DOK Leipzig 29. Oktober – 4. November 2018
61. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 29 October – 4 November 2018
61st International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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Rhythms of India


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Programmübersicht Arabischer Frühling Gitta Nickel

Filmmakers as Changemakers — The Rhythms of India

Ein Sufi-Dichter, der Brücken zwischen Hindus und Moslems baut. Ein Junge in Kaschmir, der sich durch Fußball eine Zukunft schaffen will. Eine Jugend, die im Land des Kamasutra gegen eine rigide Sexualmoral kämpft. Der Aufbruch der IT-Branche in ein neues Zeitalter. Die Folgen ungebremster Industrialisierung auf Menschen und Natur. ... und immer wieder eine tief verankerte Spiritualität.

Ein unbekannter Subkontinent jenseits der Bollywood-Klischees – gesehen aus der Innenperspektive indischer Filmemacher.


.In for Motion


R: Anirban Datta
Indien, 2008, 59:00min

Do, 20.10. 20:00 Uhr CineStar 6

Sa, 22.10. 11:30 Uhr Wintergarten


Ein Märchen aus einem Land, dessen Bevölkerung jährlich um 30 Millionen Menschen wächst, von denen 20 Millionen zur gut ausgebildeten Mittelschicht gehören. Aufgebaut wie ein Road Movie, nimmt uns dieser dynamische Film mit auf die Autobahnen des digitalen Zeitalters und der neuen Computertechnik. Von schnell wachsenden Metropolen bis hin zu Regionen, wo zwischen den Wolkenkratzern Kamele herumlaufen, folgen wir mehreren Protagonisten, die über ihre Gefühle und Erwartungen angesichts der durch die wirtschaftliche Liberalisierung der 90er-Jahre verursachten Veränderungen sprechen. Erzählt werden viele eigentümliche Geschichten über die Supermacht Indien mit ihren außergewöhnlichen IT-Erfolgen und ihrem Software-Know-how. Die Begegnung mit den Pionieren, die in den 50er-Jahren Asiens erste Computer – gewaltige Maschinen – bauten, hilft dabei, das Schicksal einer Gesellschaft zu verstehen, die Tag für Tag dramatische Umbrüche erlebt. Nach Abschluss seiner Ausbildung an der berühmten SRFTI Filmschule in Kolkata betrat der Regisseur die Welt des Kinos gewissermaßen über den roten Teppich: sein Abschlussfilm „Tetris“ feierte 2006 in Cannes Premiere. Er konnte für dieses Projekt gleich mehrere europäische Fernsehsender gewinnen und arbeitete eng mit seinem Bruder Amlan zusammen, der für die ausgezeichnete Kameraführung verantwortlich war. Die Datta-Brüder zählen heute mit Sicherheit zu den talentiertesten und leidenschaftlichsten Dokumentarfilmern Indiens. Rada Šešić

A Pestering Journey


R: K. R. Manoj
Indien, 2010, 66:00min

Was als Reise in den Mikrokosmos in unserer nächsten Umgebung beginnt, entwickelt sich zu einem schockierenden Dokumentarfilm, der sein Makroobjektiv auf Verletzungen und Krankheiten richtet, die durch gesetzlich zugelassene Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel verursacht wurden. Wie kann das systematische Töten der Bevölkerung einer ganzen Region legal sein? Wer ist für die zerstörten Leben und die Verwüstung großer Landstriche verantwortlich? Warum verschließen die Behörden dauerhaft die Augen? Dieser investigative Dokumentarfilm nimmt in Kerala, dem Heimatstaat des Regisseurs, der als grün und fruchtbar gilt, seinen Anfang und führt weiter in andere Teile Indiens, wobei viele verborgene Aspekte der technischen und wirtschaftlichen Logik der grünen Revolution freigelegt werden. Im Punjab wird der Montagmorgen-Zug von den Ortsansässigen „Krebszug“ genannt, da Hunderte Kranke mit ihm ins nächstgelegene Krankenhaus fahren. Den ganzen Tag unterwegs, nur um am nächsten Morgen auf ihre giftigen Felder zurückzukehren, giftiges Gemüse zu essen und giftige Luft zu atmen. Den Filmemacher treibt die Frage um, was genau ein Schädling ist? Oder vielmehr, wer hier eigentlich der Schädling ist? Rada Šešić

