Filmarchiv

209 rue Saint-Maur, Paris, 10ème – The Neighbours

Dokumentarfilm
Frankreich
2017
103 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Paul Rozenberg, Céline Nusse (Zadig Productions)
Ruth Zylberman
Nicolas Repac
Cédric Dupire
Valérie Loiseleux
Benjamin Bober, Graciela Barrault
Die französische Regisseurin und Historikerin Ruth Zylberman sitzt in den USA in einem Wohnzimmer – zu Besuch bei einem 79-jährigen Mann, der während der Besatzung von Paris durch die Deutschen von seinen jüdischen Eltern bei einer fremden Familie versteckt wurde. Heute kann sich Henry Osman, geboren als Henri Ossmann, an seine Eltern kaum erinnern – nicht, wie sie aussahen, nicht, was sie beruflich taten. Zylberman hat einen Stapel kopierter Dokumente dabei und kann diese Kindheit in Teilen rekonstruieren.

Das Haus mit der titelgebenden Adresse – hier lebte Osman als kleiner Junge – liegt im jüdischen Viertel von Paris. Minutiös hat Zylberman die ehemalige Hausgemeinschaft während der Kriegsjahre nachgebildet: Wer hat hier gewohnt? Wer hat wen gekannt? Reenactments mit Puppenmöbeln und gezeichneten Raumplänen an den Küchentischen der einstigen Bewohner wechseln sich mit Ansichten des Gebäudes von heute ab. Der typische Pariser Bau in der Rue Saint-Maur mit der Hausnummer 209 wird so als ein anachronistischer Raum entworfen, in dem die Geschichte bis in den gepflasterten Innenhof hinein nachlebt. Ein zugleich hoch konzentriertes und hoch emotionales Stück experimenteller Historiografie.

Lukas Stern

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
8, Lenin Avenue Valérie Mitteaux, Anna Pitoun

Langzeitbeobachtung einer geglückten Integration: Aus dem illegalen Wohnwagenlager hat es die rumänische Romni Salcuta mit ihren beiden Kindern in die französische Gesellschaft geschafft.

8, Lenin Avenue

Dokumentarfilm
Frankreich
2017
101 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Igor Ochronowicz
Valérie Mitteaux, Anna Pitoun
Valérie Mitteaux, Anna Pitoun, Raquel Freire, Sébastien Balanger
Fabrice Rouaud
Hugo Leitão
Langzeitbeobachtungen haben ihre eigenen Regeln. Oft entwickeln sie sich aus vorherigen Filmen und dem anhaltenden Kontakt zu den Gefilmten. Anna Pitoun und Valérie Mitteaux haben das Schicksal ihrer Protagonistin Salcuta Filan über fast 15 Jahre mit der Kamera begleitet. Das erlaubt ihnen, einen großen Erzählbogen zu spannen und Entwicklungen aufzuzeigen. Die ersten Bilder, in denen die Bürger von Achères, einer Gemeinde nordöstlich von Paris, ein Roma-Lager vor der Räumung schützen wollen, wurden 2003 gedreht. Damals entstand „Caravan 55“, ein erster Film über Salcuta und ihre beiden Kinder Denisa und Gabi.

Die Regisseurinnen wollen zeigen, dass Integration sehr wohl möglich ist, und zwar auch für Roma, denen größere Vorurteile als anderen Zuwanderern entgegenschlagen. Rechten Populisten dienen sie als Sündenböcke, an denen sich politische Exempel statuieren lassen. Trotz der herzlichen Helferinnen und Helfer, die Salcutas Familie in echter Freundschaft verbunden sind, werden auch alltäglicher Rassismus und Antiziganismus deutlich, ebenso der Rechtsruck der letzten Jahre, der das gesellschaftliche Klima in Frankreich veränderte. Dennoch entwickelt sich Salcuta von einer schüchternen, alleinerziehenden Witwe zu einer selbstbewussten Matriarchin, die für ihre Rechte kämpft. In Frankreich findet sie eine Stimme, die sie als Romni in ihrer Heimat Rumänien nie hatte.

Sirkka Möller


Nominiert für Filmpreis "Leipziger Ring"

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Internationales Programm
Coal Heap Kids Frédéric Brunnquell

Das ehemalige Kohlerevier Nordfrankreichs: Die Region ist inzwischen von Armut befallen wie von einer ansteckenden Krankheit. Zwei Jungs üben sich in der Stärkung ihrer Immunkräfte.

