DOK Leipzig 30. Oktober – 5. November 2017
60. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 30 October – 5 November 2017
60th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film

Alternativ

Nach der Angst

Sonderprogramm Animationsfilm

Angst ist überall. In den Köpfen der Menschen, in ihren Gemütern, in Film, Fernsehen, Radio und Zeitungen. Auch im Sonderprogramm Animationsfilm. Aber wir fragen, getreu dem Festivalmotto: Was passiert eigentlich nach der Angst? Wird alles noch viel schlimmer, oder können wir vielleicht über unsere Ängste lachen?

 

Vier Reihen decken die positiven sowie negativen Facetten von Angst ab: Die Reihe FEAR FOR FUN steht für den lustvollen und leichten Umgang mit der Angst und meint dann auch mal: Vor der Angst habe ich keine Angst! Die Filmemacher und Filmemacherinnen bedienen sich der Mittel, die der Animationsfilm bietet. Und übersteigern ins liebevoll Abstruse, wie etwa in Birth.

 

Birth (2009); Regie: Signe BaumaneBirth (2009); Regie: Signe Baumane

Der Film von Signe Baumane erzählt die Geschichte einer 17-Jährigen, die schwanger ist. Noch mehr Kind als Frau gruselt es sie vor der Geburt. Sie holt sich Rat und Tipps von älteren Frauen – und gerät noch mehr in Panik. Auch im Programmpunkt EERIE EVOLUTIONS dreht sich noch alles darum, dass gerade der Animationsfilm die Gabe hat, beängstigende Themen mit einem Augenzwinkern darzustellen. Das Handygesetz von Mariola Brillowska geht ironisch mit unserem heutigen Handy-Nutzungsverhalten um und stößt uns gewollt vor den Kopf – das Telefon muss 24 Stunden pro Tag am Leibe geführt werden, um am laufenden Band Daten über uns zu sammeln, die angeblich der Wissenschaft dienen. Doch das ist längst nicht alles. Logorama lebt einen Amerikanischen Alptraum: In dem Film dreht sich alles um Marken und Namen und Ketten und Fastfood. In den Hauptrollen: Zwei Michelin-Männchen, M&Ms und ein amoklaufender Mc-Donalds-Clown.

 

Logorama (2009); Regie: David Alaux, Hervé de Crécy, Ludovic Houplain, François Alaux Logorama (2009); Regie: David Alaux, Hervé de Crécy, Ludovic Houplain, François Alaux

Die Reihen ADAPTING TO ANGST und RAW REVELATIONS zeigen, dass Animationsfilm nicht immer lustig sein muss. Es geht, das sagen schon die Titel, etwas rauer zu. Die Filme werden ernster, manche grenzen gar ans Genre Horror. Ruben Leaves aus der Feder des Schweizers Frederic Siegel handelt von einem Problem, das vermutlich jeder kennt: Man verlässt das Haus, macht sich auf den Weg zur Arbeit und plötzlich ist sie da, die Angst: Hab ich die Tür abgeschlossen? Und den Herd ausgemacht? Ruben treibt diese Ungewissheit in die schiere Verzweiflung. In Women’s Work erzählt eine junge Journalistin aus Frankreich von ihren Erfahrungen und Ängsten während eines Aufenthaltes in Syrien im Sommer 2013 – noch bevor der Syrien-Konflikt über die Medien verbreitet wurde.

 

Le Meat (2014); Regie: Wolfgang MatzlLe Meat (2014); Regie: Wolfgang Matzl

Am Ende herrscht Weltuntergangsstimmung. Da findet sich zum Beispiel der Alptraum jedes Vegetariers: In Le Meat von Wolfgang Matzl wird der Spieß umgedreht – im wahrsten Sinne des Wortes. Ein roher Hähnchenschenkel springt vom Tisch und verzehrt den gesichtslosen Menschen, dem er serviert wird.

 

Kuratiert wird das Programm von Franziska Bruckner, Animationsfilmwissenschaftlerin und Leiterin der Forschungsgruppe Media Creation an der Fachhochschule St. Pölten.