Filmarchiv

Charleroi, the Land of 60 Mountains

Dokumentarfilm
Belgien
2018
126 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Cyril Bibas
Guy-Marc Hianant
Vincent Pinckaers
Simon Arazi
Dominique Goblet
Laszlo Umbreit
Charleroi, ehemaliges Zentrum der westeuropäischen Kohle- und Stahlindustrie. Einst auch eine Hochburg der Flachglasproduktion. Lange Zeit war dies eine Stadt auf dem Abstellgleis. Inzwischen ist sie aber mitten im Strukturwandel angekommen, was jedoch, wie das Wort schon sagt, auch wieder nur ein Provisorium bedeutet. Wie gibt sich der Geist dieses Gemeinwesens heute zu erkennen? Artikuliert er sich zeitlich oder räumlich? Horizontal oder vertikal? Ist er eher sportlich oder doch künstlerisch? Wohnt er in der gebauten Umgebung oder in den Gesichtern und Körpern der Bewohner? Vielleicht ist es einfach ein kompliziertes Mischverhältnis? Oder ein kompliziert Einfaches?

Der belgische Schriftsteller, Verleger, Musikproduzent und Filmemacher Guy-Marc Hinant ist gebürtiger wie bekennender „Carolorégien“. Und er hat sich daran gemacht, ein komplexes Porträt seiner Stadt zu komponieren. Poetische Heimatkunde mit gewaltiger Flügelspannweite. Große Ereignisse und kleine blinde Flecken und manchmal das eine im anderen. Alles in allem ein essayistisches Itinerarium entlang der persönlichen Mythologie des Regisseurs.

Ralph Eue

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Letter to Theo

Dokumentarfilm
Belgien
2018
63 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Isabelle Truc
Élodie Lélu
Tristan Galand
Philippe Boucq
Élodie Lélu
Félix Brume, Bruno Schweiguth
Während der Dreharbeiten zu seinem letzten Film stirbt der griechische Regisseur Theodoros Angelopoulos im Januar 2012. Élodie Lélu, eine enge Mitarbeiterin und Vertraute Angelopoulos’, erinnert in „Letter to Theo“ an sein Werk und verwebt das Griechenland, welches der zum Zeitpunkt seines Todes 76-Jährige noch erlebt hat, mit dem gegenwärtigen. Lélus Film erzählt von beiden Krisen, der „Griechenland-Krise“ und der „Flüchtlingskrise“, verschachtelt sie ineinander und lässt Angelopoulos, jenen „Filmemacher der Migration“, sprechen, ohne dessen Worte für ein eigenes Bildwerk zu missbrauchen.

Wie Wellen steigen ihre Gedanken abwechselnd auf und wieder ab, vermischen sich Ausschnitte aus den Filmen des Griechen mit den dokumentarischen Aufnahmen der Französin Lélu, die in Angelopoulos’ Visionen starke Niederschläge im Jetzt erkennt. Sie sagt, der Regisseur sei der Krise zum Opfer gefallen – ein Melancholiker, enttäuscht von der Welt. Doch ausgerechnet in dieser wieder neuen Welt, in der eine multinationale Fußballmannschaft in unmittelbarer Nähe zum Quartier der neonazistischen Partei Goldene Morgenröte trainiert, meint Lélu Dinge auszumachen, die den Bewunderten dazu hätten bringen können, wieder an die Politik zu glauben.

Carolin Weidner

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Ojo Guareña

Dokumentarfilm
Belgien,
Spanien
2018
55 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Andrea Cinel
Edurne Rubio
Charo Calvo
Edurne Rubio, Sergi Gras, Alvaro Alonso de Armiño
Jan De Coster
Edurne Rubio
Hugo Fernandez, David Elchardus
Im nordspanischen Kantabrien erstreckt sich ein gigantisches Höhlensystem mit eindrucksvollen unterirdischen Felsgalerien, Seen und Krauchgängen. Edurne Rubio begegnet dem Ort in wahrlich kinematografischen, sinnlichen Dimensionen. Bei ihrem neugierigen Vorstoß ins Unbekannte verlässt sie sich auf die Stimmen der Höhlenforscher, die sie begleitet, sowie auf den Schein, der von ihren Stirnlampen herrührt. Sie verlässt sich im großen, undurchdringlichen Dunkel auf tanzende Lichtpunkte in der Ferne, auf Lichtkegel, die tastend über Gesteinsformen gleiten, sowie auf Tropfgeräusche, die den Höhlenräumen akustisch Konturen verleihen. Feine, unruhige Wasserfäden und -perlen glänzen silbern an den Wänden und bilden metertief unter der Erde einen unglaublichen Sternenhimmel. Während Neil Armstrong 1969 lediglich seine eigenen Fußabdrücke auf dem Mond sah, stoßen die noch jungen Höhlenforscher in Ojo Guareña auf 17.000 Jahre alte Fußspuren – Speläologie ist eben eine Raum-Zeit-Reise. Und wie die Stimmen der Tiefenerkunder berichten, spielten die verzweigten unterirdischen Räume auch eine bedeutende Rolle in ihren eigenen Biografien. Wenn Augen („ojos“) die Fenster zur Seele sind, dann offenbarte ihnen der Ort den menschlichen Abgrund der jüngeren Geschichte Spaniens und bot ihnen gleichzeitig ein Refugium vor einem repressiven Alltag und Platz für Träume von der Zukunft.

