Filmarchiv

Countries (Film Archive)

Internationales Programm
A House in Fog Mokhtar Namdar

Eine Frau, allein auf einem alten Anwesen in den iranischen Bergen. Ein einfacher Alltag mit harter Arbeit und Tieren, gezeichnet in wärmsten Farben. Doch das Idyll hat Feinde …

A House in Fog

Dokumentarfilm
Iran
2014
27 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Javad Zahiri
Mokhtar Namdar
Mohammad Rasouli
Emad Khodabakhsh
Mokhtar Namdar
Mehdi Sadeghi, Ali Hasanzadeh
Natürlich ist das Haus viel zu groß für einen allein. Das über Generationen vererbte hundert Jahre alte Anwesen wirkt trotz seiner Hinfälligkeit immer noch majestätisch in dieser idyllischen Hügellandschaft irgendwo im Iran. Es beherbergt jedoch nur noch eine Bewohnerin, Soraiia Hassani, die es bewirtschaftet und in Schuss hält. Sie braucht niemanden, hat sie doch die Tiere und die tägliche Arbeit, die ihrem Leben einen Sinn geben.
Die Kamera malt diesen Alltag in den wärmsten Farben aus und (er-)findet in beiläufigen Arrangements Bilder, die der Malerei näher sind als der Fotografie. Die dunklen Farben dominieren und dennoch kommt kein Gefühl der Einsamkeit auf. So ein Leben wird vorstellbar. Soraiia scheint niemanden zu vermissen, bestenfalls diejenigen, die schon gestorben sind. Aber jedes Paradies hat seine Feinde. Ist es staatliche Fürsorge oder das Gesetz, ist es ihr Geheimnis oder sind es die Gespenster der Vergangenheit, die Soraiia dieses Einsiedlerleben nicht zutrauen, nur weil sie eine Frau ist?
Cornelia Klauß

A157

Dokumentarfilm
Iran
2015
70 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Behrouz Nouranipour (Soureh Documentary Centre)
Behrouz Nouranipour
Mehdi Azadi
Behrouz Nooranipour, Kamran Jahedi
Behnam Sheikhahmadi
Zu den abscheulichsten Taten des IS gehört der physische und kulturelle Genozid an den jesidischen Kurden im Irak. Nach der Eroberung der Shingal-Region westlich von Mossul begann die Terrormiliz mit der systematischen Ermordung der männlichen Bevölkerung, während Tausende Kinder, Mädchen und Frauen verschleppt, versklavt, zwangsverheiratet oder vergewaltigt wurden. Nur wenigen gelang die Flucht, und die, die überlebten, sind für den Rest ihres Lebens gebrandmarkt. So wie die Schwestern Hailin und Roken und deren Freundin Soolaf, die in einem UNHCR-Zelt mit der Nummer A157 in einem Flüchtlingslager an der türkisch-syrischen Grenze hausen. Ein erbärmlicher Ort – kalt, regnerisch und so bedrückend wie das Leid der Mädchen, das sich tief in deren Gesichter eingegraben hat.

In seiner Annäherung an das Schicksal seiner Protagonistinnen reduziert der iranische Filmemacher Behrouz Nouranipour die visuelle Ebene fast ausschließlich auf das Innere des Zelts. Hier hocken die Mädchen tagein tagaus, erwartungslos, allein und schutzlos. Ihre Erinnerungen an das alte Leben und dessen Träume, an die Eltern und Geschwister, die irgendwo verschollen sind oder tot, und die Schilderung der Gräuel, die die Dschihadisten an ihnen begangen haben, beschwören das Bild einer Entmenschlichung, die zutiefst verstört. Wer könnte vor diesem Leid sein Herz verschließen?

Matthias Heeder


Nominiert für Young Eyes Film Award
Internationales Programm
Advantage Mohammad Kart

Schon Mann oder noch Junge? Das entscheidet sich in einem Heim für Suchtkranke in Teheran. Hier gilt es, sich seinen Abhängigkeiten zu stellen, wenn man der Straße endgültig entfliehen will.