Coal Heap Kids

Dokumentarfilm
Frankreich
2016
52 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Anne Gintzburger
Frédéric Brunnquell
Frédéric Brunnquell
Laure Matthey
Frédéric Brunnquell, Anne Gintzburger
Marc Soupa
Im klassischen Hollywood gab es dieses Produzenten-Bonmot, dass ein großer Film mit einer Explosion beginnen müsse, damit sich die Sache dann kontinuierlich steigern könne. Dieser Film, angesiedelt im ehemaligen Kohlerevier Nordfrankreichs, beginnt gleich mit sechs Explosionen. Es sind zwar nur China-Böller, die die beiden Brüder Théo (10) und Loïc (15) da hochgehen lassen, aber nichtsdestotrotz ist damit schon nach zehn Sekunden klar, dass es hier um Großes geht. Das Große ist die Armut, die Théos und Loïcs Wohnort Lens heimgesucht und sich in alle Ritzen des Persönlichen und Sozialen hineingefressen hat wie eine aggressives Säure. Früher wäre es statthaft gewesen, diesen Jungs eine glorreiche Zukunft als Working Class Heros vorauszusagen. Aber wer wollte heute dieses ethisch aufgeladene und von der Zeit überholte Vorbild noch einem jungen Menschen anempfehlen wollen?!? Oder können!?!

„Coal Heap Kids“ ist entstanden als Beitrag für die Dokumentarfilmreihe „Infrarouge“ des französischen Fernsehens. Die Energie, die ihn speist, ist jedoch von purer kinematografischer Natur. Was das heißt? Ein Film wie dieser rechtfertigt das Überleben des dokumentarischen Kinos. Wenn so ein Satz erst einmal dasteht, geht vieles schon leichter. Denn für den Fall, dass ein großes Herzklopfen sich nicht geradewegs in sachliche Worte übersetzen will (oder kann), braucht es manchmal einfach eine Umarmung!

Ralph Eue

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Inkotanyi

Dokumentarfilm
Belgien,
Frankreich
2017
125 Minuten
Untertitel: 
englische
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Benoît Roland, Jean-Marc Giri
Christophe Cotteret
Manuel Roland
Jean-François Metz
Florence Ricard
Christophe Cotteret
Eugène Safali
„Inkotana“ ist ein Verb in der Bantusprache Kinyarwanda. Es bedeutet, ohne Aufschub zu kämpfen, nie aufzugeben. Der offizielle Name für die Inkotanyi lautet: Ruandische Patriotische Front (RPF). Seit sie im Jahr 1994 den historisch beispiellosen Genozid mit einem Guerillakrieg beendete – 1 Million Tutsi wurden in 100 Tagen unter Beihilfe der Bevölkerung von Hutu-Extremisten ermordet – , regiert sie unter dem verschwiegenen Staatspräsidenten Paul Kagame das Land. In sechs Kapiteln schreitet der Film die Geschichte der Inkotanyi ab: von den historischen Hintergründen der Pogrome gegen die Tutsi, der Zeit des Exils und der Gründung der RPF in den 1980er Jahren über die Invasion Ruandas 1990 und den vierjährigen Bürgerkrieg bis hin zu der von Gegengewalt und Unterdrückung begleiteten Regentschaft Kagames. Archivmaterial und Interviews mit hochrangigen Armeeangehörigen und Soldaten der RPF, mit Journalisten, Historikern sowie dem ruandischen Präsidenten Kagame formieren das Bild der „am besten vorbereiteten und diszipliniertesten Rebellion des afrikanischen Kontinents“, wie sie Regisseur Christophe Cotteret nennt. Nicht zuletzt wirft der Film einen Blick auf die kolonialen Kontinuitäten im Post-Kolonialismus, wie sie etwa in Frankreichs Unterstützung des diktatorischen Habyarimana-Regimes sichtbar wurden.

Esther Buss


Nominiert für Filmpreis "Leipziger Ring"

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Moriyama-San

Dokumentarfilm
Frankreich
2017
63 Minuten
Untertitel: 
englische
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Filippo Clericuzio
Ila Bêka, Louise Lemoine
Ila Bêka
Ila Bêka, Louise Lemoine
Walter Fuji, Lo Studio
„Die Zeit vergeht langsam im Haus von Moriyama-San. Ich blieb sieben Tage.“ Alles wegen Otomo Yoshihide, dem japanischen Noise-Musiker, über den Ila Bêka und Herr Moriyama zufällig ins Gespräch kamen. An einem heißen Tag im August in Tokio. Eine Begegnung wie eine Fügung, filmt der eine doch Architektur, während der andere in einem Entwurf Ryue Nishizawas, Teil des Büros SANAA, wohnt. Ein kleiner, minimalistischer Häuserkomplex, dessen Wohnboxen über eine Art Hain miteinander verbunden sind. Die Idee: ein Dorf umgrenzt von Wald inmitten Tokios.

Bêka und seine Ko-Regisseurin Lemoine schauen Moriyama-San bei der morgendlichen Rasur, beim Hören von Musik und beim Lesen zu, zeigen das Öffnen von Fenstern und nehmen an einem Barbecue teil. Und dann erscheint irgendwann auch noch die schönste Frau, die Moriyama-San kennt. Dies ist ein Film über einen enigmatischen Japaner, der ausschließlich weiße T-Shirts trägt und kaum Englisch spricht. Und einen Italiener, der seinen neuen Freund im Stillen anerkennt.

