DOK Leipzig 30. Oktober – 5. November 2017
60. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 30 October – 5 November 2017
60th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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Next Masters Wettbewerb

Das Programm finden Sie auch im Filmfinder.

Dort haben Sie außerdem die Möglichkeit, Online-Tickets zu erwerben.

Mit neun Welt- und zwei Internationalen Premieren bietet dieser Wettbewerb mehr denn je die Gelegenheit, Namen, die man sich merken sollte, zu entdecken. Elf Filme ­­– davon sieben von Regisseurinnen! – aus 13 beteiligten Produktionsländern konkurrieren um die von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig gestiftete Goldene Taube in Höhe von 10.000 €. Über den Preis entscheidet die renommierte russische Regisseurin und Produzentin Marina Razbezhkina, der DOK Leipzig dieses Jahr eine Hommage widmet. Einmal mehr sind es die mutigen ästhetischen Entwürfe, die das Genre und das Publikum herausfordern und Talent sowie eine eigene Handschrift schon beim ersten oder zweiten Film verraten. Wilde Hybride, sensible Innensichten, biografische und poetische Essays decken eine große Bandbreite dessen ab, was dokumentarisch möglich ist.

 

Wie man neue Medien innovativ filmisch nutzen und ein junges Publikum an ein schwieriges historisches Thema führen kann, zeigt der in Deutschland koproduzierte Beitrag der israelischen Regisseure Sagi Bornstein und Udi Nir, der komplett aus YouTube-Videos komponierte Film „#uploading_holocaust“. Er zeigt die Selbstzeugnisse israelischer Jugendlicher auf der rituellen „Reise nach Polen“ zu diversen Konzentrationslagern als Initiation voller Erwartungen, Enttäuschungen und Zwänge. Bemerkenswert ist hier auch ein begleitendes interaktives Projekt, in welchem Jugendliche mittels Smartphone und geführt von YouTuber Jakob Gentsch Geschichte erkunden können, und das in Leipzig auf einem Panel erstmals vorgestellt wird.

 

The Third Shore (2016); Regie: Fabian Remy

Aus der Innensicht erschließen sich gesellschaftlicher Wandel und politische Konflikte. Mit einem stillen Blick hinter die Mauern einer Fabrik für feinste Kartonagen mitten in Paris entdeckt Magali Roucaut in „Behind the Stone Wall“ das Relikt einer traditionsreichen Arbeitskultur, kurz bevor sie der Gentrifizierung weichen muss. In „Convictions“ begleitet Tatyana Chistova Wehrdienstverweigerer in Russland zu ihren Gerichtsverhandlungen, zeigt Pazifisten, Homosexuelle und Politaktivisten in den Mühlen eines gnadenlosen Systems – aber auch den Mut der Überzeugung. Währenddessen zeichnet Fabian Remy mit „The Third Shore“ den Identitätskonflikt des modernen Brasiliens nach, indem er die biografischen Spuren eines Siedlerjungen, der bei einem indigenen Stamm aufwuchs, ins Amazonasgebiet zurückverfolgt.

 

Über Heimat und Identität reflektiert auch der finnisch-kolumbianische Beitrag „Land Within“ von Jenni Kivistö, der mit elegischen, traumnahen Bildern eine unerwartete Seelenverwandtschaft zwischen südamerikanischen Wüsten und Europas hohem Norden offenlegt. Den weiblichen Orgasmus als eigene, überlieferte Kulturtechnik, die es gegen koloniale Diskurse zu verteidigen gilt, betrachtet der belgische Film „Sacred Water“ in Ruanda. So vermittelt Regisseur Olivier Jourdain auf erfrischende Weise ein ganz anderes Bild des Landes als üblich.

 

Sacred Water (2016); Regie: Olivier Jourdain

Eine sehr persönliche Zeitreise mit surrealen Momenten und in hybrider Form tritt der Schweizer Film „Looking Like My Mother“ an. Im Spiegel der Lebensgeschichte ihrer depressiven Mutter setzt sich Dominique Margot mit der Unmöglichkeit auseinander, dem Familienerbe zu entkommen. Mit impressionistischen Bildern nähert sich Niina Brandt in „My Secret Forest“ (Finnland) der Lebenswelt und den Wünschen eines jungen Autisten. Fragen nach Wahrnehmung und Sinnen greifen auch zwei Filme auf, die auf völlig unterschiedliche Weise die Welt von Gehörlosen erkunden. Während Dariusz Kowalski mit „Seeing Voices“ (Österreich) die alltägliche Erfahrungswelt visuell vermittelt und fragt, wie es um die Inklusion in Europa wirklich steht, tanzt sich der kleine Luka in „Listen to the Silence“ von Mariam Chachia als ein gehörloser, georgischer „Billy Elliot“ in die Herzen der Zuschauer/innen.

 

Listen to the Silence (2016); Regie: Mariam Chachia

Die innere Antriebskraft von Kunst und Kunstmarkt schließlich exploriert Andrea Culková auf besonders provokante Weise in „H*ART ON“ mit experimenteller Wut und tschechischem Humor.