DOK Leipzig 30. Oktober – 5. November 2017
60. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 30 October – 5 November 2017
60th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film

70 Jahre DEFA


Webarchiv


DEFA 70. Joris Ivens, Leipzig,
die DDR und die Welt

2016 jährte sich zum 70. Mal die Gründung der DEFA, deren Geschichte ebenso wie jene von DOK Leipzig eng mit dem Namen Joris Ivens verbunden ist. Ivens war nicht nur einer der bedeutendsten Regisseure des 20. Jahrhunderts, sondern gilt als einer der Gründerväter des Festivals und arbeitete von 1951 bis 1956 eng mit der DEFA zusammen. An beides erinnert das Programm.

 

Zur Aufführung gelangt „Die Windrose“, ein opulentes, zwischen Spiel- und Dokumentarfilm changierendes Werk, das 1957 unter Joris Ivens‘ Leitung als großangelegtes internationales Projekt mit prominenter Beteiligung bei der DEFA entstand. So wirkten neben dem Regisseur Alberto Cavalcanti auch die weltberühmten Schauspielerinnen Helene Weigel und Simone Signoret sowie der Schauspieler Yves Montand mit. Die DEFA erhoffte sich von der Kooperation, der DDR ein kulturelles Renommee zu verschaffen und mit Ivens‘ Expertise einen internationalen, kommerziell erfolgreichen Film produzieren zu können, der auch die Zensur nicht-kommunistischer Länder überstehen würde. Das in Zusammenarbeit mit der Internationalen Demokratischen Frauenföderation entstandene Monumentalwerk zeigt Episoden aus dem Leben von Arbeiterinnen aller Himmelsrichtungen in ihrem Kampf für eine bessere Gesellschaft.

 

Die Windrose (1957), Regie: Alberto Cavalcanti, Joris Ivens
© DEFA-Stiftung Robert Menegoz, Joop Huisken

In Brasilien wehrt sich Ana gegen die Ausnutzung von Arbeitslosen, die ihr Glück in São Paulo suchen. In der Sowjetunion bricht Nadeshda gegen den Willen ihres Freundes zur Neulandgewinnung auf. Die Lehrerin Jeanine engagiert sich im armen Pariser Vorort für die Rechte einer Hausgemeinschaft und muss mit den Konsequenzen, die daraus entstehen, leben. Giovanna und ihre Kolleginnen besetzen nach Entlassungsandrohungen eine italienische Textilfabrik. Und in China wird Chen Hsiu Hua zur Vorsitzenden ihrer Landwirtschaftsgenossenschaft gewählt und muss sich nun bei Männern und Frauen Respekt einholen.

 

Ergänzend dazu wird der Filmhistoriker Günter Jordan erstmals aus einem bisher unveröffentlichten Buch über Joris Ivens und die DDR lesen, das auf Grundlage umfangreicher Archivrecherchen entstand. Die Publikation verspricht bislang unbekannte Einblicke in das Schaffen eines großen Meisters und die Filmproduktion in der DDR sowie die Geschichte von DOK Leipzig.