Filmarchiv

Countries (Film Archive)

Deutscher Wettbewerb
Am Kölnberg Robin Humboldt, Laurentia Genske

Vier Kölner in einem Plattenbau am Rand der Stadt. Eine Geschichte vom Kampf gegen die Sucht und die Armut, von Leben, die einmal anders liefen. Und von Freundschaft und Glück.

Am Kölnberg

Dokumentarfilm
Deutschland
2014
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Kunsthochschule für Medien, Köln
Robin Humboldt, Laurentia Genske
Laurentia Genske, Robin Humboldt, Johannes Waltermann
Carina Mergens
Robert Keilbar
1974 wurde am südlichen Rand von Köln eine aus neun Hochhäusern bestehende Siedlung auf den platten Acker gebaut. Aus der Ferne und im richtigen Licht erscheint die Silhouette wie eine massive Erhebung, weshalb der Komplex schnell den Namen Kölnberg weghatte. Ebenso schnell galt er als sozialer Brennpunkt. Vom Kölnberg redet man am liebsten gar nicht, und wenn doch, hört man eigentlich nur saftige Schlagzeilen. 2013 lebten 4.100 Männer, Frauen und Kinder aus etwa 60 Nationen am Kölnberg, der Ausländeranteil ist mit 61,8 % angegeben. Statistik ist ein effektives Werkzeug, und wer die Macht über statistische Definitionen hat, formt auch unser Bild der Wirklichkeit wesentlich mit.
Die Filmemacher Robin Humboldt und Laurentia Genske erarbeiteten sich geduldig und über einen langen Zeitraum einen Weg hinter die sozialen Typologien, Schlagzeilen und Statistiken. Der Film begleitet vier Menschen, denen der Kölnberg seit Langem Heimat ist oder vor Kurzem wurde. Er vermeidet dabei, sie mit dem ebenso gutmeinenden wie herablassenden Auge der Fürsorge zu betrachten und versucht sich stattdessen an einer respektvoll-teilnehmenden Begegnung mit seinen Protagonisten, die in ihrer jeweiligen „Normalität“ so außergewöhnlich wie unterschiedlich sind.

Ralph Eue



Lobende Erwähnung im Deutschen Wettbewerb 2014

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Deutscher Wettbewerb
Die Böhms – Architektur einer Familie Maurizius Staerkle-Drux

Gottfried Böhm ist „der Boss“, Patriarch einer Architektendynastie. Doch mit dem Tod seiner Frau wackelt das familiäre Fundament. Sorgfältig gearbeitete Erforschung eines Universums.

Die Böhms – Architektur einer Familie

Dokumentarfilm
Deutschland,
Schweiz
2014
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Carl-Ludwig Rettinger, Lisa Blatter
Maurizius Staerkle-Drux
Jonas Buehler
Raphael Beinder
Anika Simon
Maurizius Staerkle-Drux
Maurizius Staerkle-Drux
Gottfried Böhm zählt zu den bedeutendsten deutschen Architekten der Gegenwart. Seine Bekanntheit gründet sich auf die Schaffung skulpturaler Bauten aus Beton, Stahl und Glas, von denen einige als Architektur-Ikonen des 20. Jahrhunderts gelten. Als Sohn von Dominikus Böhm ist er Patriarch einer Architektendynastie, zu der seit langem auch seine Söhne Stephan, Peter und Paul Böhm gehören. Inzwischen 94 Jahre alt, arbeitet er noch täglich an den Planungs- und Konstruktionsvorhaben des Büros mit. Als vor einigen Jahren Gottfried Böhms Frau Elisabeth starb, ebenfalls Architektin und maßgebliche Quelle der Inspiration aller vier Böhms, wurde die Familie ihres emotionalen Zentrums beraubt.
Mit bewunderungswürdigem bildlichem Gespür setzt sich Maurizius Staerkle-Drux mit den verschiedenen architektonischen Universen der Böhms auseinander und nähert sich darüber hinaus auch den feinen Unterschieden zwischen Selbst- und Fremdbild seiner Protagonisten. Der Titel des Films darf durchaus wörtlich genommen werden: Es geht vor allem um die Architektur einer Familie, erst danach um das Porträt einer prominenten Architektenfamilie.

