DOK Leipzig 30. Oktober – 5. November 2017
60. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 30 October – 5 November 2017
60th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film

Leipziger Ring


Webarchiv


Filmpreis "Leipziger Ring"

Filmpreis der Stiftung Friedliche Revolution für den besten Dokumentarfilm zum Thema Demokratie



 Filmpreis Leipziger Ring Filmpreis der Stiftung Friedliche Revolution für den besten Dokumentarfilm zum Thema Demokratie

Dirk Heth und Olaf Winkler (Deutschland) für den Film
Der Große Irrtum

Es ist ein leiser, nachdenklicher Film. Hier ist nicht von Bürgerkriegen und blutigen Aufständen die Rede. Dieser Film stellt im Namen der nachfolgenden Generation die Frage, was ein Mensch wert ist und ob der Mensch tatsächlich für den Markt da sein muss oder der Markt für den Menschen.
„Der große Irrtum“ räumt auf mit dem Mythos, dass alle Menschen einen Platz auf dem sogenannten Ersten Arbeitsmarkt, dem wettbewerblichen Arbeitsmarkt haben können und mit dem Irrtum, dass es ein Arbeitsleben außerhalb der Bewertung des Marktes gäbe. Ein blinder Fleck in der öffentlichen Diskussion wird angegangen: die künftige Arbeitslosigkeit der europäischen Jugend, über die selten offen gesprochen wird. Die UN prognostiziert, dass in den nächsten zehn Jahren weltweit 600 Millionen Arbeitsplätze gebraucht würden.

Dirk Heth und Olaf Winkler stellen ihren Film in diese Perspektive und begeben sich auf eine sehr persönliche Suche nach Eggesin, einem Städtchen in einem der strukturschwächsten Gebiete Deutschlands. Dort beobachten die Filmemacher nun die Ansätze des Umdenkens - Ansätze eines radikalen Wandlungsprozesses. Über Jahre werden Menschen portraitiert, die nichts anderes vorhaben als anderen Menschen nützlich zu sein. Sie wollen auf keinen Fall dem Staat auf der Tasche liegen, hangeln sich aber von einem prekären Arbeitsverhältnis zum anderen. Doch sie geben nicht auf. Sie helfen zusammen und werden erfinderisch: Das Konzept der Bürgerarbeit wird vorgestellt und Politiker aus Ost und West, die mit einem langen Atem das Elend von Menschen, die scheinbar keinen gesellschaftlichen Nutzen haben auf ihre Schultern und auf ihr Herz nehmen, die hartnäckig ihre Vision von einer Gesellschaft in der jeder und jede nützlich sein kann verteidigen. Dabei entstehen liebevolle Portraits von Menschen, die nicht aufgeben, die ihre Würde und den Sinn ihres Lebens in der Arbeit für andere sehen. Wir lernen starke Menschen kennen, die in einer beinahe zärtlichen Bildsprache gezeichnet sind – ganz nah und Autoren, welche die Frage nach dem Wert des Menschen und dem Sinn der Arbeit persönlich nehmen und sie im Namen ihrer Kinder stellen. Ein Brief an die Kinder entsteht - dieses literarische Format hatten bemerkenswerterweise schon die Protagonisten der „Ökumenischen Versammlung“ 1988 in der damaligen DDR gewählt.
In Eggesin werden die Fragen der Zukunft der Jugend Europas gestellt und Menschen, die versuchen, sie geduldig und leidenschaftlich zu beantworten.
Denn: Geduld ist der lange Atem der Leidenschaft.

 

Mehr Informationen zum Film