At the Stairs


R: Rajesh S. Jala
Indien, 2011, 30:00min

Do, 20.10. 20:00 Uhr CineStar 6

Sa, 22.10. 11:30 Uhr Wintergarten


Benares, auch Varanasi oder Kashi genannt, ist der Ort am Ganges, an dem nach hinduistischem Glauben Witwen ihre letzten Tage verbringen, um Moksha zu erreichen, die Befreiung aus dem Kreislauf von Leben und Tod. Der Regisseur kehrt nach seinem preisgekrönten Dokumentarfilm „Children of the Pyre“ (DOK Leipzig 2008) an diesen magischen Ort zurück, der als religiöser Mittelpunkt Indiens gilt. Mit der ausgeprägten Handschrift des Autorenfilmers widmet sich dieser Cinéma-vérité-Dokumentarfilm in starken und sorgfältig komponierten Bildern dem Alltag dreier Witwen, stellt Leben und Tod sowie materielle und spirituelle Welt einander gegenüber. Durch die wachen, genau beobachtenden Augen des Regisseurs werden wir Zeugen eines authentischen, verdichteten Lebens unter ungewöhnlichen Umständen, in dem Raum für Meditation und Gedanken bleibt. Obwohl die heiligen Stätten vom unablässigen Menschenstrom regelrecht überflutet werden, schafft der Filmemacher in diesem kurzen, aber eindringlichen Film eine Atmosphäre, die gewissermaßen die Abwesenheit menschlicher Beziehungen ausstrahlt. Rada Šešić

Bounded-Boundless – Journeys with Ram and Kabir


R: Shabnam Virmani
Indien, 2009, 103:00min

Mi, 19.10. 20:00 Uhr CineStar 6

Do, 20.10. 17:00 Uhr Filmeck

Di, 18.10. 22:15 Uhr Cinémathèque in der naTo


Dieser Dokumentarfilm ist Teil eines vielschichtigen Multimedia-Projekts über Kabir, das die Filmemacherin als Artist-in-Residence an der Srishti School of Art, Design and Technology in Bengaluru geschaffen hat. Das Projekt besteht aus vier Filmen, zwei Folkmusik-Videos und zehn CDs sowie Büchern mit Übersetzungen seiner Gedichte. Über die Inspiration für dieses gewaltige Projekt zur aktuellen Bedeutung von Kabir, einem mystischen Dichter des 15. Jahrhunderts aus dem Norden Indiens, sagt die Filmemacherin: „Kabir hat die Grenzen zwischen Hindus und Moslems überwunden. Er trug einen muslimischen Namen und wurde muslimisch erzogen, beschwor in seinen Gedichten aber wiederholt die weithin verehrte hinduistische Gottheit Ram. Wer ist Kabirs Ram?“ In Form eines musikalischen Reisetagebuchs porträtiert der Film ganz unterschiedliche Menschen, die Kabirs Gedichte singen und seine Philosophie der Liebe verbreiten, und zeichnet so ein aktuelles politisches Stimmungsbild des Landes. Indem sie nicht nur das äußere Geschehen, sondern auch den Prozess des Filmens selbst thematisiert, fügt die Regisseurin ihrem Film eine weitere Dimension hinzu. Obwohl der Film, wie einige andere aus unserem Programm, zunächst Probleme mit der indischen Zensur hatte, wurde er später mit dem indischen Nationalpreis ausgezeichnet. Rada Šešić