Carolin Weidner

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Internationales Programm
Riot Frank Ternier

„Hier sind die Worte tot …“ Eine unbändige Wut macht sich in ihrer ganzen Körperlichkeit breit. Denn ein junger Mann ist umgekommen, in einer Auseinandersetzung mit einem Nachbarn und der Polizei.

Riot

Animationsfilm
Frankreich
2017
13 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Annabelle Gangneux
Frank Ternier
Frédéric Duzan
Frank Ternier
Frank Ternier
Laurent Moulin, Frank Ternier, Magali Charrier
Frank Ternier
Frédéric Duzan
„Hier sind die Worte tot …“ Eine unbändige Wut macht sich in ihrer ganzen Körperlichkeit breit. Denn ein junger Mann ist umgekommen, in einer Auseinandersetzung mit einem Nachbarn und der Polizei. Die Geschichte von Bocari wird aus zwei Perspektiven erzählt: einerseits die brutalen und rassistischen Umstände, die zu seinem Tod auf der Straße führten, andererseits der Aufruhr, in den sein Schicksal die Banlieue versetzt. Die Wut wird greifbar – in einer choreografierten Performance.

Nadja Rademacher


Nominiert für Young Eyes Film Award

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Stepping Out

Dokumentarfilm
Frankreich
2017
93 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Viviane Aquilli
Stéphane Mercurio
Mathieu Bertholet, Stéphane Mercurio
Nicolas Chopin-Després
Dana Farzanehpour, Julien Brossier
Was heißt es, die eigene Lebensgeschichte auf einer Theaterbühne zu erzählen und sich selbst ins Scheinwerferlicht zu rücken? Den Menschen, die diesen Schritt wagen, sieht man an, welche ungeheure Überwindung es sie kostet. Sie sind es nicht gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen. Sie sind geprägt durch eine Institution, die dazu geschaffen wurde, das Individuum zu nivellieren und die persönliche Freiheit auf ein Minimum zu reduzieren: das Gefängnis. Der Theaterregisseur Didier Ruiz hat sich für sein Bühnenprojekt „Une longue peine“ mit Louis, Éric, André, Alain und Annette auf eine emotionale Reise gemacht, in deren Verlauf spürbar wird, was es bedeutet, das eigene Leben aus der Hand geben zu müssen.

Die Dokumentarfilmerin Stéphane Mercurio filmt nicht die erarbeitete Inszenierung, sondern den Weg dorthin. Mit großer Ruhe und Zurückhaltung begleitet sie den Prozess der Erinnerung und Überwindung mit der Kamera und macht nach und nach die Narben sichtbar, die das Gefängnis auf Körper und Seele hinterlassen hat. Der Bühnenraum wird zum Experimentierfeld für Gefühle, für die im Gefängnis kein Platz war. Die gelernten Einzelkämpfer erleben, wie heilsam es sein kann, dem Gegenüber zu vertrauen. Als sich der Vorhang zur Premiere öffnet, markiert das das Ende des Films. Kein Film über das, was gesagt wird, sondern über das, was unaussprechlich bleibt.

Luc-Carolin Ziemann

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

The Minister of Garbage

Dokumentarfilm
Belgien,
Frankreich
2017
75 Minuten
Untertitel: 
englische
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Maximilien Charlier, Laetitia Rodari
Quentin Noirfalisse
Pierre Monongi Mopia, Daniel Dibwidi
Adrien Kaempf, Quentin Devillers
Marie Estelle Dieterle
Quentin Noirfalisse
Nicolas Kerjan
Der kongolesische Künstler Emmanuel Botalatala steckt mitten in der Arbeit an einer neuen Assemblage. Auf eine dünne Sperrholzplatte appliziert er bemalte und aus Abfällen gefertigte Gräber, Kreuze und Panzer, sein Mitarbeiter pinselt eine blutrote Straße um den „Friedhof Afrikas“. Am Ende dominieren die Farben der deutschen Flagge das Werk – eine Anspielung auf die durch europäische Waffenlieferungen unterstützen Kriege auf dem Kontinent.

Botalatala arbeitet seit etwa 1979 als Künstler, zuvor war er Lehrer und Bankangestellter. Der 68-jährige Autodidakt legt großen Wert darauf, dass er nie eine Kunstschule besucht hat. Fast täglich unternimmt der „Abfallminister“ Streifzüge durch die Müllhalden von Kinshasa, um Material für seine Objektbilder zu sammeln. Die Themen findet er in den Radionachrichten. Im Vorfeld der geplanten Präsidentschaftswahlen werden Rücktritte, gewaltsame Auflösungen von Demonstrationen und ein Massaker mit hunderten Toten vermeldet. Für sein künstlerisch-erzieherisches Projekt, das ohne die Mitarbeit seiner Frau und der selbsterklärten „Vize-Präsidenten“ kaum denkbar wäre, bringt Botalatala viele Opfer. Dabei blitzt hinter seiner gesellschaftlich engagierten Kunst immer wieder sein männliches Künstlerego hervor. Auch ein „Abfallminister“ möchte Spuren hinterlassen.

Esther Buss

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.