Filmarchiv

Internationales Programm
A New Era Boris Svartzman

Eine Langzeitbeobachtung der Umbrüche in China, exemplifiziert anhand einer widerständigen Inselbevölkerung. Sie verweigern die Umsiedlung, sie verteidigen ihre Häuser, sie erreichen …

A New Era

Dokumentarfilm
Frankreich
2019
71 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Anne-Catherine Witt, Antonio Magliano
Boris Svartzman
Boris Svartzman
Suzana Pedro, Emma Augier
Boris Svartzman, Laurine Estrade
Boris Svartzman
Über zehn Jahre besuchte der Regisseur und Fotograf Boris Svartzman die Bewohner eines Fleckens Erde in China. Die Häuser und Gärten dort sind umkämpft, vor allem wegen ihrer spezifischen Lage: eine Insel im Perlfluss, inmitten der Millionenstadt Guangzhou. Das Gelände soll in ein „Naturparadies“ mit Wohnanlagen und Parks für die neue chinesische Mittelschicht umgewandelt werden. Doch die Leute weigern sich. 2008 wurden ihre Behausungen zerstört. Das Leben ging weiter, nun eben in Ruinen. Sie wurden vertrieben und kehrten zurück. Das Leben ging weiter, aber nicht zwangsläufig an den neuen Siedlungsorten, die man ihnen zur Verfügung stellte. Ihre Gärten wurden vernichtet. Das Leben ging weiter, in den Gärten, die sie wieder aufbauten.

Lauter und leiser Widerstand gegen die Modernisierung, der überall auf der Welt geleistet wird, erscheint einem in China besonders dramatisch. Das Nebeneinander von modernem, westlich inspiriertem Lebensstil und alten Traditionen und Architekturen fängt Svartzman im Detail ein. Das macht die Lebensgeschichte des alten Herrn, der den fremden Gast wie einen Geist immer wieder herzlich empfängt, zu einem Requiem. Der auf die Stadt fixierte Westen, so Svartzman, hätte von China viel in Sachen „ländlicher Demokratie“ lernen können – wäre der Ferne Osten nicht so westlich über seine ländlichen Räume und Menschen hinweggetrampelt.

Saskia Walker

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
About Finnish Manhood Samuli Salonen

Finnische Männerposen: am Wasser, vor der Sauna, im Wald. Sie stehen einfach da. Aber man kann ihnen lauschen. Sie erzählen von verschlossenen Gefühlen. Und dem Wunsch nach Öffnung.

About Finnish Manhood

Dokumentarfilm
Finnland
2019
10 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Samuli Salonen (Kino Euphoria)
Samuli Salonen
Samuli Salonen
Samuli Salonen
Samuli Salonen
Samuli Salonen
Einer starrt aufs Meer. Der andere steht im Wald. Einer versucht, einen Korb zu werfen. Und da, vor der Saunahütte, lehnt sich jemand ans Geländer. Männer. Finnische Männer. Fast allen ist gemein: ein Zustand emotionaler Deckelung, tief eingespeichert im eigenen Selbstverständnis. Was zunächst eingefroren anmutet, löst sich schnell – man muss nur zuhören wollen. „Aber wenn du nicht über Gefühle sprechen kannst, fühlst du auch kaum etwas“, gesteht einer. Dies ist eine Einladung zum Gespräch.

Carolin Weidner

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Internationales Programm
Above the Styx Maria Stoianova

Ostern auf einem Kiewer Friedhof: Menschen strömen an die Gräber ihrer Geliebten, speisen mit ihnen und zelebrieren das Leben. Eine intime Gesellschaftsstudie eines traditionsreichen Landes.

