DOK Leipzig 30. Oktober – 5. November 2017
60. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 30 October – 5 November 2017
60th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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Zwei Fragen an Zaza Rusadze

Zwei Fragen an
Zaza Rusadze

Zwei Fragen an Zaza Rusadze

Was ist Deine persönliche Verbindung zum Dokumentar- und Animationsfilm?

 

Zaza Rusadze: 1996 kam ich aus Georgien nach Deutschland, um an der Filmhochschule in Babelsberg Regie zu studieren. Im ersten Ausbildungsjahr fuhr unsere Regieklasse nach Leipzig. Wir bekamen die konkrete Aufgabe, einen Film aus dem Festivalprogramm auszuwählen und dann mit dem Regisseur/der Regisseurin ein Gespräch zu führen. Ich war damals 18 Jahre alt und kam aus einem in Land, wo der Zusammenbruch der Sowjetunion immer noch nachhallte und Kriege und Bürgerkriege den Alltag bestimmten. Dass der Dokumentar- und Animationsfilm überhaupt so eine Stellung hatten, habe ich zum ersten Mal in Leipzig erlebt. Ich habe damals "Благодать" (Wunderland, 1995) ausgesucht und das Gespräch mit Vitaly Mansky geführt. Ich erinnere mich sehr gut an meine Bewunderung, die dieser Film in mir auslöste. Ich fragte mich, wie man etwas dokumentarisch so drehen kann, dass es fast wie ein Spielfilm aussieht und wirkt. Diese vielleicht damals naive Frage beschäftigt mich immer noch und ich finde, sie ist heutzutage extrem modern geworden, wenn die Grenzen zwischen Spiel- und Dokfilm verschwinden und spannende Mischformen entstehen. 

 

Wo liegen Deine Prioritäten beim Auswahlprozess?

 

Zaza Rusadze: Vieles passiert erstmal auf einer unbewussten Ebene, so dass man die Gründe seiner Entscheidung nicht sofort verbalisieren kann, obwohl die Tendenz schon feststeht. Die erste Frage, die ich mir stelle lautet etwa so: Weiß der Filmemacher schon die Antworten auf seine Frage und ist der Film einfach ein Beweis der Richtigkeit seiner These oder erzählt er die Geschichte, weil er nach Antworten sucht und so aus seinen Gedankenwanderungen ein Film entsteht? Jeder Film hat eine Geschichte, aber nicht jede Geschichte ist ein Film. Es ist ein besonderes Gefühl, wenn beim Sichten eines Films plötzlich spürt, dass auf dem Bildschirm etwas echt-Lebendiges und nicht vorgetäuscht-Wahres entsteht. Das ist Kraft und Energie, die unseren Blick und Gedanken auf einer Reise mitnehmen kann. Man schaut auf etwas, was man nicht sofort erkennt, wozu man nicht sofort eine Meinung hat. Die Bilder und Töne führen uns dann zu Dilemmas, Paradoxen und Sackgassen und zu einem Punkt der Wachsamkeit und des Nichtwissens, wo überhaupt das Denken anfangen kann. Es ist ein Glück, solche Filme zu finden.