DOK Leipzig 30. Oktober – 5. November 2017
60. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 30 October – 5 November 2017
60th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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Die Weite suchen

Die Weite suchen

Die Weite suchen
Der Sommer 1987 war für Falk Schuster sehr aufregend. Er war sechs Jahre alt geworden und sollte demnächst Jungpionier werden. Doch bevor er im September endlich eingeschult werden sollte, stand erstmal der ersehnte Urlaub an der Ostsee auf dem Programm. Mit seinen Eltern und der großen Schwester reiste Falk ans Meer. Obwohl dieser Familienurlaub kaum mehr als 25 Jahre her ist, unterscheidet er sich in vielen Details von den Urlauben, die Grundschulkinder heute machen. Während 2015 auf keiner lange Fahrt Mp3-Player, Handy oder Game-Boy fehlen, war Falk damit beschäftigt, die West-Autos auf der Autobahn zu zählen. Dass der jährliche Urlaub im mecklenburgischen Klütz direkt neben dem militärischen Sperrgebiet an der innerdeutschen Grenze stattfand, war für Falk und seine Schwester kein Problem. Für den Sechsjährigen waren die bewaffneten Soldaten, die am Strand Patrouille liefen, einfach nur spannend. Erst später wurde dem heute 35-jährige Regisseur klar, dass die unbeschwerten Ostsee-Urlaube nicht nur die intensivsten Erinnerungen an seine Kindheit sind, sondern auch eine Gesellschaft zwischen Politik und Alltag zeigen, von der heute nur noch wenige Spuren zu finden sind.

KontaKt


DOK macht Schule

Luc Carolin Ziemann

+49 (0)341 3032505



Pädagogische Empfehlungen &
thematische Anknüpfungspunkte
an den Lehrplan

 

Themen

Alltag im Sozialismus, Kindheit in der DDR, Vergangenheitsbewältigung, Erinnerungen Unterrichtsfächer Sachkunde, Deutsch, Geschichte, Gemeinschaftskunde, Philosophie, Ethik/Religion

 

Altersempfehlung

ab 9 Jahren

 

Klassenstufe

ab 3. Klasse

 

Filmgespräch // Galerie

 

Filmgespräch zur DOK Schulvorstellung Die Weite suchen am 26.11.2015 mit dem Regisseur Falk Schuster (Moderation: Luc-Carolin Ziemann)

 

 

DOK: Du hast ja das erste Mal nicht nur mit den Mitteln der Animation, sondern auch dokumentarisch gearbeitet und erzählst keine ausgedachte Geschichte, sondern wirfst einen Blick in die wirkliche DDR-Geschichte. Wie hat das denn deine Arbeitsweise beeinflusst?

Antwort Falk Schuster

 

 

DOK: Warum sind manche Menschen in Deinem Film eigentlich durchsichtig?

Antwort Falk Schuster

 

 

DOK: Wie lange habt ihr gebraucht, um die 41760 einzelnen Bilder für den Film zu malen?

Antwort Falk Schuster

 

 

DOK: Warum sind manche Gegenstände wie die Filmschachtel im Auto nicht vollständig zu Ende gezeichnet?

Antwort Falk Schuster

 

 

DOK: Was passiert, wenn Du den Film Menschen zeigst, die das, worüber Du erzählst, selbst erlebt haben?

Antwort Falk Schuster

 

 

DOK: Warum bist Du Animationsfilmemacher geworden?

Antwort Falk Schuster

 

 

Ausführliches Print-Interview mit Falk Schuster >>

 


Fächerübergreifende Fragen & Unterrichtsanregungen zur Rekapitulation des Films im Unterricht


Ausschnitte

Ausschnitt 1 – Anfangssequenz

 

 

Wie beschreibt Falk die Reise?

Was unterscheidet die Reise von euren Urlaubsreisen?

Was hat die Familie im Anhänger transportiert?

Was bedeutet der Titel „Die Weite suchen“?

 

 

Ausschnitt 2 – Polizeikontrolle

 

 

Warum führt die Polizei heute normalerweise Kontrollen durch?

Warum wurde die Familie Schuster von der Polizei kontrolliert? Was hatte bei den Polizisten einen Verdacht erregt?

Was fanden die Polizisten im Anhänger?

Wie reagierten die Polizisten auf den Fund und warum durfte die Familie dann doch weiter fahren?

 

 

Ausschnitt 3 - Geschenke erhalten die Freundschaft

 

Wie beschreiben die Vermieter die Beziehung zu ihren Urlaubsgästen?

Warum kamen die Urlauber auf die Idee, ihren Vermietern Geschenke mitzubringen?

Warum nannten die Küstenbewohner die Urlauber die „zweite Besatzungsmacht“?

Was waren die Sachsenkeller?

 

 

Ausschnitt 4 – Soldaten

 

Warum gab es am Strand der Ostsee so viele Soldaten?

Wie hat Falk auf die am Strand postierten Soldaten reagiert?

Wie beschreibt der ehemalige Grenzschützer die Arbeit an der Grenze?

Warum durfte man in Boltenhagen kein Schlauchboot mit in den Urlaub nehmen?


Hintergrundinformationen

DDR ("Deutsche Demokratische Republik")

Die DDR entstand 1949 aus der damaligen sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und endete mit ihrem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990. Sie umfasste das Gebiet der heutigen Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die DDR verstand sich als sozialistischer Staat und bezeichnete sich selbst als Arbeiter- und Bauernstaat.