André Eckardt

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When the Bull Cried

Dokumentarfilm
Belgien,
Bolivien
2017
66 Minuten
Untertitel: 
englische
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Tomas Leyers
Karen Vázquez Guadarrama, Bart Goossens
Bram Bosteels
Karen Vázquez Guadarrama
Tom Denoyette
Karen Vázquez Guadarrama, Bart Goossens
Bart Goossens
In den bolivianischen Anden erheben sich gigantische Viertausender majestätisch in den Himmel. Grau-blau fließen schroffe Steilwände und weiße Wolkengebirge ineinander. Die Menschen hier leben vom Bergbau. Sie steigen hinab in die steinigen Eingeweide und bauen unter Lebensgefahr Silber und andere Mineralien ab. Regelmäßig brechen die eiskalten, dunklen Minenschächte ein und begraben die Arbeiter, viele davon noch Kinder, bei lebendigem Leibe. Es heißt, wer im Schacht stirbt, dessen Seele muss für drei Tage umherwandern, immer auf der Flucht vor „el tío“, dem bösen Gott des Berges. Der Angst begegnet man mit Alkohol und Koka, der Aberglaube treibt immer neue Blüten. Vor allem die Männer leben in einer Schleife von Arbeit, Alkohol und Aggression, hoffen Tag für Tag auf den großen Fund und versuchen, die Geister durch Opfergaben gnädig zu stimmen. Mit archaischen Ritualen soll Mutter Erde beruhigt werden, doch der Blick in die erschöpften Gesichter der Menschen lässt erahnen, dass ihr Glaube mit jeder Todesnachricht mehr erschüttert wird.

Ein bildgewaltiger Film, dem es gelingt, einen in die atemberaubende Umgebung der Anden mitzunehmen, ohne daraus eine Geografiestunde werden zu lassen. Eindringlich, beängstigend und bewegend – großes Kino über den Wolken.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für Healthy Workplaces Film Award

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The Event

Dokumentarfilm
Belgien,
Niederlande
2015
74 Minuten
Untertitel: 
englische
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Sergei Loznitsa, Maria Choustova, Nicola Mazzanti
Sergei Loznitsa
Sergei Loznitsa, Danielius Kokanauskis
Sergei Loznitsa
Vladimir Golovnitski
Wie schon in früheren Filmen verwendet Sergei Loznitsa Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Archiven, um damit Geschichte zu rekonstruieren, wenn nicht zu konstruieren. Es sind Bilder des historischen Ereignisses, das den endgültigen Zerfall der Sowjetunion einleitete: der gescheiterte Putschversuch am 19. August 1991. In den Straßen von Sankt Petersburg, das damals noch Leningrad hieß, stehen die Menschen. Die Kamera bewegt sich durch die Massen und erfasst Gesichter, ihr Ausdruck: nichtwissend. Sie alle warten und hören den endlosen Verlautbarungen zu.

Loznitsas gekonnte künstlerische Intervention betrifft die Tonspur. Während des dreitägigen Coup d‘État sendete das staatliche Fernsehen der UdSSR – wie stets in Krisensituationen – ununterbrochen Aufzeichnungen des Tschaikowski-Balletts „Schwanensee“. Der Regisseur nimmt das Musikmotiv auf, es gliedert den Film in Kapitel. Die Berichterstattung aus dem Radio ist ein weiteres narratives Element, das Loznitsa zu seinem Quasi-Kommentar macht und damit den Zustand der Unsicherheit, des Nicht-Wissens und der Nicht-Information unterstreicht. Dennoch geht es nicht um eine Neu-Interpretation der Geschichte, sondern eher darum, die Oberfläche des Realen zu durchdringen und nach Deutungsmöglichkeiten zu suchen – in der Hoffnung, zu einer Erkenntnis zu gelangen, wie Aufstände und Machtwechsel generell funktionieren.

Zaza Rusadze



Ausgezeichnet mit dem Filmpreis "Leipziger Ring"

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