Above the Styx

Dokumentarfilm
Ukraine
2019
29 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Maria Stoianova
Maria Stoianova
Anna Khvyl
Maria Stoianova, Yulia Danylchuk, Maria Terebus, Liudmyla Paraskiva, Kateryna Rybachuk, Anastasiya Feshchuk, Ivan Bershadskyi, Alla Onopchenko
Maria Stoianova
Maria Terebus
Andrii Rogachov
Ganz präzise steckt ein junger Mann Plastikblümchen in die Erde. Ein älteres Paar baut ein Picknick direkt neben dem Grab auf. Ein Törtchen, belegte Brote, Eier. Es ist Ostern auf einem Kiewer Friedhof. Unzählige Menschen strömen an die Gräber ihrer Geliebten, um das Leben zu zelebrieren, ihrer Verstorbenen zu gedenken und sich vom Priester ein paar Tropfen Weihwasser abzuholen. Dem Regiekollektiv gelingt eine intime Gesellschaftsstudie ihrer traditionsreichen Heimat.

Julia Weigl

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Internationales Programm
Absolute Beginners Fabrizio Terranova

Ein feiner und sehr berührender Film über die Kunst, sein Leben trotz einer tödlichen und alles verändernden Krankheit bewusst zu (er-)spüren und zu genießen. Carpe diem.

Absolute Beginners

Dokumentarfilm
Belgien
2018
42 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Fabien Siouffi
Fabrizio Terranova
Lawrence Le Doux
Tristand Galand
Bruno Tracq
Fabrizio Terranova
Nicolas Lebecque
Wer nicht betroffen ist, hat von der Huntington-Krankheit meist noch nie gehört. Dabei verändert der erbliche Gendefekt einfach alles: die Fähigkeit, den eigenen Körper zu kontrollieren, den Kontakt mit der eigenen Seele, die Stimmungen und Emotionen, das Level der verfügbaren Energie … und letztlich die Beziehungen zu geliebten Menschen. Eine Heilung gibt es bisher nicht, wohl aber einen Test, der schon vor Ausbruch der Krankheit feststellt, ob man die genetische Mutation in sich trägt.

Die sechs Menschen, die hier sehr emotional und ehrlich von ihrem Leben erzählen, sind alle Gen-positiv, befinden sich jedoch in unterschiedlichen Stadien der Krankheit. Aus Angst vor sozialer Ausgrenzung sprechen einige von ihnen vor der Kamera nur anonymisiert. Noch sind nicht alle bereit, ihr „Gesicht zu zeigen“ und sich zu einer Krankheit zu bekennen, die Außenstehende leicht als schwere Form der Demenz oder als geistige Behinderung wahrnehmen. Dabei wiederlegt jeder, der hier Einblick gibt, auf eindrucksvolle Weise solche gängigen Missverständnisse. Deutlich wird, dass wir angesichts unheilbarer Krankheiten immer auch mit der Frage konfrontiert sind, wie wir das Risiko der Vergänglichkeit ins eigene Lebenskonzept integrieren können. Bei näherer Betrachtung betrifft dieses philosophische Problem allerdings jeden Einzelnen von uns. Ein filmisches carpe diem und eine Ode an das Leben.

Luc-Carolin Ziemann

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Internationales Programm
After the Silence Sonam Larcin

Wie gehen Coming-out und Asylbewerbung zusammen? In diesem Film von Sonam Larcin besser als befürchtet. Eine Geschichte vom langsamen Ankommen, in warmen Farbtönen und zärtlichen Gesten.

After the Silence

Dokumentarfilm
Belgien
2018
23 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Véronique Duys (Médiadiffusion)
Sonam Larcin
Axel Meernout
Louis Rousseau
Sonam Larcin
Igor Van De Putte, Ferri Van Overstraeten
„Erzähl mir deine Geschichte“ – eigentlich eine Aufforderung, über die man sich freuen sollte. Schwierig nur, wenn sie sich in einer Brüsseler Amtsstube an einen jungen Mann richtet, der dort Asyl sucht und in seinem ganzen bisherigen Leben noch vor niemandem seine Homosexualität eingestanden hat. Vielleicht aber auch eine Chance. Und eine gute Voraussetzung, die Geschichte dann auch vor einer Filmkamera zu erzählen. Ein Film vom langsamen Ankommen, in warmen Farbtönen und zärtlichen Gesten.