Inshallah, Football


R: Ashvin Kumar
Indien, Großbritannien, 2010, 83:00min

Fr, 21.10. 20:00 Uhr CineStar 6

Sa, 22.10. 14:30 Uhr CineStar 6


Dieses menschliche Drama, in dem Fußball zum Katalysator für Hoffnung und Veränderung wird, zeigt den Kampf der jungen Generation im heutigen Kaschmir. Der umkämpfte Teil der Region, den sowohl Indien als auch Pakistan für sich beanspruchen, ist ein Ort voller Gewalt, militanter Kämpfer und Menschen, die spurlos verschwinden. Die Geschichte folgt drei bemerkenswerten Männern: dem 18-jährigen Basharat, Kapitän einer Jugend-Fußballmannschaft, seinem Vater, einem ehemaligen militanten Kämpfer der Hizbul Mujahideen, und Marcos, einem leidenschaftlichen Fußballtrainer aus Argentinien, der nach Kaschmir kam, um eine Fußballschule zu eröffnen. Basharat träumt von einer Profikarriere im Land seines Idols Pelé. Er hat das Glück, tatsächlich für ein Trainingslager in Brasilien ausgewählt zu werden. Aber dann beginnt der Albtraum: Er bekommt keinen Pass und wird zwischen Behörden, Polizeiverhören und Gerichtssälen hin- und hergeschoben. Im Cinéma-vérité-Stil erzählt der Oscar-nominierte Regisseur Ashvin Kumar eine warmherzige Geschichte voller Mitgefühl für seine Protagonisten. Die indische Zensurbehörde verbot den Film zunächst, gab ihm aber später eine eingeschränkte Freigabe für Erwachsene, was gleichwohl seine Chancen, jemals im indischen Fernsehen ausgestrahlt zu werden, zunichtemachte. Auszeichnungen und begeisterte Zuschauerreaktionen im Ausland haben indes seine Qualität längst bewiesen. Rada Šešić

Love in India


R: Q
Deutschland, Indien, Finnland, 2009, 91:00min

Do, 20.10. 22:15 Uhr Wintergarten

So, 23.10. 14:00 Uhr Filmeck


Ein filmisches Essay über die moderne indische Gesellschaft und ihre Ansichten über Romantik, Liebe und Sex. Eine Nation, die den Liebesakt einst zelebrierte und das erfindungsreiche Kamasutra hervorbrachte, verbietet heute noch immer echte Küsse auf der Leinwand. Das indische Kinopublikum, das fast täglich laszive Gesangs- und Tanzszenen genießt, will auch durch offene Erotik und Sex verführt werden. Deshalb erfanden kreative Regisseure in den 1980ern die sogenannten „wet-sari-Szenen“. Diese und viele andere aufregende Themen greift dieser gut gemachte und persönliche Film voller intimer Szenen und Beichten, gewagter Diskussionen und anregender Gedanken auf. Gibt es in einem Liebesfilm Raum für Politik? Wenn rechtskonservative Gruppen Valentinskarten verbrennen und Liebespaare belästigen, ist das kaum zu vermeiden. Diese fesselnde Geschichte ist mehr als eine filmische Gebrauchsanweisung für tantrische Techniken zur Kontrolle und Verlängerung der Lust. Sie entlarvt vielmehr die Heuchelei der Gesellschaft und spricht für eine jüngere Generation, die auf einen Wandel der Werte und der Sexualmoral drängt. Rada Šešić

