Filmarchiv

Cleaning Schaerbeek

Dokumentarfilm
2017
19 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Farah Kassem
Farah Kassem
Yohan Dumas
Farah Kassem
Farah Kassem
Farah Kassem
Farah Kassem
Nachdem in Belgien die Terrorwarnstufe angehoben wurde, äußert der Innenminister mit markigen Worten, dass er den Stadtteil Molenbeek – mittlerweile ein Synonym für Islamistenbrutstätte – säubern wird. Währenddessen entdeckt eine Bewohnerin des ebenfalls migrantisch geprägten Bezirks Schaerbeek, dass sich vor ihrem Fenster mysteriöse Dinge abspielen. Sie informiert die Behörden und filmt das Geschehen … Ein intelligenter wie amüsanter essayistischer Blick auf Paranoia und Sicherheitswahn.

Frederik Lang

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
Displaced Volkan Üce

Vier Remigranten bei ihrem Versuch, in der Heimat ihrer Großeltern „heimisch“ zu werden: in Istanbul. Persönliche Lebensentscheidungen treffen auf politische Umwälzungen.

Displaced

Dokumentarfilm
2017
71 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Daniel De Valck
Volkan Üce
David Boulter
Sander Vandenbroucke
Els Voorspoels
Volkan Üce
Gedeon Depauw
Der Titel des Films ist dem gleichnamigen Gedicht von Charles Bukowski entlehnt. Darin heißt es: „I am not like other people. Other people are like other people.“ Die jungen Leute in Volkan Üces „Displaced“ kennen die Erfahrung des Anders- und Unbehaustseins, von der Bukowski spricht. Sinan, Şule, Orhan und Bahar haben ihre Kindheit und Jugend in Belgien und in den Niederlanden verbracht, bevor sie nach Istanbul und damit in das Herkunftsland ihrer Großeltern (zurück-)gingen. Doch auch in der Stadt, die sie so sehr lieben, sind sie zunächst Fremde.

Über einen Zeitraum von vier Jahren – zwischen 2011 und 2015 – begleitet Üce die belgisch-türkischen beziehungsweise niederländisch-türkischen Migranten bei ihrer Suche nach Identität, Arbeit und persönlichem Glück. Dabei bekommt ihre europäische Sozialisation im Zuge der politischen Umwälzungen in der Türkei noch einmal ein ganz anderes Gewicht. Während sich Orhan auf die Seite von Erdoğan stellt, wird die Teilnahme an den Gezi-Protesten für Sinan zu einem sinnstiftenden und selbstverortenden Erlebnis. „Gezi gehört uns. Istanbul gehört uns. Die Glühlampe ist zerplatzt“, ist auf einer Wand zu lesen.

Esther Buss

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Domestic Karaoke

Dokumentarfilm
2013
35 Minuten
Untertitel: 
englische
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Inès Rabadán
Inès Rabadán
Alice Vande Voorde, Vera Cavallin
Olan Bowland
Inès Rabadán
Inès Rabadán
Thibaut Darscotte
Eine dokumentarische Versuchsanordnung: Sechs Frauen, jeweils drei Hausangestellte und drei Hausherrinnen, die sich vor verschiedenfarbigen Hintergründen (rot, blau und gelb) über Hausarbeit und Hierarchien, Respekt und Status in der Gesellschaft, Gewohnheiten und Träume äußern. Ausschnitthafte Erzählungen von Arbeits- und Familienzusammenhängen generieren Montagearbeit im Kopf der Zuschauer. Lebensgeschichten entstehen vor dem inneren Auge.
Alle sechs Frauen im Alter zwischen 35 und 64 Jahren verkörpert die Filmemacherin Inès Rabadán selbst. Kostüm und Maske sind identisch, das heißt die Frauen, an deren Geschichten wir teilhaben, werden weder als Vertreterinnen ihrer Klasse (oder ihres Berufsstandes) noch als individuelle Charaktere kenntlich. Wir hören (und erfahren!) nur ihre Stimmen und sehen die großartige Arbeit der lippensynchronen und mimischen Aneignung der jeweiligen Persönlichkeit durch die Darstellerin-Regisseurin. Es scheint, als überführe Inès Rabadán die theoretische Skepsis Brechts gegenüber der Zuverlässigkeit der schlichten dokumentarischen Abbildung in filmische Praxis: „Eine Aufnahme der Kruppwerke oder der AEG ergibt beinahe nichts über diese Institute. Die eigentliche Realität ist in die Funktionale gerutscht. Um der Wahrheit willen ist also tatsächlich etwas aufzubauen, etwas Künstliches, Gestelltes.“