Advantage

Dokumentarfilm
Iran
2016
68 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Mohammad Kart, Aban Askari
Mohammad Kart
Saba Neda’ee
Javad Razzaqizadeh
Esma’il Alizadeh
Mohammad Kart
Mehdi Kart
Es gibt einen Ort in Teheran, an dem sich entscheidet, ob man ein Mann oder doch nur ein Junge ist. So jedenfalls beschreibt es einer der Mitarbeiter des Heims, in welchem mehrere Dutzend Männer Obhut gefunden haben, um der Straße zu entkommen. Sie alle teilen ein Suchtproblem, injizierten Heroin und Kokain, aßen Abfälle und verließen ihre Familien. Im Heim wollen sie wieder auf die Beine kommen, entziehen und lernen, abstinent zu leben. Mohammad Kart ist bei der Aufnahme Hosseins dabei, einem jungen Mann, der seit zwei Jahren drückt und verspricht, sich an die Regeln zu halten. „Ich erinnere dich in drei Tagen nochmal daran.“ Was folgt, ist ein kalter Entzug. In einem Raum windet sich Hossein mit mehreren anderen, schwitzt, krampft. Und wird schließlich in einem festlichen Akt willkommen geheißen. Er soll sogar mit dem hauseigenen Fußballteam trainieren, das sich gerade auf einen prominenten Gegner vorbereitet.

Kart verbindet lichte Episoden von Gemeinschaft und Hoffnung mit einzelnen Ausflügen in nächtliche Unterschlüpfe an den Rändern der iranischen Hauptstadt. Bilder voller Kläglichkeit wechseln mit solchen von Sonnenstrahlen, die morgens in den Schlafraum scheinen, während eine anstiftende Musik beim Beginnen eines neuen Tages Beistand gewähren soll.

Carolin Weidner

Alzheimer

Animationsfilm
Iran
2012
8 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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Alireza Hashempour
Alireza Hashempour
Selected Music
Alireza Hashempour
Malaeke Farhang Adib
Alireza Hashempour, Malaeke Farhang Adib
Mani Hashemian
Ein alter Mann lebt allein mit seinem Hund. Da er immerzu alles vergisst, muss der Hund für ihn mitdenken, jeden Tag aufs Neue. Eine satirische Annäherung an den Alltag mit Alzheimer.

Am I a Wolf?

Animationsfilm
Iran
2018
8 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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KANOON – Institute for the Intellectual Development of Children & Young Adults
Amir Houshang Moein
Mohamad Jafari
Amir Houshang Moein
Amir Houshang Moein
Amir Houshang Moein
Hosein Ghourchian
Kinder führen das Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ als Puppentheater auf. Sie identifizieren sich so stark mit ihren Rollen, dass die Grenzen zwischen Spiel und realem Erleben verschwimmen. In dezenten Farbtönen changiert die Zeichenanimation zwischen diesen Ebenen. Für den Jungen, der den bösen Wolf verkörpert, endet die Darbietung in einer emotionalen Grenzerfahrung. Grundlage für den Film ist eine Gedichtsammlung der iranischen Kinder- und Jugendbuchautorin Afsaneh Shaban-nejad.

Annina Wettstein



Ausgezeichnet mit einer Goldenen Taube im Internationalen Wettbewerb kurzer Animationsfilm.

Asho

Dokumentarfilm
Iran
2019
30 Minuten
Untertitel: 
englische
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Maryam Najafi
Jafar Najafi
Amir Shahabi
Ahmad Babadi
Huda Arshad Riahi
Saeid Bahrami
Asho versteht sich nicht nur auf den Umgang mit Ziegen, sondern auch auf Filme. Er versucht, täglich mindestens einen zu sehen. Sein Lieblingsregisseur ist Tim Burton. Ständig unterwegs (Asho bedeutet „Adler“), träumt der iranische Hirtensohn davon, einmal Schauspieler zu sein. An seiner Seite: seine Cousine und zukünftige Ehefrau Pari. Pari findet, wenn Asho ein Star wird, sollte auch sie einer werden. Dabei sind beide längst welche: Dies ist ihr Behind-the-Scenes.