Manipur Song


R: Pankaj Butalia
Indien, 2009, 60:00min

Sa, 22.10. 20:00 Uhr CineStar 6

So, 23.10. 16:30 Uhr Universum


Seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 kämpfen die Bewohner des winzigen nordöstlichen Staates Manipur, der vor der britischen Kolonialherrschaft ein unabhängiges Königreich war, um kulturelle und ethnische Anerkennung – ein Kampf, der wiederholt zu Aufständen in diesem Gebiet führte. Als Reaktion gab die indische Regierung der Armee beispiellose Vollmachten zur „Kontrolle“ dieses Aufstands, was zu Unterdrückung und sogar Folter führte. 2004 protestierte eine Gruppe von Frauen gegen anhaltende Vergewaltigungen, indem sie sich nackt vor eine Kaserne stellten, mit Bannern, auf denen zu lesen war: „Die indische Armee vergewaltigt uns.“ Dieser Skandal wurde von den indischen Behörden sofort unter den Teppich gekehrt. Der renommierte Dokumentarfilmer Pankaj Butalia, der dafür bekannt ist, stets mehrere Jahre an seinen Projekten zu arbeiten, enthüllt weitere schockierende Begebenheiten aus dem Alltag der Manipuri, wenn zum Beispiel Männer von Soldaten gezwungen werden, einander mit Rohrstöcken zu verprügeln. Butalia, der für seinen Film „Moksha“ 1993 bei DOK Leipzig die Silberne Taube gewann, nähert sich seinem Thema mit größtmöglicher Würde und Mitgefühl, ohne Euphorie oder Pathos. Die Ruhe und Sorgfalt, mit der er diese Geschehnisse dokumentiert, macht aus seinem Film viel mehr als eine bloße Aneinanderreihung von Fakten und Geschichten. Sie appelliert an unsere Menschlichkeit und fordert uns auf, Stellung zu beziehen. Rada Šešić

Oranges and Mangoes


R: Priyanka Chhabra
Indien, 2011, 22:00min

Fr, 21.10. 20:00 Uhr CineStar 6

Sa, 22.10. 14:30 Uhr CineStar 6


Der Klimawandel hat tiefgreifende Auswirkungen auf die indische Landwirtschaft. Was passiert etwa, wenn es in der Wüste regnet? Was, wenn das typische Getreide einer bestimmten Region dort plötzlich nicht mehr wächst? Derart fundamentale Fragen stellt dieser kurze, zugleich lyrische und präzise Dokumentarfilm. Die junge Absolventin des renommierten NID Art Institute schafft eine Atmosphäre, die uns die Schönheit und Gefahr des Spiels, das die Natur mit uns treibt, gleichermaßen vor Augen führt. Der Treibhauseffekt zwingt Bauern und Städter in ganz Indien, ihre Gewohnheiten, Arbeitsweisen und Lebensstile zu ändern. Anhand zahlreicher Regenlieder aus den verschiedenen Regionen nimmt uns Priyanka Chhabra mit auf eine Reise durch dieses schier endlose Land, von Nord nach Süd und von Ost nach West. Überall sehen wir, welche Mühen das veränderte Klima den Menschen auferlegt. In schönen und starken Bildern vereint der Film Interviewsequenzen mit rein beobachtenden Szenen. Rada Šešić

Out of Thin Air


R: Shabani Hassanwalia
Indien, 2009, 50:00min

Mi, 19.10. 17:30 Uhr CineStar 6

Do, 20.10. 14:30 Uhr CineStar 6


In der atemberaubenden Gebirgslandschaft der entlegenen Ladakh-Region wurden schon viele Spielfilme gedreht. In letzter Zeit zumeist lokale Low-Budget-Produktionen, die später zu regionalen Kassenschlagern wurden. Die „Ladakh Vision Group“ besteht aus Filmbegeisterten, die ihre eigenen Geschichten samt Gesangs- und Tanzszenen als Unterhaltungsfilme auf die Leinwand bringen. Sie besetzen örtliche Laien als Schauspieler und haben ihre eigenen talentierten Regisseure. Die Hauptfigur dieses fesselnden, komischen und charmanten Dokumentarfilms über die Pioniere der Local-Masala-Movie-Bewegung ist ein buddhistischer Mönch, der gerade einen neuen Film dreht: „Las-Del or Karmic Connection“. Als begabter Regisseur und leidenschaftlicher Cineast steht er vor der schweren Entscheidung, ob er seine religiöse Erziehung hinter sich lassen und professioneller Filmemacher werden soll. Hausfrauen, Lehrer und Taxifahrer, die in diesen Kassenschlagern mitspielen, genießen ihren Ruhm, wenn die Nachbarn sie als romantische Heldin, knallharten Heroen oder Bilderbuchschurken wiedererkennen. Rada Šešić

