DOK Leipzig 29. Oktober – 4. November 2018
61. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 29 October – 4 November 2018
61th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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Schule des aufrechten Gangs.
Hommage Marina Razbezhkina

Marina Razbezhkina nähert sich dem postsowjetischen Russland und seinen Menschen von den Rändern her. Nicht die großen Städte und Machtzentren, sondern einfache Leute, meist vom Land, hält die 1948 in Kazan geborene Filmemacherin in einfühlsamen Beobachtungen fest.

 

Life As It Is (2002); Regie: Marina Razbezhkina

Einem internationalen Publikum bekannt geworden ist die Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin mit ihrem Spielfilm „Harvest Time“. Insgesamt hat Razbezhkina bisher rund 30 Filme realisiert, von denen viele auf internationalen Filmfestivals gezeigt worden sind. Mehrmals war sie auch bei DOK Leipzig zu Gast. Mit der Hommage ehrt DOK Leipzig das Dokumentarfilmschaffen Razbezhkinas, die innerhalb der russischen Filmlandschaft stets ihre Integrität bewahrt hat. Zu sehen sind neben bekannten Arbeiten wie „Life as It Is“, „The Holidays“ oder „Another Country“ auch frühe filmische Kleinode der Filmemacherin, die bisher kaum international gelaufen sind und nun eigens für DOK Leipzig untertitelt wurden.

 

The Holidays (2005); Regie: Marina Razbezhkina

Das Spektrum von Razbezhkinas Filmschaffen reicht von Direct Cinema-Arbeiten über quasi-dokumentarische Spielfilme bis hin zu experimentelleren Werken wie „End of the Road“. Bei dieser Exkursion zu den Mari im Putsch-Jahr 1991 interessiert sich die Regisseurin – während das Weltereignis im Radio übertragen wird – nicht etwa für Gorbatschow, sondern vielmehr für ein gespenstisch verlassenes Dorf und seine still-gelegten Eisenbahnschienen. „Life as It Is“ widmet sich, ebenfalls in der Provinz, einer resoluten, alternden Protagonistin zwischen Traktorenfahrten, Kartoffelschälen und dem Studieren von Kontaktanzeigen: Vor dem Hintergrund ihrer gesummten Liebeslieder entblättern sich Sehnsüchte des alltäglichen Lebens. Dagegen taucht Razbezhkinas bekanntester Dokumentarfilm „The Holidays“ in den Rhythmus einer Familie ein, die inmitten der rauen sibirischen Schneelandschaft ihren Alltag bewältigt.

 

Shrove Sunday (2013); Regie: Dina Barinova

Doch nicht nur in ihren Filmen ist Razbezhkina den Menschen zugewandt, sie sucht stets den Austausch mit jungen Filmschaffenden. Als Leiterin einer Schule für Dokumentarfilm in Moskau etablierte sie gemeinsam mit Mikhail Ugarov eine wichtige Alternative zur staatlichen Filmhochschule VGIK. Razbezhkina stellt sich beständig autoritären und patriarchalen Strukturen entgegen und begründete mit der Schule und ihrem eigenen Studio eine für den aktuellen russischen Dokumentarfilm richtungsweisende Direct Cinema-Tradition. In diese führt die Hommage mit einem Programm ein, das ihren Schülerinnen gewidmet ist.

 

Als Unterstützerin junger Talente ist es nur folgerichtig, dass Razbezhkina bei DOK Leipzig außerdem den Gewinnerfilm im Next Masters-Wettbewerb kürt. Zudem gibt sie ihre Erfahrungen in einer Meisterklasse weiter. Die diesjährige Festivalausgabe prägt Razbezhkina schließlich durch ihren eigens für DOK Leipzig entworfenen Festivaltrailer. 

 

Das Programm der Hommage wurde kuratiert von der Filmwissenschaftlerin und Slawistin Barbara Wurm.