DOK Leipzig 29. Oktober – 4. November 2018
61. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 29 October – 4 November 2018
61st International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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Jürgen Böttcher


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Jürgen Böttcher zum 80.

Ein kurzer Querschnitt, Filme aus der Arbeitswelt, Filme über Kunst, von 1972 bis in die Gegenwart. Ein Wiedersehen mit Klassikern und Neues vom Meister.

Ein Muss.


Frau am Klavichord


R: Jürgen Böttcher
DDR, 1981, 17:00min

Sa, 22.10. 20:00 Uhr Schaubühne Lindenfels


Bevor Jürgen Böttcher Regisseur wurde, hatte er an der Kunstakademie Dresden studiert und als Maler gearbeitet. In den 70er-Jahren beginnt er, sich verstärkt wieder der Malerei zuzuwenden – der er sich heute ausschließlich widmet. Der Maler Strawalde ist in allen Filmen des Regisseurs Böttcher präsent. Viele von ihnen setzen sich dezidiert mit dem künstlerischen Prozess auseinander. So entsteht ein Experimentalfilm-Triptychon, in dem das von Böttcher praktizierte Übermalen von Kunstpostkarten zusammen mit Musik und Geräuschen den Inhalt verfremdet und neu konnotiert. Der dritte Teil nimmt Emanuel de Wittes (1617–1692) Gemälde „Frau am Klavichord“ zum Ausgangspunkt einer dynamischen Folge von Form, Farbe und Bewegung. Es entstehen so – nebenbei bemerkt – auch frühe (und bislang in diesem Zusammenhang kaum wahrgenommene) Werke des erst spät mit einem eigenen Label versehenen und heute viel beschworenen Genres Animadok. Grit Lemke

Kurzer Besuch bei Hermann Glöckner


R: Jürgen Böttcher
DDR, 1985, 32:00min

Sa, 22.10. 20:00 Uhr Schaubühne Lindenfels


„Wenn die Begegnung das Ereignis ist“ war die Jürgen Böttcher gewidmete Retrospektive 2000 in Leipzig betitelt. Dieser Film könnte exemplarisch für das so benannte Böttcher‘sche Schaffensprinzip stehen. In dem 95-jährigen Dresdner Maler und Bildhauer, in der DDR lange nicht anerkannt und abseits des Kunstbetriebs unbeirrt kreativ tätig, begegnet Böttcher nicht nur einem charismatischen Genius, sondern – gerade in dem Beharren auf der eigenen Haltung – einem Alter Ego. So wie Glöckner in seinem künstlerischen Schaffen ein Meister der Konzentration, der Reduktion auf das Wesen der Dinge ist, reichen hier wenige Worte und präzise gesetzte Beobachtungen, um dem Betrachter ein Universum zu eröffnen – ohne etwas zu erklären. Grit Lemke

Martha


R: Jürgen Böttcher
DDR, 1978, 49:00min

Sa, 22.10. 20:00 Uhr Schaubühne Lindenfels


Martha Bieder, 68, Berliner Trümmerfrau und bis zur Rente im Tiefbau tätig, Mutter und Großmutter, nimmt Abschied von der Arbeit. In ruhigen Einstellungen begleitet der Film ihre letzten Arbeitstage, während sich in den vertrauten Gesprächen mit Böttcher ein Arbeitsleben entfaltet. In der unwirklich scheinenden Landschaft der Rummelsburger Kippe ersteht eine Art stilles Denkmal für jene (Frauen), die einem Land nicht nur aus Schutt und Asche halfen, sondern bis zum Schluss am Fließband seinen Dreck wegräumten. Grit Lemke

Rangierer


R: Jürgen Böttcher
DDR, 1984, 22:00min

Fr, 21.10. 17:30 Uhr Wintergarten


Nächtliche Arbeiten auf dem größten Rangierbahnhof der DDR in Dresden-Friedrichstadt. In der Dunkelheit bewegen sich Güterzüge geradezu gespenstisch hin und her. Männer beim Koppeln und Entkoppeln der Waggons mittels langer Hebel, monotone, aber kraftvolle Handbewegungen. Der Blick des von Thomas Plenert in Schwarz-Weiß und auf besonders lichtempfindlichem Material fotografierten Films ist auf das Ganze gerichtet, das konzertierte Zusammenspiel mechanischer Bewegungen. Keine Sprache, nur die donnernden Geräusche der tonnenschweren Lasten. Rhythmus pur – und schon längst ein Klassiker des Dokumentarfilms, der wie wenige andere Generationen von Regisseur/innen nachhaltig geprägt hat. Grit Lemke

Videotagebuch Salvador


R: Jürgen Böttcher
Deutschland, 2008, 23:00min

Fr, 21.10. 17:30 Uhr Wintergarten


Es waren stets die arbeitenden Menschen, die Jürgen Böttcher in seinem filmischen Werk beschäftigten und deren Darstellung er in der DDR ein entscheidendes Kapitel hinzufügte. Mehr als zwei Jahrzehnte nach seinem letzten „Arbeiterfilm“ („Die Küche“, 1987) entdeckt er vom Fenster seines Hotelzimmers im brasilianischen Bahia St. Salvador, wo er anlässlich einer Ausstellung seiner Werke weilt, Bauarbeiter. Gegenüber errichten die schwarzen Männer, deren Helme rot und blau leuchten, ein Betongebäude. Dahinter das Meer, über das ihre Vorfahren als Sklaven aus Afrika kamen. Jürgen Böttcher nimmt die Videokamera und filmt … Eine „Reportage aus einem fremden Land“ (J.B.), die erstmals öffentlich zur Aufführung kommt. Grit Lemke

Wäscherinnen


R: Jürgen Böttcher
DDR, 1972, 23:00min

Fr, 21.10. 17:30 Uhr Wintergarten


VEB REWATEX, ein Textilreinigungsbetrieb in Berlin. Hier werden junge Mädchen, denen man glänzende Perspektiven versprochen hat, zu Wäscherei-Facharbeiterinnen ausgebildet. Im Dampf des Waschsaals und im Lärm der beständig rotierenden Trommeln reflektieren die Mädchen über ihr Leben und Zukunftsvorstellungen, die mit der Realität teilweise kollidieren. Die schwere, eintönige Arbeit wird von Werner Kohlerts Kamera präzise, aber fern jeder Romantik erfasst, und in den mit viel Sympathie dargestellten Wäscherinnen begegnen wir Menschen, die ihre Träume noch nicht aufgegeben haben. Grit Lemke