Die politische Macht lag alleine bei einer Partei. Dies war die SED (= Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Freie Wahlen gab es nicht, von Demokratie konnte nicht gesprochen werden. Weil viele Menschen die DDR in den ersten Jahren ihres Bestehens verlassen haben, um im Westen zu leben, haben die Machthaber in der DDR im August 1961 die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland geschlossen und die Berliner Mauer errichtet. 40 Jahre nach ihrer Gründung ist die DDR zusammengebrochen. Dazu haben viele Bürger der DDR beigetragen, indem sie gegen den Staat demonstriert haben. Ihre friedliche Revolution führte zum Ende der DDR und mündete in die Vereinigung von DDR und Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990.

Quelle: www.hanisauland.de

Urlaub in der DDR

DDR-Bürger hatten nur eine begrenzte Auswahl an Urlaubszielen. Das kapitalistische Ausland war tabu und so blieb außer der Reise in ein in ein sozialistisches Nachbarland nur der Urlaub im eigenen Land. Statistisch gesehen blieb der Großteil der DDR Bürger in den Ferien in der DDR, wanderte in Thüringen oder in der Sächsischen Schweiz oder fuhr an die Ostsee.

Viele Urlaubsreisen wurden über die Betriebe organisiert, denn die meisten Betriebe der DDR verfügten über eigene Ferienheime. Auch der FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) besaß eine Vielzahl an Ferienheimen. Einen der begehrten Urlaubsplätze bekamen bevorzugt die, die sich als gute Sozialisten erwiesen hatten. Wer keinen der zentral vergebenen Plätze ergattern konnte, dem blieb ein Urlaub auf einem der staatlichen Campingplätze oder in einem der schwarz vermieteten Privatquartiere.

 

Jungpioniere

Die Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ war in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) die politische Massenorganisation für Kinder. Seit den 1960er/1970er Jahren gehörte der Großteil der Schüler vom ersten bis zum siebten Schuljahr den Pionieren an. Die Pionierorganisation, die der Freien Deutschen Jugend (FDJ) angegliedert war, wurde am 13. Dezember 1948 gegründet und im August 1990 aufgelöst. Sie war vollständig nach sowjetischem Vorbild aufgebaut und organisiert.

DDR-Erinnerungskultur

25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer wird in vielen Veranstaltungen, Büchern und Filmen des Jahrestages der „Wende“ gedacht, die ein Jahr später in die deutsche Wiedervereinigung mündete.

Bis heute wird die Frage, wie an diese Ereignisse, aber vor allem an die davorliegende 40-jährige DDR-Geschichte erinnert und gedacht werden sollte, kontrovers diskutiert. Häufig wird beim öffentlichen Gedenken an die DDR eher das staatliche System fokussiert und der Diktaturcharakter des „SED-Regimes“ hervorgehoben. Im gesellschaftlichen Gedächtnis ist parallel dazu eine Sicht anzutreffen, die die positiven Seiten des DDR-Alltags hervorhebt und vom „richtigen Leben im Falschen“ ausgeht. Vor allem ostsozialisierte Menschen neigen dazu, die Systemkritik zugunsten einer gewissen Nostalgie zurück zu stellen. Auf diese Weise wird gerade in familiären Erinnerungs- und Deutungszusammenhängen darum gerungen, bisher gelebtes Leben nicht zu entwerten und eine positive Familienerinnerung zu tradieren. Es findet eine Umwertung des Erlebten statt: Positives wird betont und Negatives unterschlagen. Auf ähnliche Weise agieren bestimmte mediale Formate wie die „Ostalgie-Shows“, die beispielsweise die DDR-Rockmusik präsentieren, ohne die staatlichen Repressalien zu erwähnen, denen die Musiker ausgesetzt waren, oder aber die nostalgisch an Ostwaren erinnern, ohne die mangelhafte Versorgungslage zu erwähnen.

AnimaDok-Film

Kunstwort aus Animationsfilm und Dokumentarfilm; der Terminus wurde bekannt, als das Leipziger Dokumentarfilmfestival in 1997 eine eigene Sektion „AnimaDok“ einführte

Schon seit die Bilder laufen lernten gibt es Mischformen des dokumentarischen Films, in denen Animationen Teile der Präsentation übernehmen oder sogar in Gänze als Zeichentrick realisiert sind, ohne dass die Filme den Anspruch auf Authentizität aufgeben. Verschiedene Gründe können zum Einsatz von Tricksequenzen führen: die Abstraktheit der Inhalte, die Komplexität der Zusammenhänge oder die Unabbildbarkeit des Intendierten. Bekannte Beispiele für lange AnimaDok-Filme sind „Persepolis“ (Frankreich/USA 2007) und „Waltz with Bashir“ (Israel 2008).


Über den Regisseur

Über den Regisseur
Falk Schuster wurde 1980 in Oschatz geboren und wuchs in Lampertswalde/Sachsen auf. Er studierte zunächst an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle und begann 2007 mit einem Parallelstudium im Rahmen der European Animation Masterclass seine Fähigkeiten als Animationsfilmer zu entwickeln. Schon während des Studiums entstanden diverse kurze Filme, bei denen Schuster mit unterschiedlichsten Animationstechniken arbeitete. Seit 2009 ist er als freiberuflicher Animationsfilmemacher tätig, seine Filme wurden vielfach auf Festivals ausgezeichnet und auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt.


Interview mit Falk Schuster

Im Interview spricht der Regisseur darüber, warum er einen Film über die eigene Kindheit gemacht hat und weshalb er dafür die Mittel des Animationsfilms und des Dokumentarfilms genutzt hat. Er sagt: „Ich wollte eine emotionale Wahrheit schaffen und von einer Zeit erzählen, die für mich sehr wichtig war.“

Hier geht’s zum ganzen Interview >>