Ralph Eue



Ausgezeichnet mit dem Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts 2014

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Deutscher Wettbewerb
Domino Effekt Elwira Niewiera, Piotr Rosołowski

Der abchasische Sportminister kämpft um die Domino-WM in Sochumi. Und mit seiner Frau, die sich als Russin nicht anerkannt fühlt. Mesalliance voller tragikomischer Momente.

Domino Effekt

Dokumentarfilm
Deutschland,
Polen
2014
76 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Ann Carolin Renninger, Thomas Kufus, Anna Wydra
Elwira Niewiera, Piotr Rosołowski
Maciej Cieślak
Piotr Rosołowski
Karoline Schulz, Andrzej Dąbrowski
Piotr Rosołowski, Elwira Niewiera
Marcin Lenarczyk, Tomasz Wieczorek
Zurzeit ist es ruhig in Abchasien, dem halbautonomen kaukasischen Zwergenstaat. Zu ruhig, findet Sportminister Rafael. Mit der sturköpfigen Zielstrebigkeit eines Don Quichotte will er mittels Sport – so funktionierte das zu Sowjetzeiten ja auch – Abchasien wieder zu alten Ehren zurückführen. Ungeachtet der heute verrosteten Schiffe, die wie gestrandete Wale vor den Stränden liegen, und der hoffnungslos vor sich hin welkenden Prunkbauten an der Promenade Sochumis, kämpft er für sein Event: eine Domino-Weltmeisterschaft. Mit bewundernswerter Entschlossenheit trotzt Rafael allen Widrigkeiten: dem fehlenden Strom, der Talentlosigkeit der Sportler und den Tränen seiner Frau, der Moskauer Sängerin Natascha, die für ihn ihre Heimat aufgab. Sie fühlt sich fremd und zerrieben im Kulturstreit zwischen Russland und Georgien, die beide territoriale Ansprüche auf die Region erheben. Nahezu meisterlich ist es Elwira Niewiera und Piotr Rosołowski gelungen, die privaten Familienkonflikte einer Mesalliance mit den zuweilen ins Absurde gehenden politischen Realitäten Abchasiens spiegelbildlich zu verbinden. So, wie das Paar sich noch finden muss, ist das Land auf der Suche nach sich selbst. Der lang nachhallende Schlager zur abchasischen Hauptstadt jedenfalls ist schon mehr als ein Anfang.

Cornelia Klauß



Ausgezeichnet mit der Goldenen Taube im Deutschen Wettbewerb 2014

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Deutscher Wettbewerb
Engelbecken Gamma Bak, Steffen Reck

Eine Ost-West-Liebe, subversives Theater, DDR-Underground, Psychose. Was lässt einen Menschen paranoid werden? Essayistische Reflexion in Form eines assoziativen Gedichts.

Engelbecken

Dokumentarfilm
Deutschland
2014
80 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Gamma Bak
Gamma Bak, Steffen Reck
Fil Ieropoulos
Gamma Bak, Steffen Reck, Dieter Vervuurt, Michael Krause
Steffen Reck
Gamma Bak, Steffen Reck
Till Wimmer
Durch die Scharte eines ehemaligen DDR-Wachturmes blickend, zeigt sich nur ein schmaler Ausschnitt des Kreuzberger Engelbeckens. Mit dieser visuellen Erfahrung brechen die Filmemacher Gamma Bak und Steffen Reck zu einer persönlichen Zeitreise auf: 1987, gut zehn Jahre nachdem David Bowie an der innerdeutschen Grenze „Heroes“ textete, versuchen sie, eine ganz reale Ost-West-Liebe zu leben. Doch wie Helden fühlen sie sich dabei nicht. Sie leben von den 25 Mark, die sie täglich eintauschen muss, wenn sie in den Prenzlauer Berg will, wo er sich wie ein in die Enge getriebenes Tier in seiner Wohnung verschanzt. Als kompromissloser Individualist und Mitglied der subversiven Theatergruppe „Zinnober“ fühlt er sich permanent bedroht, die Grenze zur Psychose ist längst überschritten. Die Flucht nach vorn, die das Paar schließlich wagt, wirkt aus heutiger Sicht vielleicht naiv. Aber auch das bleibt eine Frage der Perspektive.
In ungewohnter Du-Form entwickelt sich die gemeinsame essayistische Reflexion der scheinbar ausweglosen Situation, die sich zur Gewissensentscheidung über Bleiben oder Gehen zuspitzt – nicht chronologisch, sondern nach der Ordnung eines assoziativen Gedichtes. Beide können auf vielfältiges künstlerisches Archivmaterial zurückgreifen: Super-8-Filme, Fotos, Zeichnungen, Performances, aber auch auf penibel gesammelte Beweisstücke von Grenzübergängen und das Zerrbild der Liebesgeschichte in den Stasi-Unterlagen.
Lars Meyer

