DOK Leipzig 29. Oktober – 4. November 2018
61. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 29 October – 4 November 2018
61th International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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Programm

Kommandanten  –  Vorsitzende  –  Generalsekretäre. Kommunistische Herrschaft in den Bildsprachen des Films

Wie hat sich die kommunistische Idee in der Bildsprache des Films niedergeschlagen? Wie blicken die Filme auf das Regime und ihre Führer? Und an welcher Stelle finden Ikonografien von damals auch im politisch-medialen Diskurs von heute wieder Anwendung? Die diesjährige Retrospektive geht in acht Programmen der These nach, dass sich geschichtliche Ereignisse nicht nur einmal, sondern mindestens zweimal ereignen – frei nach Marx, einmal als Tragödie, ein weiteres Mal als Farce.

 

100 Jahre nach der Oktoberrevolution präsentiert das Festival Filme von damals und heute, manche tief in der Ideologie verwurzelt und andere aus der Distanz blickend, um ein vielschichtiges Bild des Kommunismus zu zeichnen.

 

Der Sekretär (1967), Regie: Jürgen BöttcherDer Sekretär (1967), Regie: Jürgen Böttcher

Es geht zunächst um den Zauber, die Faszination und den Enthusiasmus, die die kommunistische Idee zu Beginn begleitet haben. Und darum, wie sich der Kommunismus selbst filmisch dargestellt hat, als die Ideologie Alltag geworden ist. Der Sekretär etwa ist ein Porträtfilm des DEFA-Dokumentaristen Jürgen Böttcher über den Alltag eines Parteisekretärs der SED in den Buna-Werken bei Halle – eine filmische Hymne über die Dialektik von Mühsal und Pathos.

 

Filme unterschiedlichster geografischer Herkunft kreisen um einige Schlagworte in der Geschichte des Kommunismus, darunter Personenkult und Revisionismus. Das ambivalente Verhältnis zu religiösen Traditionen wird unter anderem in Peter von Baghs A Day at the Grave of Karl Marx thematisiert. Welchen Verlauf die Ideologie in Ländern der sogenannten Dritten Welt nahm, das untersuchen zum Beispiel zwei Filme des Kubaners Santiago Alvarez. Und in seinem in Cannes prämierten Tonfigurenfilm The Missing Picture zeichnet der kambodschanische Regisseur Rithy Panh ebenso kraftvoll wie unversöhnt die Geschichte des Völkermordes der Roten Khmer in Kambodscha nach. Wie sehr im Zusammenhang des Kommunismus auch Fragen von ethnischer Herkunft und Geschlecht eine Rolle spielen, zeigen u.a. Filme über Rosa Luxemburg, über die US-amerikanische Black Panther Party, über die politischen Aktivistinnen Angela Davis sowie Kathleen und Eldridge Cleaver.

 

The Missing Picture (2013), Regie: Rithy PanhThe Missing Picture (2013), Regie: Rithy Panh

Der Publizist Jörg Becker und der Kulturwissenschaftler Christian Schulte navigieren schließlich auf einem Podium mit Filmausschnitten durch Alexander Kluges Opus Magnum Nachrichten aus der ideologischen Antike. Marx – Eisenstein - Das Kapital. Zur Debatte stehen soll in diesem Rahmen auch Kluges Polemik, "dass gute Revolutionen nicht unter 800 Jahren zu haben sind".

 

Zwei Matineen ergänzen die Retrospektive:

Im Programm des Sächsischen Staatsarchivs werden einige herausragende filmische Archivalien zur Alltagsgeschichte der DDR erstmals öffentlich vorgestellt. Wie präsentierten sich Vertreter des DDR-Regimes in Leipzig? Wie wollten sie wahrgenommen werden und wie wurde solch hoher Besuch aus der Hauptstadt inoffiziell aufgenommen?

 

Eine DEFA Matinee rückt Karl Gass in den Fokus: Der Dokumentarfilmer übernahm 1954 die künstlerische Leitung des DEFA-Studios für populärwissenschaftliche Filme, war aber auch Mitbegründer der Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche, wie DOK Leipzig ursprünglich hieß. Mit zwei Filmen verbeugt sich das Festival vor dem Lebenswerk des "Dokumentaristen im Sozialismus", der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.

 

Zum Thema der Retrospektive findet ein Symposium statt in Kooperation mit dem Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa.

 

Verantwortlich für die Retrospektive ist Ralph Eue. Er ist seit 2017 Programmer bei DOK Leipzig und Vorsitzender der Auswahlkommission, der er seit 2007 angehört.

 


 

Die Retrospektive wird gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.