Silvia Hallensleben

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Andes Uprising, a Buffer City Re-Inventing Itself Through Architecture

Dokumentarfilm
Deutschland
2019
14 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Bernardo Villagra Meruvia
Bernardo Villagra Meruvia
Bernardo Villagra Meruvia
El Alto, Bolivien, wächst schnell – wild, doch nicht ohne Form. Eine Investigation in Sachen urbaner Ästhetik stößt auf die Cholets: Prachtbauten en miniature, die zu Wohlstand gekommenen indigenen Aymara-Familien als Wohn- und Geschäftsräume dienen. Die bunt glänzenden Gebilde mögen wie Raumschiffe aussehen, die sich in die großstädtischen Brachen verirrt haben. Aber eine Doppelbewegung von Expertenkommentar und City-Symphony präpariert das soziale Fundament der eklektischen Architektur heraus.

Lukas Foerster

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Aura

Animationsfilm
Deutschland
2019
3 Minuten
Untertitel: 
keine
Credits DOK Leipzig Logo
Fabienne Priess
Timm Völkner
Andreas Skandy
Timm Völkner
Timm Völkner, Ryoji Yamada
Timm Völkner
Jan Brett
In sehr vertraulichen Worten wendet sich eine Stimme an einen lebenslangen Begleiter, der nicht selbst gewählt ist. Bemerkenswert kreativ und punktgenau führt Timm Voelkner von einem Bild fließend ins andere, baut Brücken zwischen den Gefühlslagen einer von klassischer Migräne betroffenen Person und den Wahrnehmungsstörungen in der Auraphase. In nur zwei Minuten erzählt der Film visuell und intensiv über das Leben mit der oft unterschätzten Erkrankung und vom Versuch einer Versöhnung mit ihr.

André Eckardt

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Autobahn

Dokumentarfilm
Deutschland
2019
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Niklas Burghardt, Johannes Wöpkemeier
Daniel Abma
Henning Fuchs
David Schittek
Momas Schütze
Daniel Abma
Malte Eiben
Kurort Bad Oeynhausen: Tausende Lkw wälzen sich täglich durch die Innenstadt und über die Bundesstraße 61, die die Bundesautobahnen A 2 und A 30 respektive die Metropolen Warschau und Rotterdam miteinander verbindet. Als die Aberkennung des Status als Kurort, also der Verlust des einladenden Titels „Bad“ droht, muss sich etwas ändern: Eine Umgehungsstraße soll gebaut werden.

Über einen Zeitraum von acht Jahren dokumentiert der Film den Verkehrsinfarkt am Nadelöhr, die Arbeit von Bürgermeister, Polizei, Feuerwehr und Baufirmen, die Verzögerungen bei der Fertigstellung der Nordumfahrung und vor allem die Reaktionen der betroffenen Anwohner. Die freuen sich auf Ruhe und Entlastung – oder werden schon bald ein Stück Autobahn vor ihrem Häuschen haben. Weniger die große Infrastrukturmaßnahme steht im Zentrum der Langzeitdokumentation als vielmehr die Folgen für die Menschen am Straßenrand. Dort „aufgelesen“, mit einem feinen Gespür für besondere Charaktere und viel Raum für deren Persönlichkeiten und Eigenheiten, finden sich weitere Geschichten. Die lokale Tradition des Lkw-Zählens, sei es an der Bundesstraße oder an der Autobahnbaustelle, gehört ebenso dazu wie der Spaziergang oder das Joggen auf der lange unvollendet bleibenden Trasse.

Frederik Lang

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
Bekar Evi – Das Junggesellenhaus Dirk Schäfer

Das Leben ist kein Zuckerschlecken, schon gar nicht für kurdische Junggesellen in Istanbul. Sieben Saisonarbeiter leben in einem heruntergekommenen Haus in einer ungewöhnlichen WG.

