Filmarchiv

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Internationales Programm 2012
White Night

Palästinenserinnen auf dem Weg zur Arbeit: eine allnächtliche Höllentour durch die israelischen Grenzanlagen. Aber auch Träume und ein Lachen im Schutz der Dunkelheit.

White Night

Dokumentarfilm
Israel
2012
48 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Daniel Gal
Yuval Orr
Irit Gal
Bevor der Tag anbricht, stehen sie in der Küche, dann richten sie ihren schlafenden Kindern die Decken und zwischen zwei und drei Uhr morgens sind sie bereit zum Abmarsch: Nacht für Nacht begeben sich palästinensische Frauen aus einem Flüchtlingslager bei Jerusalem auf eine beschwerliche Reise. Irit Gal begleitet Fatma, Jamila und die anderen sowie Fayek – den einzigen Mann – auf ihrem Weg durch unwegsames Gelände, Berge und Wälder, Schutt und Geröll. An der Grenze zu Israel kriechen sie durch schmale Löcher im Stacheldraht, um sich danach rennend vor der Armee in Sicherheit zu bringen. In der Stadt werden aus den Gejagten moderne Frauen mit High Heels und ohne Hijab, die in der Masse aufgehen. Wenn sie in israelischen Häusern putzen, scheint es für einen Moment, als führten sie ein normales Leben.
Im Schutz der Dunkelheit – der doch kein wirklicher ist – vertrauen die Frauen der Kamera ihre Ängste, Träume und Sehnsüchte an. Der Film bewegt sich ausschließlich im Niemandsland zwischen den Grenzen – wie auch die Protagonistinnen Ausgegrenzte zweier Gesellschaften sind: der eigenen, die Frauen den Platz am heimischen Herd zuweist (während sie zugleich gezwungen sind, auf illegalem Weg die Familie zu ernähren) und der israelischen, die ihnen eine Arbeitserlaubnis und damit ein Leben in Würde verweigert. Man würde die Verantwortlichen gern einladen, sie einmal mitzumachen: die Höllentour durch die Nacht.
– Grit Lemke