DOK Leipzig 29. Oktober – 4. November 2018
61. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 29 October – 4 November 2018
61st International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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Master class peter nestler


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Meisterklasse

Ein poetischer Blick auf Realität.
Meisterklasse mit
Peter Nestler

Dienstag, 30. Oktober 2012, 14.00 - 16.30 Uhr
Polnisches Institut

Video - Master Class with Peter Nestler, 30.10.2012

 

Contact

DOK Training

Ilo von Seckendorff

+49 (0) 341 30864-29


Teilnahme nur mit Akkreditierung möglich!

 

Peter Nestlers Filme sind direkt und schmucklos. Er will nichts verfälschen, sondern spüren, wenn die Wahrheit aufgedeckt wird. Oft wählt er die Welt der Arbeit zum Thema seiner Filme, macht Bauern und Glasbläser zu seinen Protagonisten. Neben Klaus Wildenhahn gilt Peter Nestler daher als weiterer wichtiger Dokumentarist des Alltags der "einfachen" Menschen in der BRD.

1937 in Freiburg im Breisgau geboren, studiert er Kunst in München und realisiert ab 1962 seine ersten Dokumentarfilme Am Siel und Mühlheim/Ruhr. An Ein Arbeiterclub in Sheffield zerbricht die Zusammenarbeit mit den deutschen Sendeanstalten, Nestlers politische Haltung gilt als zu linkslastig. Er emigriert nach Schweden, arbeitet beim staatlichen Fernsehen und dreht seine Filme von nun an "nebenbei", ab 1967 gemeinsam mit seiner Frau Zsóka.

Anlässlich seines 75. Geburtstags feierte DOK Leipzig Peter Nestlers filmisches Schaffen mit einer Hommage.

 

Zu unserem großen Bedauern konnte Peter Nestler aus familiären Gründen leider nicht zum Festival nach Leipzig kommen.


Um so mehr freuten wir uns, dass Rainer Komers, Mitglied der diesjährigen Jury Junges Kino und selbst Filmemacher und Kameramann, sich kurzfristig bereit erklärte, im Gespräch mit Dr. Kay Hoffmann (Haus des Dokumentarfilms, Stuttgart) über das Werk Peter Nestlers und die Verbundenheit und Zusammenarbeit mit ihm zu sprechen.

Beide Filmemacher kennen sich schon seit den 60er Jahren und Rainer Komers hat seitdem an verschiedenen Filmen Peter Nestlers mit gearbeitet. In der Meisterklasse wurden ausgewählte Ausschnitte aus dem Gesamtwerk Peter Nestlers gezeigt.


Diese Veranstaltung fand in deutscher Sprache ohne Übersetzung statt.

 

Dr. Kay Hoffmann (Haus des Dokumentarfilms, Stuttgart) im Gespräch mit Rainer Komers (Filmemacher, Mühlheim/ Ruhr)

Rainer Komers über die Zusammenarbeit mit Peter Nestler

"Beim Film „Judengasse“ (1988) habe ich in Frankfurt das erste Mal Kamera für Peter gemacht. Aber wir trafen uns schon 20 Jahre früher, nachdem er „Mülheim-Ruhr“ gemacht hatte, der für mich stilbildend war und bleibt: ein poetischer Kamerafilm, durchdrungen von einem tiefen Mitgefühl für die vom Mainstream Missachteten: Arbeiter, Verfolgte, Minderheiten. Beide gehören wir einer Generation an, die mit den Nachwehen von Krieg und Rassismus konfrontiert waren. Da gibt es eine wortlose Übereinkunft wie auch im filmischen Handwerk und unserem Zugang zu den Menschen vor der Kamera.

Weitere Stationen unserer Zusammenarbeit sind „Pachamama“ (1995, Hessischer Filmpreis), „Flucht“ (2000) und „Die Verwandlung des guten Nachbarn“ (2002).

Besonders freue ich mich darauf, in der Hommage „Ein Arbeiterclub in Sheffield“ (1965) wiederzusehen, über den ich geschrieben habe:

"Ein Arbeiterclub in Sheffield" ist kein Stück über den Klassenkampf, ist mehr als Milieu- oder Fallstudie und historisches Dokument. Nestlers – vereinfacht gesagt – Außenseiterstandpunkt, an einer Schnittstelle sozialer Kulturen und Klassen, öffnet den Blick für die widersprüchlichen Triebkräfte des Lebens und der Gesellschaft und bannt sie in poetische Bilder. Die Betonung liegt auf «Bilder»: in knapp 40 Minuten über 200 Einstellungen von durchschnittlich 11,5 Sekunden Länge. Das ist noch kein Cinéma Verité mit seiner Huldigung der Unmittelbarkeit (und des Originaltons). Respektvoll Abstand haltend, findet Nestler das für den jeweiligen Menschen in der jeweiligen Situation «richtige» Bild, offenbart seine Schönheit, die Spuren erlittener Erniedrigung und Demütigung überstrahlt.

(aus „Zeit für Mitteilungen“, herausgegeben von der Filmwerkstatt Essen, 1990)"

Master Class with Peter Nestler - Pictures