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Deutscher Wettbewerb
FEMMEfille Kiki Allgeier

Der Weg des magersüchtigen Models Isabelle Caro vom Benetton-Gesicht bis in den Tod. Die Geschichte einer verhinderten Kindheit und der perversen Vermarktung einer Krankheit.

FEMMEfille

Dokumentarfilm
Deutschland
2014
83 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Gerd Haag, Frank Stephan Limbach
Kiki Allgeier
Masami Tomihisa, Andreas Bjørck
Kiki Allgeier
Gesa Marten
Min Tesch
Kiki Allgeier
Emil Klotzsch
2007 machte eine Benetton-Fotokampagne die an Magersucht erkrankte Französin Isabelle Caro weltberühmt. Riesige Plakate säumten die Straßen von Paris bis Mailand. Darauf ihr ausgemergelter Körper und Augen, die aus tiefen Höhlen und fast arrogant gegenüber ihrer Krankheit in die Welt schauten. Konzipiert als Mahnung und abschreckendes Beispiel, nicht nur im Hinblick auf die Glitzerwelt der Supermodels, markierte die Kampagne gleichzeitig auch den Beginn ihrer Karriere als „Magermodel“.
Über einen Zeitraum von mehreren Jahren bis zu ihrem frühen Tod im November 2010 begleitet die Regisseurin Kiki Allgeier Isabelle Caro auf ihrem Weg zwischen Medienhype, Ambitionen als Schauspielerin und der selbst gewählten Rolle als „Vorzeigekind für Anorexie“, deren Folgen öffentlich niemals zuvor so drastisch gezeigt und diskutiert wurden. Aus der Hinterlassenschaft der jungen Frau an die Regisseurin – Fotografien, Tagebücher, Videoaufzeichnungen – und den Erinnerungen des Vaters zeichnet Allgeier ihre Version der Geschichte Isabells. Und die beginnt mit der Sehnsucht eines kleinen Mädchens, jemand anderes zu sein. Frei über ihre Zeit zu verfügen. Freunde zu haben. Im Garten zu spielen. All das, was ihr die schwer depressive Mutter, die ihre Tochter jahrelang zu Hause einsperrt und von der Welt isoliert, verbietet. Dieser Wunsch nach einer anderen Isabelle, nach einer neuen Rolle für ihr Leben, wird in der Folge als Motiv erkennbar, sich den Medien als Ikone einer tabuisierten Krankheit zur Verfügung zu stellen – und zu vermarkten. Gleichzeitig schauen die ihr beim Verhungern zu. Bedarf es noch eines weiteren Beweises für den Irrsinn, in dem wir leben?
Matthias Heeder

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Deutscher Wettbewerb
Himmelverbot Andrei Schwartz

Hrib, der mehr als 20 Jahre lang seine Unschuld beteuerte, wird aus dem Gefängnis bei Bukarest entlassen. Eine schmerzhafte Resozialisierung und wachsende Zweifel: Alles Lüge?