Carolin Weidner



Ausgezeichnet mit einer Lobenden Erwähnung im Internationalen Wettbewerb kurzer Dokumentar- und Animationsfilm

Internationaler Wettbewerb Kurzfilm (ab 2015)
Ayan and the White Balloon Vida Dena

Nach fünf Jahren des Exils in Europa kehrt die Regisseurin in den Iran zurück, um einen Film zu drehen. Sie bittet ihre Freunde, darin mitzuspielen. Was als Spiel beginnt, erweist sich im Prozess des Drehens als knallharter Clash zwischen jenen, die geblieben sind, und der, die fortging

Ayan and the White Balloon

Dokumentarfilm
Belgien,
Iran
2015
26 Minuten
Untertitel: 
englische
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KASK Academy of art, Gent University, Belgium
Vida Dena
Emad, Meisam, Ali, Pooyan
Vida Dena
Dieter Diependaele, Vida Dena
Vida Dena
Milad, Michel Coquette
Sich verstecken: hinter Masken, dem weißen Ballon, der Fiktion. Die Ängste sitzen tief. Nach fünf Jahren des Exils in Europa kehrt die Regisseurin in den Iran zurück, um einen Film zu drehen. Sie bittet ihre Freunde, darin mitzuspielen. Was als Spiel beginnt, erweist sich im Prozess des Drehens als knallharter Clash zwischen jenen, die geblieben sind, und der, die fortging. Wer hat die Deutungshoheit? Was ist Klischee, was will der Westen sehen, was wollen die Iraner von sich zeigen?

Cornelia Klauß
Internationales Programm
Children of Plain Sa’adat Rahimzadeh

Eine wunderschöne und farbenfrohe Ode an die Natur und das nomadisch anmutende Leben des iranischen Volkes der Luren ...

2013

Children of Plain

Animadok
Iran
2013
10 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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Sa’adat Rahimzadeh, Saba Animation Center
Sa’adat Rahimzadeh
Sa’adat Rahimzadeh
Hamid Fanaei
Alireza Ebrahiminejad
Sa’adat Rahimzadeh
Amin Sharifi
Eine wunderschöne und farbenfrohe Ode an die Natur und das nomadisch anmutende Leben des iranischen Volkes der Luren. Eine Episode aus der Reihe „Geflüster aus meiner Heimat“, die sich jenseits einer linearen Erzählung bewegt.
Internationales Programm
Exodus Bahman Kiarostami

Täglich wollen Tausende Afghanen ihr iranisches Exil verlassen. Im Rückkehrzentrum in Teheran trifft die Sehnsucht nach Heimat auf die iranische Bürokratie. Menschlich, komplex, augenöffnend.

Exodus

Dokumentarfilm
Iran
2019
77 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Bahman Kiarostami
Bahman Kiarostami
Davood Maleki
Bahman Kiarostami
Tag für Tag machen sich Tausende auf zum Rückkehrzentrum „Imam Reza“ in Teheran, um dort ihre Ausreise nach Afghanistan zu beantragen. Durch den drastischen Kursverfall des Rial, ausgelöst durch die US-Sanktionen gegen den Iran, ist es für die mehr als drei Millionen afghanischer Flüchtlinge nicht mehr rentabel, im Exil zu leben. Wer aber in die alte Heimat zurückwill, muss sich durch das Nadelöhr dieser dem iranischen Innenministerium unterstellten Behörde zwängen. Hier werden sie – oft nach Jahren der Illegalität – registriert.

Bahman Kiarostami konzentriert sich darauf, die kurzen Gespräche der Rückkehrwilligen mit den iranischen Beamten zu verfolgen, in denen die komplexen Ursachen und die vielfältigen Folgen von Migration aufscheinen. Es ist überraschend und teilweise sehr berührend, wie schnell in diesen eigentlich bürokratischen Begegnungen Nähe entsteht, wie schon eine Nachfrage, ein persönliches Wort dazu führt, dass sie sich vor der Kamera öffnen. „Exodus“ zeigt, dass Migration weltweit zum Alltag gehört und dass sich das nicht ändern wird, solange Kriege, Verfolgung und wirtschaftliche Not das Leben bedrohen. Solange Migrationsursachen bestehen bleiben, brechen Menschen auf. Grenzen und Amtsvorschriften mögen ihnen den Weg zwar (dramatisch) erschweren, den Wunsch nach einem besseren Leben werden sie jedoch nicht auslöschen können.

