Filmarchiv

Internationales Programm 2019
Little Man, Time and the Troubadour Ineke Smits

Ein Roadmovie in Abchasien: Der Marionettenkünstler Sipa Labakhua trifft georgische Bauern, orthodoxe Priester, abchasische Nationalisten, syrische Flüchtlinge – und verwirrte Identitäten.

Little Man, Time and the Troubadour

Dokumentarfilm
Belgien,
Niederlande
2019
104 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Jan van der Zanden, Ineke Kanters
Ineke Smits
Walter Hus
Piotr Rosolowski
Katarina Türler
Ineke Smits, Sipa Labakhua
Jeroen Stout
„Nationalitäten waren uns egal“, sagt eine ältere Dame. Sie zeigt ihrer Freundin und dem Kamerateam das Haus, in dem sie als junge Frau mit ihren Kindern wohnte. Die Schule war nur um die Ecke. Alle lebten sie hier harmonisch Tür an Tür: Armenier, Georgier, Abchasier, Mingrelier. Bis der Krieg kam. Jeder, der es sich leisten konnte, flüchtete. Nach Russland, in die Türkei, nach Georgien. Abchasien, das sich selbst als Staat betrachtet, liegt im Süden des Kaukasus und grenzt ans Schwarze Meer. Völkerrechtlich gehört das Land zu Georgien, hat jedoch den Status einer autonomen Region.

Der abchasische Künstler Sipa Labakhua ist nach vielen Jahren in seine Heimat zurückkehrt und zieht nun mit seiner autobiografischen Marionettenshow durchs Land. Er erzählt von seinen eigenen Erfahrungen, seiner Flucht, den Träumen seines Vaters – und sammelt auf seinen Reisen weitere Geschichten: von georgischen Bauern, orthodoxen Priestern, abchasischen Nationalisten, syrischen Flüchtlingen und russischen Hippies. Daraus entsteht das poetische Bild einer Gesellschaft, die diverser kaum sein könnte und sich eine essenzielle Frage stellt, die uns alle beschäftigt: Wie definiert sich die nationale oder kulturelle Identität eines Landes? Sipa Labakhua hat darauf eine ganz eigenwillige Antwort: Er sieht sich als Troubadour, die Kunst als sein Heimatland und sein Talent als Zuhause.

Julia Weigl
Internationales Programm 2019
Mama Mania Vincent Sparreboom

Die Mama, ein Neuroleptikum, das Telefon und der Regisseur: Wortkarg, aber vielsagend entfaltet Vincent Sparreboom (s-)eine Mutter-Sohn-Beziehung, in der die eine hofft und der andere bangt.

Mama Mania

Dokumentarfilm
Niederlande
2019
13 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Vincent Sparreboom
Vincent Sparreboom
Joachim Lenting, Vincent Sparreboom
Vincent Sparreboom
Vincent Sparreboom
Erik Langhout, Vincent Sparreboom
„Hallo, Mama, ich bin’s.“ Mit einem Anruf beginnt, was ein kurzer Film über eine lebenslange Mutter-Sohn-Beziehung in Telefonaten, Textnachrichten und Umgebungseindrücken zu erzählen vermag: viel, alles. Der Dialog zwischen Ton und Bild ist wortkarg, aber voll von Nichtgesagtem. Von oben versenkt sich die Kamera in zwei bewohnte Einsamkeiten: die des Filmemachers und die seiner Mutter. Fernmündlich besprechen die beiden das Neuroleptikum Haldol und einen neuen Mann in Mamas Leben. Vincent sorgt sich.

Sylvia Görke