Himmelverbot

Dokumentarfilm
Deutschland
2014
86 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Gerd Haag
Andrei Schwartz
Bernd Meiners, Susanne Schüle, Andrei Schwartz
Heidrun Schweitzer
Andrei Schwartz
Marin Cazacu, Dinu Constantin, Severin Renke
Während der Dreharbeiten zu seinem Film „Geschlossene Gesellschaft“ trifft der in Rumänien geborene Regisseur Andrei Schwartz 2002 im Hochsicherheitsgefängnis in Rahova, nahe Bukarest, unter anderem auf Gavril Hrib, der wegen Mordes an einer Staatsanwältin zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Nach über 20 Jahren kommt er endlich auf Bewährung frei und wird in ein Land entlassen, das er noch aus der Ära Ceaușescus kennt. Rumänien, das nun Teil der Europäischen Union ist, hat sich verändert, einschließlich einer neuen Rechtsprechung, die vorzeitige Entlassungen möglich macht. Hrib, dieser schmächtige Kerl mit einer Kippa unter dem Basecap, weiß mit seinem schlitzohrigen Witz und seiner schlaksigen Hilflosigkeit durchaus Sympathien zu gewinnen. Drinnen hat er sich Respekt erarbeitet und Freunde gewonnen, draußen stößt er nur auf Ablehnung und verschlossene Türen. Andrei Schwartz begleitet diesen schmerzhaften Versuch einer Resozialisierung über mehrere Jahre hinweg. Es zeigt sich, dass weder die Gesellschaft noch Gavril Hrib selbst dafür bereit sind und alles schlussendlich zum Ausgangspunkt zurückführt: zur eigentlichen Tat.
Cornelia Klauß

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No Land's Song

Dokumentarfilm
Frankreich,
Deutschland
2014
90 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Gunter Hanfgarn, Rouven Rech, Teresa Renn, Anne Grange
Ayat Najafi
Koohyar Kalari, Sarah Blum
Julia Wiedwald, Schokofeh Kamiz
Ayat Najafi
Sasan Nakhai, Dana Farzanehpour, Julien Brossier
„Die Stimme der Frau verschwindet.“ Die iranische Komponistin Sara Najafi meint das ganz wörtlich, denn im Iran wurden mit der Islamischen Revolution 1979 Sängerinnen aus der Öffentlichkeit verbannt. Sie dürfen nicht mehr solo auftreten, außer vor einem rein weiblichen Publikum. Aufnahmen einstiger weiblicher Ikonen sind nur noch als Schwarzmarktware erhältlich. Was für ein schmerzlicher Verlust. Doch Sara ist entschlossen, das kulturelle Gedächtnis aufzufrischen, indem sie auf den Spuren berühmter Sängerinnen der 20er und 60er Jahre Teheran durchstreift, und schickt sich an, die weibliche Stimme in der Gegenwart zu beleben: Mutig plant sie einen Abend mit iranischen und französischen Solistinnen und will so auch abgebrochene kulturelle Brücken wieder begehbar machen.
Ein Konzert, das nicht stattfinden darf. Zweieinhalb Jahre verfolgt der heute in Berlin lebende Regisseur Ayat Najafi mit szenischem Gespür die Vorbereitungen zwischen Teheran und Paris, die stets auf Messers Schneide stehen. Was geht noch, was geht zu weit? Saras regelmäßige Audienzen im Kulturministerium, obwohl nur akustisch (und konsequent zu Schwarzbild) zu vernehmen, erhellen Eigenlogik und Willkür des Systems. Lässt sich mit interkultureller Solidarität und der revolutionären Kraft der Musik dagegen ankommen? Politthriller und musikalische Reise zugleich, vergisst der Film nie sein eigentliches Zentrum: die Stimmen der Frauen.

Lars Meyer



Ausgezeichnet mit dem Preis der Jugendjury 2014

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Deutscher Wettbewerb
Ruhr Record Rainer Komers

Wie sich ein Industriegebiet von der Arbeit verabschiedet. Ein Bilderreigen voller Feuer und wallender Dampfschwaden, eine Liebeserklärung ohne Worte und ein finales Glück auf.