Luc-Carolin Ziemann

Family Relations

Dokumentarfilm
Iran
2019
77 Minuten
Untertitel: 
englische
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Nasser Zamiri
Nasser Zamiri
Nasser Zamiri
Nasser Zamiri, Neda Asadi
Über fünfzig Verwandte versammeln sich auf einer engen Terrasse zum Familienfoto. Gleich am Anfang bittet der Regisseur diejenigen wieder zu gehen, die nicht am Film teilnehmen wollen. Die Hälfte verlässt das Bild. Die Bleibenden geben somit ihr Einverständnis. Was folgt, ist die tragikomische Nacherzählung einer iranischen Familiensaga, bei der sich alles um das Oberhaupt dreht: um „Haji Baba“, den Vater. Boshaft sei er und mische sich überall ein. Seine Kinder und seine Frau, die ihn verlassen hat, erheben schwere Vorwürfe, reichen eine Beschwerde gegen ihn ein. Wie so oft geht es ums Erbe. Haji Baba widerspricht allem. Doch wer hat Recht?

In seiner filmischen Familienaufstellung versucht der Filmemacher, im Dschungel der verschiedenen Aussagen den Durchblick zu behalten. Eine direkte Konfrontation zwischen den Parteien stellt er nicht her, vielmehr gibt er allen Familienmitgliedern eine Bühne, mit überraschenden Mitteln und viel Humor. Liebevoll zeigt er den Verstoßenen, der in jeder Situation ein Gedicht vorzutragen oder ein romantisches Lied vorzusingen weiß. Insgeheim träumt Haji Baba von Berühmtheit, die ihm dieser Film hoffentlich einbringen möge.

Annina Wettstein
Internationales Programm
Khatemeh Hadi Zarei, Mehdi Zarei

Die 14-jährige Khatemeh lebt im iranischen Shiraz in überaus restriktiven Strukturen. Sie büxt aus, um sich aus einer Zwangsheirat zu lösen. Doch der Fall liegt alles andere als klar.

Khatemeh

Dokumentarfilm
Iran
2018
90 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
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Hadi Zarei, Mehdi Zarei
Hadi Zarei, Mehdi Zarei
Satar Oraki
Hadi Zarei, Mehdi Zarei
Babak Heidari
Alireza Alavian
Die Strukturen in Khatemehs Familie, die ursprünglich aus Afghanistan stammt, aber seit über dreißig Jahren in der iranischen Stadt Shiraz wohnt, sind starr. Die Vierzehnjährige wurde an einen Mann verheiratet, der doppelt so alt ist wie sie. Vor ihr war er mit Khatemehs älterer Schwester liiert, die sich allerdings das Leben genommen hat. Er sagt: „Als sie starb, wollte ich ihre Schwester zur Frau nehmen, weil sie sich so ähnlich sehen.“ Psychische Probleme seien, laut Aussage der Männer des Hauses, allen Frauen der Familie gemein. Und jetzt ist Khatemeh auch noch ausgebüxt, in eine Art Frauenasyl, weil sie es nicht mehr ausgehalten hat. Sie will die Scheidung. Einige männliche Verwandte suchen die Einrichtung auf, um Khatemeh mitzunehmen. Ihr Bruder meint: „Der Tod ist besser, als eine Hure zu sein.“

Auf den ersten Blick scheint die Lage klar. Im Verlauf des Films kommt es jedoch zu immer mehr Unstimmigkeiten. Insbesondere Khatemeh wechselt unberechenbar zwischen mentalen Zuständen. Mal verflucht sie ihre Familie und kämpft für ihre Freiheit, dann bittet sie die Frauen der Obhut gebenden Organisation auf Knien, unter allen Umständen heimkehren zu dürfen. Andere Mädchen, die ebenfalls im Haus Zuflucht fanden, werden von ihr teils heftig angegangen. „Khatemeh“ ist wie ein Wüstensturm, der immer wieder die Sicht trübt, um ein neues Bild zu offenbaren, wenn er sich gelegt hat.

