Filmarchiv

Internationales Programm 2017
Burka Songs 2.0 Hanna Högstedt

Eine Performance gegen das Verschleierungsverbot in Frankreich wird zum Ausgangspunkt einer vielschichtigen Auseinandersetzung mit (strukturellem) Rassismus und (aktivistischer) Anmaßung.

Burka Songs 2.0

Dokumentarfilm
Schweden
2017
45 Minuten
Untertitel: 
englische

Credits DOK Leipzig Logo

Hanna Högstedt, Archana Khanna
Hanna Högstedt
Annika Busch, Maja Kekonius
Hanna Högstedt, Annika Ivarsson
Hanna Högstedt
Gustaf Berger
Nach einer landesweiten Diskussion wurde in Frankreich das Tragen einer Gesichtsverschleierung 2011 gesetzlich verboten. Die Befürworter argumentierten, sie stehe im Gegensatz zu den Werten der Republik: Geschlechtergleichheit und Freiheit von religiösem Zwang. Die schwedische Filmemacherin Hanna Högstedt hält das für populistische Symbolpolitik und beschließt, eine Performance auf der Avenue des Champs-Élysées durchzuführen, bei der sie sich filmen lässt: Bekleidet mit einer schwarzen Burka, singt sie aus vollem Hals die französische Nationalhymne.

Die Reaktionen sind anders als erwartet. Mit „Burka Songs 2.0“ arbeitet Högstedt auf, was während der Aufnahmen geschah und welche Überlegungen dies bei ihr auslöste. Sie beschreibt, wie schwierig es ist, sich zu einer als verlogen empfundenen, um die Stammtische buhlenden Politrhetorik zu verhalten, ohne selbst in den Strudel der Zuschreibungen gezogen zu werden. Sie realisiert, dass sie auf ihre Fragen keine befriedigenden Antworten findet und entscheidet sich, ihre Ratlosigkeit zum Ausgangspunkt dieses Films zu machen. Im Gespräch mit Menschen, die im Alltag – ohne jede Absicht zur Provokation – Rassismus erfahren, ändert sich Högstedts Perspektive. Nach und nach arbeitet sich die Schwedin an der Ambivalenz des Themas ab und kommt schließlich zu der Erkenntnis, dass auch ihr eigenes Handeln nicht frei von Anmaßung war – und ist.

Luc-Carolin Ziemann