Ralph Eue

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I Don’t Feel Anything Anymore

Animationsfilm
2017
10 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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William Henne, Delphine Cousin, Delphine Renard, Marc Bertrand
Noémie Marsily, Carl Roosens
Pierre Yves Drapeau
Noémie Marsily, Carl Roosens
Das Pärchen wohnt hoch oben über der Stadt in einem Krankorb. Die Feuerwehrfrau und der Zauberer teilen in trauter Zweisamkeit die kleinen Freuden und Sorgen des Alltags. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Oder? Ähnlichkeiten mit eskapistischen Tendenzen im Umgang mit dem Chaos unserer Welt in Aufruhr sind in dieser animierten Satire sicherlich rein zufällig. Der dynamische Charakter des Zeichenstrichs wird von einer starken Tonspur mit der kanadischen Sopranistin Natalie Choquette bekräftigt.

Nadja Rademacher

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Inkotanyi

Dokumentarfilm
2017
125 Minuten
Untertitel: 
englische
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Benoît Roland, Jean-Marc Giri
Christophe Cotteret
Manuel Roland
Jean-François Metz
Florence Ricard
Christophe Cotteret
Eugène Safali
„Inkotana“ ist ein Verb in der Bantusprache Kinyarwanda. Es bedeutet, ohne Aufschub zu kämpfen, nie aufzugeben. Der offizielle Name für die Inkotanyi lautet: Ruandische Patriotische Front (RPF). Seit sie im Jahr 1994 den historisch beispiellosen Genozid mit einem Guerillakrieg beendete – 1 Million Tutsi wurden in 100 Tagen unter Beihilfe der Bevölkerung von Hutu-Extremisten ermordet – , regiert sie unter dem verschwiegenen Staatspräsidenten Paul Kagame das Land. In sechs Kapiteln schreitet der Film die Geschichte der Inkotanyi ab: von den historischen Hintergründen der Pogrome gegen die Tutsi, der Zeit des Exils und der Gründung der RPF in den 1980er Jahren über die Invasion Ruandas 1990 und den vierjährigen Bürgerkrieg bis hin zu der von Gegengewalt und Unterdrückung begleiteten Regentschaft Kagames. Archivmaterial und Interviews mit hochrangigen Armeeangehörigen und Soldaten der RPF, mit Journalisten, Historikern sowie dem ruandischen Präsidenten Kagame formieren das Bild der „am besten vorbereiteten und diszipliniertesten Rebellion des afrikanischen Kontinents“, wie sie Regisseur Christophe Cotteret nennt. Nicht zuletzt wirft der Film einen Blick auf die kolonialen Kontinuitäten im Post-Kolonialismus, wie sie etwa in Frankreichs Unterstützung des diktatorischen Habyarimana-Regimes sichtbar wurden.

Esther Buss


Nominiert für Filmpreis "Leipziger Ring"

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Internationales Programm
Still Alive Pauline Beugnies

Arabellion, wo bist du hin? Du hältst dich tapfer in ägyptischen Wohnzimmern, wo die Rebellen heute Kinder erziehen und Beziehungen pflegen. Aber du lebst: zwischen Alltags- und Blutrauschen.

Still Alive

Dokumentarfilm
2017
110 Minuten
Untertitel: 
englische
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Laurence Buelens
Pauline Beugnies
Grégory Vandamme
Pauline Beugnies, Hervé Verloes, Joan Roels
Pauline Piris Nury
Pauline Beugnies
Marion Guénard, Laurence Buelens
Jean Forest
Schnell hatte man das blaue Band des Frühlings um die Aufstände in der arabischen Welt geschlungen. Eine vereinfachende Klammer mit wohlklingendem Namen, eine verbale Umarmung, die aber auch Feinheiten wegdrückte. Pauline Beugnies’ Film meint Ägypten, er meint ausdrücklich diese „Generation Tahrir“. Und er meint die junge Frau, die hier zu Beginn in die Kamera lächelt und sich und ihren Altersgenossen eine psychische Störung diagnostiziert: das große Glück, dabei gewesen zu sein, zusammen mit der tiefen Reue, die Bewegung losgetreten zu haben.

