DOK LEIPZIG 28. OKTOBER – 3. NOVEMBER 2019
62. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 28 October – 3 November 2019
62nd International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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Festival News

24.09.2019

NEUES FORMAT BEI DOK LEIPZIG: ANIMATION PERSPECTIVES

NEUES FORMAT BEI DOK LEIPZIG: ANIMATION PERSPECTIVES Max Colson aus London und die deutsche Kurzfilmpreisträgerin Brenda Lien im Interview über ihre Arbeitsweisen. Foto: Silvan Spohr/Max Colson

Wir freuen uns, mit den Animations Perspectives bei der 62. Ausgabe von DOK Leipzig ein neues Programmformat präsentieren zu können. Jeweils zwei Künstler/innen, die Animationstechniken verwenden, hat Kurator André Eckardt eingeladen, sich zu präsentieren, sich gegenseitig zu befragen und gemeinsam mit dem Publikum ihre Werke zu beleuchten. Den Anfang machen Max Colson aus London und die deutsche Kurzfilmpreisträgerin Brenda Lien.

 

Und wie könnte man sich besser auf das dialogische Format einstellen als mit einem kurzen Statement der beiden?

Also los!

 

Max Colson über Brenda Lien

 

Was war dein erster Gedanke als du Brendas Arbeit gesehen hast?

Ich erinnere mich, dass ich dachte, noch nie eine derartige Animation gesehen zu haben. Es war schockierend und eindringlich!

 

Falls du dich erinnerst, welche Arbeit dies war, was hat dich besonders beschäftigt?

Der erste Film von Brenda, den ich sah, war CALL OF CUTENESS, eine halluzinatorische, animierte Reise durch die dunklen Ecken des Internets, in der Katzenvideos auf sadistischer und industrieller Ebene produziert werden. Ihre Fähigkeit, Unbehagen auszulösen, aber gleichzeitig auch Humor bei einem solchen Thema zu provozieren, fand ich sehr geschickt und originell.

 

Was wolltest du seitdem über ihre Arbeit erfahren?

Ich bin sehr gespannt, wie sich ihre Arbeit in der kritischen Auseinandersetzung mit digitalen Systemen entwickelt, die die westliche Gesellschaft für den Masseninformationsaustausch und die Datenerfassung aufgebaut hat. Ihre Arbeit scheint sich aus experimentellen Prozessen zu entwickeln und so entwirft sie am Ende eine neue Filmästhetik, die sich eindringlich mit der Wahrnehmung des Internets beschäftigt.

 

Wo siehst du Überschneidungen in euren Herangehensweisen und Techniken?

Wir sind beide daran interessiert, die weniger verbreiteten oder verborgenen Aspekte des Internets sichtbarer zu machen. Zum Beispiel haben wir Filme gedreht, die sich mit den online existierenden Untergrund-Communitites beschäftigen. Nachdem ich mit ihr ein wenig darüber gesprochen hatte, wurde mir klar, dass dies zum Teil auf unser gegenseitiges Interesse an der Rolle des "Online-Voyeurs" zurückzuführen ist. Wir scheinen beide an Nischen-Online-Communities interessiert zu sein und an Projekten, die einige unserer Beobachtungen zusammenfassen. Ich denke, wir konzentrieren uns auch darauf, Filmtechniken zu entwickeln, die dem "Internet" entsprechen, um uns besser damit auseinanderzusetzen.

 

Brenda Lien über Max Colson

 

Als ich durch André Max Arbeiten kennengelernte, wusste ich sofort, warum André uns in diesem Panel zusammenbringen wollte. Unsere Filme verbindet das Interesse an Foundfootage und dem Versuch, gesellschaftliche Zusammenhänge durch filmische Mittel wie der Montage aufzuweisen und zu analysieren. In unserem ersten Gespräch stellten wir außerdem fest, dass wir mit ähnlichen Methoden arbeiten, obwohl unsere Filme zunächst eher unterschiedlich wirken.

 

Wir beide verbringen unheimlich viel Zeit im Internet, durchstöbern massentaugliche Medien genauso viel wie den „weird part of the internet“ und sehen uns dabei aber immer eher als Beobachter_innen.

Ein lustiger Moment war als wir feststellten, dass wir gerne Kommentarspalten lesen, aber nie selber Kommentare hinterlassen – das Kommentieren findet dann im Rahmen unserer künstlerischen Arbeiten statt, in denen wir das gesammelte Material collagieren und somit neue Kontexte schaffen.

 

Mir fiel außerdem noch auf, dass wir beide nicht aus der klassischen Animationsecke kommen, sondern in unseren Filmen hybride Techniken verwenden – d.h. ein Zwischending aus Animation und Realfilm, wobei meiner Meinung nach die Grenzen bei Max Arbeiten noch viel fließender sind.

Ich denke es wird viele spannende Fragen und Themen geben, die wir in den „Animation Perspectives“ zusammen mit André diskutieren werden!

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