Carolin Weidner

Maned & Macho

Animationsfilm
Iran
2017
11 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
Credits DOK Leipzig Logo
Shiva Sadegh Asadi
Shiva Sadegh Asadi
Amir Pourkhalaji
Shiva Sadegh Asadi
Mohammad Nasseri, Shiva Sadegh Asadi
Shiva Sadegh Asadi
Shiva Sadegh Asadi
Changiz Sayad
Ein heranwachsendes Mädchen lehnt die ihm zugedachte soziale Rolle ab und versteckt all seine Gefühle und Gedanken in einem Geheimnis voller tierischer Gestalten. Über die Zeit entsteht ein großes Freigehege für allerhand stille Fantasien, Träume und Ängste, die sich bald nicht mehr bändigen lassen. Mit faszinierend fließenden Malereien spricht Shiva Sadegh Asadi leise über ein lauter werdendes Ich.

André Eckardt


Nominiert für Young Eyes Film Award

None of Your Business

Dokumentarfilm
Tschechische Republik,
Iran
2019
64 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Kaveh Farnam
Kamran Heidari
Kamran Heidari, Mansour Vahdani
Kamran Heidari
Saeideh Keshavarzi, Kamran Heidari
Ali Farmani
Es gehe niemanden etwas an, wie er gelebt habe und gestorben sei. So der Sänger Ebrahim Monsefi in einem Lied, das in einem vor Altersschwäche flackernden Video dokumentiert ist. Dieses steht am Ende eines Films, der durch sein Dasein das Gegenteil behauptet. Denn er erzählt genau von diesem Leben, das von der Liebe zur Musik und dem Absturz durch den Verlust geliebter Menschen geprägt war. Es begann in der traditionell weltoffenen südiranischen Hafenstadt Bandar Abbas an der Straße von Hormus. Sogar einen (verlassenen) Hindutempel gibt es, in dem die Waise beim Großvater aufwuchs. Um sich herum Musik aus aller Welt, die von den Einheimischen aufgesogen und adaptiert wurde. So kam auch Ebram früh zur Gitarre und wurde als Singer-Songwriter zu einem lokalen Star, bevor er dem Heroin verfiel und 1997 starb.

Heute sind seine Songs in der Region populäre Standards. Und melancholische Ohrwürmer, die in Kamran Heidaris Film in Archivaufnahmen mit Ebram selbst und Straßensets aktueller Interpreten zum vibrierenden Grundgerüst werden. Dazu die Reinszenierung einzelner Lebensstationen. Und der Künstler als Geist, dessen aufkommende, fast krankhafte Besessenheit vom Weiblichen sich auch als Kommentar zum Weltbild der explizit nicht erwähnten Islamischen Revolution lesen lässt. So ist der Film mehr Parabel als Biografie, aber auch Porträt einer faszinierenden, vitalen Stadt.

Silvia Hallensleben

Presence

Dokumentarfilm
Iran
2013
18 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
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Hossein Rasti
Hossein Rasti
Hossein Rasti
Hossein Rasti
Mosoud Asadi
Männer, die sich geißeln, bis Blut fließt, ekstatisches Wehklagen und eine der Trauer hingegebene Masse … An Aschura gedenkt die Schia jährlich der Ermordung des dritten Imam in der Schlacht von Kerbela. Die martialischen Bilder der Prozession bestimmen unsere Vorstellung von einer Religion, deren Geschichte und aktuelle Gegenwart von Repression und Leiden geprägt sind.
Auch Hossein Rasti beginnt mit diesem Ritual und schafft doch eine überraschende Wendung, indem er dessen säkulare Seite ins Visier nimmt. Hier wird gekocht und gegessen. In einer flugs zur heiligen Stätte umgebauten Mehrzweckhalle verköstigen Heerscharen von Köchen 5.000 Gläubige mit einer traditionellen Lammsuppe. Von den Tränen der Klagenden geht der Schnitt zu jenen des Mannes, der Berge von Zwiebeln schneiden muss. In riesigen, brodelnden Töpfen (sollte es eine Hölle geben, muss sie so aussehen) werden Hektoliter von Suppe gekocht, die in Windeseile auf Tellern verteilt und virtuos vor die aufgereiht sitzenden Gläubigen geschleudert werden. Ebenso routiniert erfolgt der geordnete Rückzug.
Das Blut, das Fleisch und das Brot – archaische Symbole, in einer gekonnten Montage ihrer religiösen Aura entkleidet, ohne dass diese beschädigt würde. Die kraftvolle (und mutige) Miniatur zeigt, dass sich Glaubensgemeinschaft auch irdisch definieren lässt.
Grit Lemke
Kids DOK
Rainbow Children: Portrait of Elika Maryam Bayani

