DOK LEIPZIG 28. OKTOBER – 3. NOVEMBER 2019
62. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig 28 October – 3 November 2019
62nd International Leipzig Festival for Documentary and Animated Film
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Re-Visionen

Re-Visionen. Die Zweite

BERUF NEONAZI von Winfried Bonengel

Das Programm Re-Visionen beleuchtet zum zweiten Mal in Folge die ereignisreiche Geschichte des Festivals. Die ausgewählten Arbeiten sind im Spektrum zwischen „umstritten“ bis „ungewollt“ angesiedelt, sie wurden zensiert, ausgemustert oder kontrovers diskutiert: Filme, die umkämpft waren und die dazu herhalten mussten, dass man an ihrem Beispiel fundamentale Fragen der politischen und ästhetischen Deutungshoheit verhandelte. Mit vielschichtigen ästhetischen, politischen und dramaturgischen Fragestellungen widmet sich die 62. Ausgabe von DOK Leipzig Filmen von u.a. Thomas Heise, Volker Koepp oder Avi Mograbi.

 

Ergänzend zu diesem Rückblick stützt die Buchpräsentation von Carolin Moines SCREENED ENCOUNTERS zur Festivalhistorie zwischen 1955 und 1990 das Programm: über das Leipziger Filmfestival als „Cold War Festival“ zwischen ostdeutschem Innenblick und internationalem Austausch.

 

Die Premiere von Winfried Bonengels BERUF NEONAZI beim Leipziger Filmfestival, der danach auf über 40 Festivals international Beachtung fand, wurde 1993 fast verhindert, da er sich, so der Vorwurf, nicht hinlänglich von seinem Hauptprotagonisten distanziere. Und auch andere Filme, die inzwischen als unzweifelhafte Klassiker der Dokumentarfilmgeschichte gelten, wie etwa Walter Heynowskis Kongo-Film KOMMANDO 52 (1965), waren bei ihrer Erstaufführung in Leipzig Anlass zu unerbittlichen Kontroversen.

 

Vorgeschmack und Nachwehen der Wende

 

Die Re-Visionen geben Eduard Schreibers Werk ebenfalls Raum. 1991 wurde ÖSTLICHE LANDSCHAFT mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet und wir schauen gern nochmal, was uns seine Arbeit der Nachwendezeit über die Nachwehen der politischen Umbrüche erzählt.

 

Eine ganze Reihe von Filmen wurde für das offizielle Programm des Festivals ausgemustert. Sie wurden daraufhin, teils geheim in inoffiziellen Kabinen-Kinos, präsentiert, so Jan Schüttes DA IST NIRGENDS NICHTS GEWESEN AUSSER HIER (1983) über einen gescheiterten Generalstreik am Tag der Machtübernahme Adolf Hitlers am 31. Januar 1931. Auch MÄRKISCHE ZIEGEL (1989) gehörte in den Augen der Programmmacher zu den unerwünschten Titeln, da er die DDR-Wirtschaft nicht im offiziell gepflegten fortschrittlichen Licht erscheinen ließ. Dem Film WOZU DENN ÜBER DIESE LEUTE EINEN FILM? (1980) von Thomas Heise wurde die Frage des Titels sprichwörtlich widergespiegelt und die öffentliche Vorführung bis 1989 untersagt: Rowdytum sollte nicht befördert werden.

ZUR FILMLISTE

 

Alle Filme von Re-Visionen im Überblick >>

 

Die Termine und Uhrzeiten der Kinovorführungen veröffentlichen wir mit dem gesamten Filmprogramm am 10. Oktober.

Z32 von Avi Mograbi
Das letzte Programm der Sektion knüpft direkt an die Fragestellungen unseres Symposiums an: Wem gehört die Wahrheit? In Z32 (2008) von Avi Mograbi erzählt ein junger Israeli von seiner Ausbildung zum Elitesoldaten und wie er darin systematisch auf das Töten vorbereitet wurde. Er gerät ins Stocken, wenn er berichtet, wie er zwei Menschenleben beendete. Gesprächen über Schuld, Scham und Vergebung folgt eine Reise an den Ort der Tötung.  Der Regisseur erzählt diese Geschichte weder als Anwalt noch als Richter, sondern als Filmemacher. Die wütenden und witzigen Selbstbefragungen Mograbis, die den Film durchziehen, verleihen Z32 einen Flügelschlag, der weit über den konkreten Fall hinausweist.