Aber lebt er noch, jener Aufbruchsgeist der ägyptischen Revolution von Anfang 2011? Oder hat er sich schon eingerichtet: in den neuen Verhältnissen, mit den schnell nachgewachsenen Begrenzungen, mit den wie Unkraut aus dem Boden schießenden Autoritäten? Beugnies spricht mit jungen Leuten, die man auch „Altrevolutionäre“ nennen könnte, selbst wenn kaum einer von ihnen die 30 überschritten haben dürfte. Sie konfrontiert sie mit Aufnahmen der Menschen, die sie damals waren – seltsame Wiederbegegnungen mit dem alten Ich, an das man sich erinnert wie an einen verlorenen Freund. Sie lässt sie von den letzten Jahren erzählen, von den Kindern, die geboren wurden, den Enttäuschungen und Abnutzungen. Aber immerhin: Sie sprechen, manchmal so angriffslustig und übersprudelnd wie 2011.

Sylvia Görke

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The Minister of Garbage

Dokumentarfilm
2017
75 Minuten
Untertitel: 
englische
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Maximilien Charlier, Laetitia Rodari
Quentin Noirfalisse
Pierre Monongi Mopia, Daniel Dibwidi
Adrien Kaempf, Quentin Devillers
Marie Estelle Dieterle
Quentin Noirfalisse
Nicolas Kerjan
Der kongolesische Künstler Emmanuel Botalatala steckt mitten in der Arbeit an einer neuen Assemblage. Auf eine dünne Sperrholzplatte appliziert er bemalte und aus Abfällen gefertigte Gräber, Kreuze und Panzer, sein Mitarbeiter pinselt eine blutrote Straße um den „Friedhof Afrikas“. Am Ende dominieren die Farben der deutschen Flagge das Werk – eine Anspielung auf die durch europäische Waffenlieferungen unterstützen Kriege auf dem Kontinent.

Botalatala arbeitet seit etwa 1979 als Künstler, zuvor war er Lehrer und Bankangestellter. Der 68-jährige Autodidakt legt großen Wert darauf, dass er nie eine Kunstschule besucht hat. Fast täglich unternimmt der „Abfallminister“ Streifzüge durch die Müllhalden von Kinshasa, um Material für seine Objektbilder zu sammeln. Die Themen findet er in den Radionachrichten. Im Vorfeld der geplanten Präsidentschaftswahlen werden Rücktritte, gewaltsame Auflösungen von Demonstrationen und ein Massaker mit hunderten Toten vermeldet. Für sein künstlerisch-erzieherisches Projekt, das ohne die Mitarbeit seiner Frau und der selbsterklärten „Vize-Präsidenten“ kaum denkbar wäre, bringt Botalatala viele Opfer. Dabei blitzt hinter seiner gesellschaftlich engagierten Kunst immer wieder sein männliches Künstlerego hervor. Auch ein „Abfallminister“ möchte Spuren hinterlassen.

Esther Buss

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

When the Bull Cried

Dokumentarfilm
2017
66 Minuten
Untertitel: 
englische
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Tomas Leyers
Karen Vázquez Guadarrama, Bart Goossens
Bram Bosteels
Karen Vázquez Guadarrama
Tom Denoyette
Karen Vázquez Guadarrama, Bart Goossens
Bart Goossens
In den bolivianischen Anden erheben sich gigantische Viertausender majestätisch in den Himmel. Grau-blau fließen schroffe Steilwände und weiße Wolkengebirge ineinander. Die Menschen hier leben vom Bergbau. Sie steigen hinab in die steinigen Eingeweide und bauen unter Lebensgefahr Silber und andere Mineralien ab. Regelmäßig brechen die eiskalten, dunklen Minenschächte ein und begraben die Arbeiter, viele davon noch Kinder, bei lebendigem Leibe. Es heißt, wer im Schacht stirbt, dessen Seele muss für drei Tage umherwandern, immer auf der Flucht vor „el tío“, dem bösen Gott des Berges. Der Angst begegnet man mit Alkohol und Koka, der Aberglaube treibt immer neue Blüten. Vor allem die Männer leben in einer Schleife von Arbeit, Alkohol und Aggression, hoffen Tag für Tag auf den großen Fund und versuchen, die Geister durch Opfergaben gnädig zu stimmen. Mit archaischen Ritualen soll Mutter Erde beruhigt werden, doch der Blick in die erschöpften Gesichter der Menschen lässt erahnen, dass ihr Glaube mit jeder Todesnachricht mehr erschüttert wird.

Ein bildgewaltiger Film, dem es gelingt, einen in die atemberaubende Umgebung der Anden mitzunehmen, ohne daraus eine Geografiestunde werden zu lassen. Eindringlich, beängstigend und bewegend – großes Kino über den Wolken.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für Healthy Workplaces Film Award

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