DOK LEIPZIG 28. OKTOBER – 3. NOVEMBER 2019
62. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 28 October – 3 November 2019
62nd International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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Hommage Tan Pin Pin

Nußschalenepik. Hommage Tan Pin Pin

IMPOSSIBILITY OF KNOWING von Tan Pin Pin
"Singapore in a nutshell" – Wo territorial Platzmangel herrscht, politisch wenig Raum für Opposition ist und allerorts Platz für Modernität und Entwicklung beansprucht wird, treten die gesellschaftlichen Wandlungen unter anderem bei Familienritualen und in puncto persönlicher Spiritualität hervor. Tan Pin Pin hält die Kamera auf diese Brüche. Die singapurische Regisseurin befragt in ihren Filmen die nationale Identität des kleinen Inselstaates. Einzelne Werke wie TO SINGAPORE, WITH LOVE dürfen im turbokapitalistischen Stadtstaat bis heute nicht gezeigt werden, da der Film singapurische Exilbürger/innen portraitiert. Somit wird auch die diesjährige Hommage an Tan Pin Pin die politischen Rahmenbedingungen von Dokumentarfilmproduktionen mitdenken.
 
Tan Pin Pin betreibt beharrlich Erinnerungsarbeit für einen Staat, in dem Einzelne nicht befragt werden und individuelle Perspektiven unterzugehen drohen. Die Filmemacherin schließt diese Lücke. Sie erschließt die Archive nationaler Erzählung und beleuchtet die Auswirkungen der rasanten wirtschaftlichen Metamorphose auf die Gesellschaft: Konformismusdruck, Fremdenfeindlichkeit und territorialer Umbau.
 
Narrative zu spiritueller Tradition vs. wachstumsforcierter Staatsdoktrin
 
Tans Filme reflektieren die Brüche mit den spirituellen Traditionen der größtenteils chinesischen Bevölkerung Singapurs im Kleinen. Die Zerrissenheit zwischen den intensiv gepflegten Beziehungen zur eigenen familiären Vergangenheit und der zukunftszugewandten wirtschaftlichen Entwicklung im Kleinstaat tritt deutlich hervor. So ist der Totengräber in GRAVEDIGGERS‘ LUCK mit der Exhumierung und Umlagerung beauftragt, um Grundlagen für neuen Wohnraum in Wolkenkratzern zu schaffen. Nichts aber könnte mehr Unglück bringen als Tote in ihrer Ruhe zu stören, weshalb der Protagonist hofft, mit intensivem Lotto-Spiel die beruflich bedingten Pechsträhnen auszugleichen. Auch MOVING HOUSE begleitet einen Grab-Besuch beim Qing Ming Festival, der in einem Jahr zum Grab-Umzug umgestaltet werden muss. Und die Installation 80KM/H stellt zwei Rundfahrten um die Insel (2003 & 2004) einander gegenüber – mit dem erschreckenden Ergebnis, dass die physische Ausbreitung und Erhöhung Singapurs in einem Jahr mehr als nur eine kleine Veränderung im Stadtbild mit sich bringt.
 
Singapore in a nutshell
 
Wo der Glamour eines aufstrebenden Hochentwicklungsstaates blendet, erinnert Tan Pin Pins Werk daran, das im autokratisch geführten Singapur wenig Chance für oppositionelle Kontrolle ist und vielmehr soziale Kontrolle erfolgt.
 
Und auch außerhalb der staatspolitischen Themen leistet sie filmisch Erinnerungsarbeit und durchdringt die (etymologischen) Verflechtungen von Erinnern und Vergessen (THESAURUS) sowie die großen Themenkreise Architektur (BUILDING DREAMS) und Geschichte (INVISIBLE CITY). Aber auch Musik (SINGAPORE GAGA), Graffiti-Kunst (YANGTZE SCRIBBLER) und flüchtige Untergrundszenen bearbeitet sie. Dabei geht Tan augenzwinkernd auf die mitunter surrealistisch wirkenden Milieus und Talente Einzelner zu.

ZUR FILMLISTE

 

Alle Filme der Hommage Tan Pin Pin im Überblick >>

 

Die Termine und Uhrzeiten der Kinovorführungen veröffentlichen wir mit dem gesamten Filmprogramm am 10. Oktober.

TO SINGAPORE, WITH LOVE von Tan Pin Pin