DOK Leipzig 30. Oktober – 5. November 2017
60. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 30 October – 5 November 2017
60th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film

Programm


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Der andere Blick?
Alltag in der DDR

Bewegte Bilder, die man aus der DDR kennt, stammen in der Regel von DEFA-Produktionen oder aus dem Fernsehen. Das Sonderprogramm Der andere Blick? Alltag in der DDR bringt jenseits dieser Quellen bisher weitgehend unbekanntes Bildmaterial auf die Leinwand. Die Grundlage für die Reihe bilden zwei Forschungsprojekte, die sich bisher kaum erschlossenen Filmbeständen gewidmet haben. Der erste Teil des Programms rückt den Amateurfilm ins Zentrum. Der zweite Teil konzentriert sich auf Werke der Staatlichen Filmdokumentation (SFD), die Filme in erster Linie für archivalische Zwecke produzierte.

 

Bis tausend Stimmen stimmen (1983)

In der DDR war das Amateurfilmschaffen als Teil der organisierten Freizeitbeschäftigung beliebt. In 40 Jahren drehten etwa 950 Amateur/innen mehr als 10.000 Filme. Viele wandten sich ihrer vertrauten Umgebung zu, schlossen sich in Betriebsfilmstudios zusammen und filmten in ihrer Arbeitsstätte. Dabei hatten einige Laien einen künstlerischen Anspruch und probierten sich aus, teils systemkonform, teils mit kritischen Untertönen. Der Programmteil Bei der Arbeit (kuratiert von Ralf Forster) gibt mit dem Film „Präsent“ etwa Einblick in das Textilkombinat Cottbus samt technisierter Produktion und Modenschau. Die Arbeit „Montage mit DM-SPE“ dokumentiert eine Montage an einem Hochofen mit Hubschraubereinsatz, unterlegt mit Musik von Richard Wagner. Die Leipzig­-Matinee (kuratiert von Stefan Gööck) bringt am Festivalsonntag das Amateurfilmschaffen in Leipzig und Umgebung auf die Leinwand: Zu sehen sind u.a. Volksfeste in einer Kleingartensparte, die Einweihung des Leipziger S-Bahnnetzes und ein satirischer Stadtrundgang.

 

 

Türschild der SFD am Eingang des Gebäudes in Berlin (c) Martina Liebnitz

Das Programm Staatliche Filmdokumentation vereint in zwei Teilen Filme und Filmausschnitte, die größtenteils erstmals öffentlich aufgeführt werden. Die Filmdokumentationsgruppe SFD wirkte von 1970 bis 1986 als Teil des Staatlichen Filmarchivs der DDR. Sie hatte die Aufgabe, das Leben in der DDR für nachfolgende Generationen zu dokumentieren. So blieben die Werke für DDR-Bürger/innen nahezu unzugänglich in Archiven gelagert. Die Arbeiten sollten beispielsweise für zukünftige Forschungszwecke, Dokumentarfilmprojekte oder pädagogische Arbeit verwendet werden. Teil ihrer Aufgabe war es, auch solche Bereiche der DDR-Gesellschaft zu dokumentieren, die sonst öffentlich nicht zu sehen sein sollten. So rückten sie Themen ins Zentrum, die weitestgehend tabuisiert waren: Probleme der staatlichen Wohnungspolitik, alternative Lebensentwürfe oder der Verfall der Altbausubstanz in Berlin wurden auf Film festgehalten. Das Programm Staatliche Filmdokumentation wurde kuratiert von Anne Barnert und Andreas Kötzing. Veranstaltungsort ist das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig. 

 

Das Projekt entstand in Kooperation mit dem Filmmuseum Potsdam, dem Sächsischen Staatsarchiv und dem Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der TU Dresden. Es wurde gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.