Songlines


R: Vasudha Joshi
Indien, 2010, 44:00min

Mi, 19.10. 17:30 Uhr CineStar 6

Do, 20.10. 14:30 Uhr CineStar 6


„Blues und Folk sind ein und dasselbe, nur eins ist eine Frau und das andere ein Mädchen. Wo ist der Unterschied?“, so einer der Protagonisten des Films, der selbst ernannte „Vater des Naga Folk Blues“. In diesem fesselnden Dialog zwischen Melodien und Texten tritt noch eine ganze Reihe weiterer liebenswerter Musiker auf: ein blinder Baul-Sänger aus Tarapeeth, eine Adivasi aus Singhbhum, ein bengalischer Baul-Bluessänger aus Kolkata und eine Blues-Band aus Shillong. Dieser mitreißende Dokumentarfilm zeigt verschiedene Facetten des menschlichen Grundbedürfnisses nach Verständigung und dessen Ursprung in den Herzen ganz normaler Menschen. Vasudha Joshy untersucht hier aus einem sehr persönlichen Blickwinkel eine Musik, die es wenigstens für einen Augenblick vermag, eine Sorge, einen Schmerz, eine Sehnsucht oder ein Problem zu lindern. Die Regisseurin war in den 80er-Jahren Mitglied einer Aktivistenbewegung vorwiegend weiblicher Dokumentarfilmer. Sie tritt in ihrem Film selbst auf, um zu verdeutlichen, dass die Folk/Blues-Stimmung auch für sie ein Lebensgefühl ist. Und so ist auch ihr Film von fließenden Rhythmen getragen, atmosphärisch, intim und gelegentlich nonchalant. Rada Šešić

The Salt Stories


R: Lalit Vachani
Indien, 2008, 84:00min

Fr, 21.10. 16:30 Uhr Universum

Sa, 22.10. 22:30 Uhr Filmeck


Ein Road Movie auf den Spuren von Gandhis historischem Salzmarsch von 1930. Der Film schildert das politische Klima des heutigen Indien und fragt zugleich, was übrig ist vom Erbe des Mahatma und seiner Lehre von der Gewaltlosigkeit. Was bewegt die Menschen in der weltgrößten Demokratie heute? Auf dieser sehr persönlichen, von Archivmaterial und aufschlussreichen Interviews getragenen Suche trifft der mehrfach preisgekrönte Filmemacher Vachani auf Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten: Dorfbewohner, Städter, Arme und Reiche, Arbeits- und Hoffnungslose, aber auch Mitglieder der Filmcrew mit ihren vielfältigen politischen Ansichten. Die narrative Struktur dieses Reisetagebuchs erweist sich als geradezu perfekte Umsetzung von Gandhis Motto „Satyagraha“, was wörtlich übersetzt in etwa „nach der Wahrheit fragen“ bedeutet. Auf seiner Suche nach der Wahrheit über das heutige Indien mäandert der Film durch Zeit und Raum und berührt dabei diverse politische Richtungen, gesellschaftliche Spannungen, die Indoktrinierung durch die Medien und übermächtige politische Propaganda, um herauszufinden, ob Gandhis Geist im modernen, globalisierten Indien der Jetztzeit noch lebt. Rada Šešić