Ruhr Record

Dokumentarfilm
Deutschland
2014
45 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Rainer Komers, Mathias Krämer, Kurt Otterbacher
Rainer Komers
Rainer Komers
Bert Schmidt
Rainer Komers
Michel Klöfkorn
Das Ruhrgebiet trug einst, als es noch „Revier“ oder „Pott“ genannt wurde, die Kohle und die dampfenden Schlote schon im Namen. Mit dem Ende der Industrie und der Arbeit, wie wir sie kannten, muss es sich neu definieren. Wo früher Bergmänner in den Schacht fuhren, Erz verladen und Stahl gekocht wurde, breitet sich heute ein riesiger Freizeitpark aus – Fun ist die neue Maloche. Eine Region im Wandel.
Zum Glück hat das Ruhrgebiet Rainer Komers, den Meister der Übergänge, auf die es nicht nur in der Strukturkrise, sondern auch im nonverbalen dokumentarischen Erzählen ankommt. Aus ruhig beobachteten Bildern und mit Bedacht gesetzten Tönen komponiert er einen Reigen, der Elemente, Bewegungen oder Texturen aufnimmt und in etwas Neuem weiterführt. Aus dem Gleiten der Gondel eines Fahrgeschäfts wird das der Kohle auf dem Förderband, vom Abstich am Hochofen geht es zur Herdplatte, auf der türkische Frauen Pita backen, und die ornamentale Struktur einer Produktionsanlage findet sich in den Holzscheiten eines Lagerfeuers wieder. Überhaupt – das Feuer, das Wasser und die stetig aus allen Bildern wallenden Dampfschwaden! So wie die Urgewalten noch da sind und eine ewige Bewegung, bleiben die Menschen. Singen ein finales „Glück auf!“ und verwetten den letzten Lohn beim Pferderennen. Eindrücklicher als mit „Ruhr Record“ kann man Liebe nicht erklären.
Grit Lemke

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Deutscher Wettbewerb
Städtebewohner Thomas Heise

Ein mexikanischer Jugendknast, die Insassen fast noch Kinder. Beobachtungen in traumwandlerisch schönem Schwarz-Weiß. Gesichter, Rebellion und ein Gedicht von Brecht.

Städtebewohner

Dokumentarfilm
Deutschland
2014
82 Minuten
Untertitel: 
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Thomas Heise
Thomas Heise
Bowen Liu
Robert Nickolaus
Mike Gürgen
Thomas Heise
Christian Haardt, Thomas Heise
„Ein typischer Heise“, möchte man ausrufen: in der Form ein Steinbruch, worüber die traumwandlerisch schönen Schwarz-Weiß-Aufnahmen des bewährten Kameramannes Robert Nickolaus und die sich ans große Kino schmiegende Musik von Bowen Liu nicht hinwegtäuschen. Gleichzeitig ist „Städtebewohner“ die konsequente Fortschreibung einer Werkgeschichte. Schon in den Hallenser „Stau“-Filmen interessierte sich Thomas Heise vor allem für die sozialen Verhältnisse, die hinter den jungen Rechtsradikalen stehen. 2011 betrat er mit „Sonnensystem“ Neuland und drehte in Argentinien – seither lässt ihm diese Weltgegend keine Ruhe. Es sind aber auch Institutionen wie das Bezirksamt in Berlin-Mitte („Das Haus“, 1985) oder ein Krematorium („Gegenwart“, 2012), deren Räderwerke er untersucht hat. Und nun ein mexikanisches Jugendgefängnis. Der Film – auch das selbstreferenziell – beginnt mit einem Gedicht von Bertolt Brecht, das einen weiten Assoziationsraum eröffnet und Figuren wie Macheath oder Baal aufruft, bei denen sich hochkomplex und sinnlich Gewalt mit Rebellion paart. Der Titel ist bereits Statement: Die Insassen sind unleugbar ein Teil von Mexiko-Stadt. Man kann sie vielleicht wegsperren, aber nicht abspalten.

Cornelia Klauß



Ausgezeichnet mit dem DEFA-Förderpreis 2014

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Deutscher Wettbewerb
Striche ziehen. Gerd Kroske

Punk in Weimar, zwei Brüder und ein Verrat, Knast, Ausreise und eine Mauerkunstaktion. DDR-Archäologie voller fröhlich lärmender Anarchie und Striche, die ins Heute reichen.