Die kleine Elika erklärt, dass man im Iran fünf Dinge besonders mag: Reis, Sonne, Eis, Fische und Tulpen. In einer belgischen Schule hält sie vor ihrer Klasse ein Referat über ihr Heimatland.

Rainbow Children: Portrait of Elika

Dokumentarfilm
Belgien,
Iran
2018
12 Minuten
Untertitel: 
englische
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Maryam Bayani
Maryam Bayani
Victoire Bonin, Léo Malek
Maryam Bayani, Reza Mosadegh
Maryam Bayani
Maryam Bayani
Maryam Bayani, André Philips
Die kleine Elika erklärt, dass man im Iran fünf Dinge besonders mag: Reis, Sonne, Eis, Fische und Tulpen. In einer belgischen Schule hält sie vor ihrer Klasse ein Referat über ihr Heimatland. Dazu gehört ein persisches Gedicht, das sie direkt ins Französische übersetzt. Die Zuhörer staunen: Elika spricht auf einmal ganz anders als sonst. Und so wird aus etwas Fremdem spielend etwas Bekanntes.

Kim Busch
Next Masters Wettbewerb
Sentenced to Death Ahmad Jalili Jahromi

Ein Gruppenporträt selbstbewusster Verbrecherinnen im Iran: weder charismatische Bad Girls noch Opfer der Umstände, sondern Frauen mit Weichheiten und Kanten, jenseits gängiger Klischees.

Sentenced to Death

Dokumentarfilm
Iran
2018
48 Minuten
Untertitel: 
englische
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Didar Shomali, Ahmad Jalili Jahromi
Ahmad Jalili Jahromi
Abbas Sarafraz
Sajjad Avarand, Ali Baghaei
Ahmad Jalili Jahromi
Ahmad Jalili Jahromi
Ensiyeh Maleki
Ein Gruppenporträt böser Frauen im Iran. Eine von ihnen, Marjan, handelte seit ihrer Kindheit mit Drogen. Sie saß im Gefängnis wegen Bandenkriminalität in Verbindung mit bewaffnetem Raub und Entführung. Zusammen mit anderen Insassinnen, zum Teil wegen Mordes verurteilt, gründete sie eine Theatergruppe, die auch außerhalb des Gefängnisses spielen durfte. Die Arbeit schweißte die Frauen zusammen, veränderte auch ihre Anschauungen und Prioritäten, aber krempelte sie nicht zu neuen Menschen um. Ebenso wenig bewirkte sie einen Aufschub von Urteilsvollstreckungen – unter Umständen die Todesstrafe. Während der Proben erfährt eine Mitspielerin, Safieh, dass anderntags die Hinrichtung auf sie wartet.

Regisseur Ahmad Jalili Jahromi begegnet seinen Protagonistinnen auf Augenhöhe, macht sich weder zum Anwalt noch zum Richter der Frauen und schon gar nicht zu ihrem Bewährungshelfer. Erstaunlich, wie es dem Filmemacher gelingt, seine Erzählung um die Klischees von tragischem Opfer oder charismatischer Gangsterbraut herumzumanövrieren. Ebenso erstaunlich, wie wenig in diesem Film um reflexhafte Zuneigung oder Mitleid gebuhlt wird. Nichts gegen Zuneigung und Mitleid, aber vor allem im Kino sind es halt nur Reflexe und als solche relativ leicht zu bedienen. „Sentenced to Death“ nimmt den schwereren Weg.

Ralph Eue