Filmarchiv

Internationales Programm 2014
Penthouse North Johanna St Michaels

Agneta, schwedisches Model im New York der Siebziger. Hipness, Ruhm, Geld und Schönheit versinken in Demenz und Altersarmut. Abschied von Manhattan im Vintage-Look.

Penthouse North

Dokumentarfilm
Schweden
2014
83 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Johanna St Michaels
Johanna St Michaels
Matt Johnson, The The
Johanna St Michaels
Bernhard Winkler
Erik Bjerknes, Henrik Ohlin
Mit 62 sollte frau/man die Schäfchen ins Trockene gebracht haben. Allein schon, um den Anfeindungen des Alters finanziell gewachsen zu sein. Aber wenn sich das Leben so verführerisch anbietet wie im New York der 1970er Jahre – wer mag da schon an Alter und Schwäche denken? Agneta Eckemyr war 20, als sie in die Stadt kam: ein blonder schwedischer Männertraum, entschlossen zur Karriere als Model und Schauspielerin. Mit Erfolg. Doch dann zerbröselte der Glückschip irgendwie in der Realität dieser harten Stadt. Was blieb, ist ein Penthouse am Central Park. Und hier liegt ihr Problem. Das Apartment ist reine Illusion. Die Adresse signalisiert Erfolg, wo keiner ist. Es existiert auch kein Einkommen, um die Miete zu bezahlen. Umso hartnäckiger kämpft der Ex-Star um diesen Rest des alten Lebens. Allerdings lassen ihre Kräfte allmählich nach. Agneta wird immer stärker abhängig von Freunden, die ihr finanziell unter die Arme greifen, im Haushalt helfen und sie vergeblich davon zu überzeugen suchen, das Apartment aufzugeben. Ihr Widerstand allein gegen den Gedanken daran erklärt sich erst später als Beginn einer Alzheimer-Erkrankung.
Ursprünglich plante die Regisseurin die Verfilmung eines autobiografischen Drehbuchs, das Agneta geschrieben hatte. Entstanden ist ein berührender Film über die Vergänglichkeit der Schönheit, das Älterwerden in Armut, über Freundschaft und Solidarität.
Matthias Heeder
Internationales Programm 2014
The Dogwalker Caroline Ingvarsson

Alter Mann mit Hund. Eine Wohnung voller Erinnerungen: an einstigen Theaterruhm und Männer, mit denen es kein Glück gab. Kleine Etüde über die Einsamkeit.

The Dogwalker

Dokumentarfilm
Schweden
2014
13 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Caroline Drab
Caroline Ingvarsson
Alice Boman
Benjamin Zadig
Dan Persson
Johan Hansson
Einsamkeit kennt viele Namen, zum Beispiel den des ehemaligen schwedischen Schauspielers Lars-Gunnar, der hier gerade leger im Morgenmantel in einem bühnenreifen Monolog sein Leben Revue passieren lässt. An den Wänden seiner bescheidenen Neubauwohnung künden Plakate vom ehemaligen Ruhm in der Theaterwelt. Nun ist sein einziger Zuhörer ein Hund und sein größtes Vergnügen das genussvolle Rauchen. Es kristallisiert sich die Skizze eines Lebens heraus, in dem einer zwar in der Liebe gescheitert ist und keinen augenscheinlichen Erfolg verzeichnen konnte, sich aber immer konsequent den Konventionen verweigert hat. Ist das der Preis, den man im Alter zu zahlen hat? Lars-Gunnar hat Charisma und ist definitiv kein Langweiler. Seine Homosexualität erwähnt er ganz selbstverständlich und nur am Rande. Regisseurin Caroline Ingvarsson begleitet ihren Protagonisten einen Tag lang – und man ahnt, dass die Tage einander gleichen. Sie gibt ihm den Raum, den der Selbstdarsteller braucht. Geradeheraus schildert dieser Kurzfilm die Begegnung mit einem Tausendsassa, der stets auf Risiko spielte und einem Jim-Jarmusch-Film entsprungen sein könnte – kurzum: einer, der beeindruckt.
Cornelia Klauß