Striche ziehen.

Dokumentarfilm
Deutschland
2014
96 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Gerd Kroske
Gerd Kroske
Klaus Janek, Die Madmans, KG Rest
Anne Misselwitz
Karin Gerda Schöning
Gerd Kroske
Mark Meusinger, Sylvia Grabe, Helge Haack
Bildung DOK Leipzig Logo

Altersempfehlung: ab 14 Jahren 
Klassenstufen: 9-13

Themen: (Deutsche) Geschichte, DDR, Grenze, Rebellion, Meinungsfreiheit, Verrat, Geheimdienst, Familie, Stasi, Widerstand 
Unterrichtsfächer: Geschichte, Gemeinschaftskunde/Sozialkunde, Politik, Philosophie, Ethik

 

Zum Inhalt

Als „Der weiße Strich“ wird eine Kunstaktion bekannt, bei der 1986 fünf junge Männer die Mauer auf der Westberliner Seite mit einem durchgezogenen weißen Strich markieren. Sie alle stammen aus der Weimarer Punk- und Undergroundszene und sind erst kurz vorher aus der DDR ausgereist. Schon am zweiten Tag ihrer Performance lauern ihnen DDR-Grenzsoldaten auf, einer der Freunde wird durch eine verborgene Tür in der Mauer verschleppt und landet im Stasi-Gefängnis in Bautzen.

Als die Männer sich viele Jahre später im Rahmen eines Buchprojekts wieder mit der Geschichte beschäftigen und ihre Stasi-Akten durchgehen wollen, taucht plötzlich einer der ehemaligen Mitstreiter ab…. Langsam wird den Beteiligten klar, warum die Stasi schon Anfang der 1980er in Weimar immer genauestens über ihre Aktivitäten Bescheid wusste: gab es eine undichte Stelle innerhalb ihrer Gruppe?

Heute, knapp 30 Jahre später, wird der Filmdreh zum Anlass, sich noch einmal mit dieser Zeit zu beschäftigen. Gerd Kroske zeigt die Freunde von damals bei ihrem Versuch, die eigene Vergangenheit zu verstehen und damit umzugehen. In Gesprächen mit allen Beteiligten, flankiert von reichhaltigem Archivmaterial lotet Gerd Kroske die Untiefen von Verrat, Verdrängen und Vergeben aus. Er insistiert, ohne zu diskreditieren. „Striche ziehen.“ gelingt es auf eindrückliche Weise, den andauernden Balanceakt spürbar werden zu lassen, den jeder vollziehen muss, der sich ernsthaft mit Verrat und Vergebung beschäftigen will.

Als „der weiße Strich“ wurde eine Kunstaktion bekannt, bei der 1986 fünf ausgereiste DDR-Bürger aus der Weimarer Punk- und Undergroundszene die Mauer auf Westberliner Seite mit einem aufgemalten Strich umrunden wollten. Am zweiten Tag lauerten ihnen die DDR-Grenztruppen auf, einer der Freunde landete in Bautzen. Erst nach Jahren im Westen stellte sich heraus, dass einer in ihrem Kreis war, der in der DDR über ihre Aktivitäten berichtet hatte. Und über seinen Bruder. In Gesprächen mit den Beteiligten bis hin zum nassforschen (nicht unsympathischen) Grenzsoldaten, flankiert von reichhaltigem Archivmaterial mit dem angekratzten Anarcho-Charme von Super 8 und ORWO, lotet Gerd Kroske die Untiefen von Verrat, Verdrängen und Vergeben aus. Er insistiert, ohne zu diskreditieren. Je tiefer er in die Vergangenheit dringt, desto mehr tritt sie zurück hinter der Frage, wie beide Seiten mit dem Verrat weiterleben. Wie gegenwärtig die Geschichte ist, wird im großen, finalen Showdown der Brüder ebenso deutlich wie in wiederkehrenden Bildern von der Mauer, die Israel und Palästina trennt. Auch heute ist es mit dem Striche-Ziehen nicht so einfach. Besonders, wenn es sich um einen Schlussstrich handelt. Grit Lemke


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