The Stitches Speak


R: Nina Sabnani
Indien, 2010, 12:00min

Mi, 19.10. 14:00 Uhr Filmeck

Di, 18.10. 20:00 Uhr Cinémathèque in der naTo


Ein unkonventionell strukturierter animierter Dokumentarfilm, der die Kunstfertigkeit und Leidenschaft der Kachchh-Handwerker im indischen Bundesstaat Gujarat feiert. Bevor sie nach Mumbai zog, war die Filmemacherin selbst lange Dozentin am angesehenen National Institute of Design in Ahmedabad, einem der wenigen Orte in Indien, an denen Animation ernsthaft gelehrt wird. Der Film verbindet die mündlich erzählten Geschichten der Dorfbewohnerinnen, die allesamt mit der lokalen Kunsthandwerkerschule verknüpft sind, kreativ mit ihren Stickereien, die nach dem Vorbild überlieferter Muster und traditioneller Handwerkstechniken gefertigt werden. Die Frauen nutzen ihre „narrative“ Kunst, um ihre Ansichten über das Leben auszudrücken. Sie erzählen von tragischen Ereignissen, politischen Unruhen, der Teilung zwischen Indien und Pakistan oder auch von fröhlichen Ereignissen und Feierlichkeiten wie dem berühmten Drachenfest von Gujarat. Rada Šešić

Vertical City


R: Avijit Mukul Kishore
Indien, 2010, 34:00min

Sa, 22.10. 20:00 Uhr CineStar 6

So, 23.10. 16:30 Uhr Universum


Ein visuell beeindruckender Film über die Veränderungen in Mumbai und den Preis, der für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Metropole gezahlt wird. Ein ganzer Slum wurde zerstört, um für die Erweiterung des Flughafens Platz zu machen, die Bewohner in weit entfernte Hochhäuser umgesiedelt. Diese Neubauten für die Armen erwiesen sich als Fehlplanung. Sie waren in weit entfernten Vororten errichtet worden und erfüllten nicht im Mindesten die staatlicherseits propagierte Verheißung eines besseren Lebens. Ohne Einkommen und oft arbeitslos können die neuen Mieter nicht verhindern, dass die aus dem Boden gestampften Wohngebiete allmählich zu vertikalen Betonwüsten verkommen – unwirtlicher als es die Slums je waren. Mit poetischem Blick fängt der Filmemacher diese versteckten Orte in Mumbai ein und übersetzt sie in eine lyrische, melancholische und doch kraftvolle essayistische Filmsprache. Rada Šešić

Word within the Word


R: Rajula Shah
Indien, 2008, 74:00min

Mi, 19.10. 14:00 Uhr Filmeck

Di, 18.10. 20:00 Uhr Cinémathèque in der naTo


Eine eindrucksvolle filmische Ballade, die das Indien des 21. Jahrhunderts mit dem Land des mystischen Dichters Kabir verwebt, dessen aus dem 15. Jahrhundert stammende Lieder noch heute auf dem ganzen Subkontinent gesungen werden. Die Filmemacherin konzentriert sich in ihren Alltagsbeobachtungen auf die Weisheit des kleinen Mannes, indem sie Musik, Texte, Landschaften und Gesichter mit Bildern alltäglicher Verrichtungen kombiniert und so beim Betrachter persönliche Erinnerungen weckt und zur Selbstreflexion anregt. Selbst Nahaufnahmen gewöhnlicher Gegenstände wie Wassertanks oder Telefondrähte, ein paar Schwalben auf einem Draht oder Ameisen rund um ein Blatt zeugen von Rajula Shahs Kunstfertigkeit und Fähigkeit, eine Atmosphäre zu erzeugen, in der jede einzelne Einstellung Bedeutung erlangt. In seiner Lehre vereint der Dichter Kabir Ideen aus dem Islam und dem Hinduismus und warnt vor religiösem Fanatismus und Heuchelei – Themen, die auch heute noch relevant sind. Die Unbeschwertheit, mit der gewöhnliche Menschen diese Gedichte am Ende eines harten Arbeitstages vor der Kamera singend nachempfinden, passt perfekt zum eleganten Rhythmus der sanft wogenden Bilder, die uns den Weg zu einer höheren Stufe geistigen Bewusstseins zu eröffnen vermögen. Diese tiefe Erfahrung verdanken wir sowohl den Bhakti-Anhängern, die sich zur poetischen Sprache Kabirs hingezogen fühlen, als auch der Regisseurin, die den Bildern des modernen Indien den zeitlosen Geist des indischen Volkes gegenüberstellt. Rada Šešić