Bekar Evi – Das Junggesellenhaus

Dokumentarfilm
Deutschland
2019
76 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
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Dirk Schäfer
Dirk Schäfer
Deborah Wargon
Nikola Krivokuca
Dirk Schäfer
Metin Bozkurt
Das Leben ist kein Zuckerschlecken, schon gar nicht für einen kurdischen Junggesellen in Istanbul. In der Metropole leben sieben alleinstehende Saisonarbeiter aus Ostanatolien in einem heruntergekommenen Haus. Die Männer aus zwei Generationen bilden eine ungewöhnliche WG. Sie wohnen und schlafen auf engstem Raum und teilen sich eine einzige Dusche. Da kann es schon einmal zu hitzigen Auseinandersetzungen kommen: typische WG-Zankereien ums Abwaschen oder Aufräumen. Hier schlichten die älteren unter ihnen, mit väterlicher Autorität.

Die Protagonisten erzählen von ihrer Herkunft und ihren Träumen. Ihre poetischen Schilderungen verwebt der seit Langem in Istanbul lebende deutsche Filmemacher Dirk Schäfer mit feinfühligen Beobachtungen ihrer Zweckgemeinschaft. Die Erfahrungen von gesellschaftlicher Diskriminierung und Schikanen gehen nicht spurlos an ihnen vorüber. Jedoch erleichtern Humor und Freundschaft ihren Alltag – oder wie es einer der „Bachelors“ augenzwinkernd sagt: Nun verkaufe er als Straßenhändler eben osmanische Zuckerpaste, um seinem Leben etwas Süße zu verleihen.

Annina Wettstein

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
Bird Island Maya Kosa, Sergio Da Costa

Eine Vogelpflegestation ist ein wundersames Refugium für verletzte Wildvögel – und für den Protagonisten Antonin, der nach längerer Krankheit dort eine Arbeit aufnimmt.

Bird Island

Dokumentarfilm
Schweiz
2019
60 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Joëlle Bertossa, Flavia Zanon
Maya Kosa, Sergio Da Costa
Sergio Da Costa
Gabriel Gonzalez, Maya Kosa, Sergio Da Costa
Maya Kosa, Sergio Da Costa
Xavier Lavorel
Nach längerer Krankheit und Isolation nimmt Antonin in einer Vogelpflegestation seine Arbeit auf. Als Folge der Krankheit hat er noch immer mit Fatigue zu kämpfen. Die neuen Kolleginnen und Kollegen lassen ihm geduldig Zeit anzukommen. In diesem kleinen Universum erhält Antonin genauso Schutz wie die Patienten. Die Wildvögel werden mit teilweise sehr schweren Verletzungen abgeliefert, einige leiden unter Schock. Sie benötigen die ganze Hingabe der Tierärztin und der Pflegerin – und die bekommen sie auch. Vom lauten Getöse des nahegelegenen Flughafens lassen sie sich nicht aus der Ruhe bringen.

Tagebuchartig berichtet Antonin als Erzähler im Off über die Station. In einer literarischen Sprache erklärt er die Arbeitsabläufe und berichtet von den Schicksalen der Schwäne, Uhus oder Krähen. Auch die Interaktionen im Team und die Behandlungen der Tiere sind minimalistisch gezeigt. So pendelt der Film zwischen stilisierter Künstlichkeit und dokumentarischer Beobachtung hin und her. Behutsam entwickelt sich die warmherzige Geschichte an diesem wundersamen Ort zu einer Fabel über die Rettung von Tieren – und Menschen – in Not.

Annina Wettstein



Ausgezeichnet mit dem Healthy Workplaces Film Award.

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Internationales Programm
Black Hole Arnaud Deshayes, Emmanuel Grimaud

Zwei französische Filmemacher begeben sich auf Spurensuche ins Unterbewusstsein, um dort die Geister der kolonialen Vergangenheit Indiens zu finden. Therapeutisch, hypnotisch, vielbildlich.

