ mittels Expert/inneninterviews und animierter Szenen einen Einblick in die Welt von Manager/innen und Führungskräften gewährt. Gleich zwei Werke beschreiben mit viel Komik, aber ernstem Hintergrund, Selbstversuche im Feld der globalen Wirtschaft: In „The Chocolate Case“ beschreibt Benthe Forrer den Versuch, Schokolade ohne Kinderarbeit zu produzieren, und Șerban Georgescu kämpft ein Jahr lang in der rumänischen Landwirtschaft mit „Cabbage, Potatoes and Other Demons“.

 

Auch deutsche Regisseur/innen warten im Internationalen Programm mit starken Weltpremieren auf. Sensibel folgt Elí Roland Sachs dem Weg seines Bruders in den Salafismus: „Bruder Jakob“ ist auch eine spirituelle Sinnsuche. Susanne Binninger entdeckt in „Fighter“ überraschende Seiten der Mixed Martial Arts und den Männern, die in Käfigen kämpfen. Irene Langemann porträtiert in „Pawlenski – der Mensch und die Macht“ den streitbaren russischen Künstler Piotr Pawlenski, der mit seinen sehr körperlichen Aktionen das Putinsche Russland provoziert. Die Kanadierin Jo-Anne Velin hingegen begibt sich in „The Picture of the Day“ nach Tröglitz in Sachsen-Anhalt, wo 2015 ein Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim verübt wurde, und entdeckt das verdrängte Fremde im Alltag der Dorfbewohner.

 

Pussy (2016); Director: Renata Gąsiorowska

Mit Körperlichkeit und unangenehmen Gesprächen darüber beschäftigen sich einige Animationsfilme des Programms, so beispielsweise Alain Delannoys „The Talk. True Stories About the Birds & the Bees“. Anne-Sophie Raimonds „Wind in Your Shoulders“ zeigt uns den traditionellen chinesischen Blick auf den Körper, Jeanne Paturle und Cécile Rousset fragen: „How’s Your Prostate?“ und Renata Gąsiorowskas Protagonistin kommt in „Pussy” erst nach einigen Schwierigkeiten zur Entspannung.

 

Das internationale Programm ist auch politisch aktuell, so wenn Elena Volochine und James Keogh in „Oleg’s Choice“ eine prorussische Einheit im Donbass sehr hautnah bei ihrem Fronteinsatz begleiten und die Innenwelt der Soldaten erfahrbar machen. „Do Not Resist“ von Craig Atkinson hingegen gibt einen erschreckenden Einblick in die Militarisierung der Polizei in den USA und deren ökonomische Hintergründe. „A Hole in the Head“ von Robert Kirchhoff begibt sich mit europäischen Roma in deren Holocaust-Vergangenheit und zeigt eine beschämende Linie des Antiziganismus bis in die Gegenwart.

 

A Hole in the Head (2016); Director: Robert Kirchhoff

Wie immer aber bietet das Internationale Programm auch beste Unterhaltung: etwa mit dem schlechtesten Cheerleader-Team Finnlands in „Cheer Up“ von Christy Garland, einer 25 Jahre umspannenden Kette an kränklichen Haustieren in Amy Nicholsons „Pickle“, einem der Begründer des brasilianischen Tropicalismo in „Rogério Duarte, the Tropikaoslist“ von José Walter Lima, einer kuriosen Reise von Vater und Tochter nach Kurdistan in „Paradies! Paradies!“ von Kurdwin Ayub oder der gefühlvollen Coming-of-Age-Geschichte von Laura, die mit gehörlosen Eltern groß wird in „Two Worlds“ von Maciej Adamek.