Black Hole

Dokumentarfilm
Frankreich
2019
69 Minuten
Untertitel: 
englische
französische
Credits DOK Leipzig Logo
Giulia Olivieri, Fabrizio Polpettini
Arnaud Deshayes, Emmanuel Grimaud
Arnaud Deshayes, Emmanuel Grimaud
Arnaud Deshayes, Emmanuel Grimaud, Gabriel Gonzalez
Arnaud Deshayes, Emmanuel Grimaud
Mikaël Barre
Ein dunkler Raum. Der Fokus richtet sich auf ein entspanntes Frauengesicht. Die kirschroten Lippen fangen an, sich zu bewegen. Die Augen sind geschlossen. In Trance schlüpft die junge Inderin in frühere Inkarnationen – etwa in die Rolle eines liberalen Mannes, der für Gleichberechtigung und Freiheit kämpfte. Während ihr Körper im schwarzen Hintergrund zu verschwinden scheint, wird ihr Wiedererleben immer klarer und bildlicher.

Trupti Jayin, eine bekannte Hypnotherapeutin aus Kalkutta, nutzt das Bild des schwarzen Lochs für ihre Patienten. Wenn diese den Sprung ins dunkle Nichts wagen, können sie tiefer in ihr Unterbewusstsein eindringen, Verdrängtes aufspüren und vielleicht gar verarbeiten. In der Kolonialgeschichte Indiens hat das sogenannte „Black Hole“ allerdings eine andere Bedeutung. Das gleichnamige Gefängnis aus dem 18. Jahrhundert, in dem einige britische Soldaten starben, gilt heute als historischer blinder Fleck, in dem sich Mythos und Realität nicht mehr voneinander unterscheiden lassen. Die französischen Filmemacher Emmanuel Grimaud und Arnaud Deshayes gehen auf Spurensuche ins Unterbewusstsein, um dort die Geister der Vergangenheit zu stellen. Im Privaten, aber auch im Öffentlichen. Denn neben den Hypnosetherapieeinheiten verfolgt eine Gruppe von Geisterjägern die rastlosen Seelen in den düsteren Gassen und leer stehenden Häusern der westbengalischen Hauptstadt.

Julia Weigl

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Blieschow

Animationsfilm
Deutschland
2019
9 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel
Credits DOK Leipzig Logo
Lena-Carolin Lohfink
Christoph Sarow
Andreas Pfeiffer
Christoph Sarow
Christoph Sarow
Christoph Sarow, Sofiia Melnyk, Janina Putzker, Laura Staab, Sarah Schulz, Maria Schmidt
Christoph Sarow, Simon Thummet
Marc Fragstein, Luis Schöffend
Gameboy in der Hand, ein Streifzug durchs reife Kornfeld, die Ostseeinsel liegt im Gelb des Sonnenlichts. Es ist Sommer und Tom verbringt seine Ferien beim Großvater. Dort ist vieles aufregend schön, einiges beängstigend und manches von grober Natur, wie etwa sein Cousin und das Leben auf dem Bauernhof. Sensibel und mit kräftigen warmen Farben erzählt Christoph Sarow über ein kleines Stück Weg des Älterwerdens und lässt mit großartigen assoziativen Bildern in die Gefühlswelt des Jungen schauen.

André Eckardt

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Internationales Programm
Book-Paper-Scissors Hirose Nanako

Kikuchi Nobuyoshi ist Buchdesigner der alten Schule. In seinem Atelier in Tokio entwirft er mittels Papierbögen, Klebestreifen und Linealen minimalistische Kunstwerke voller Feingefühl.

Book-Paper-Scissors

Dokumentarfilm
Japan
2019
94 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Kitahara Eiji, Amy Aoyama
Hirose Nanako
biobiopatata, Suzuki Tsunekichi
Hirose Nanako
Hirose Nanako
Als Buchdesigner hat Kikuchi Nobuyoshi mehr als 10.000 Titel entworfen. Klassisch, mit Millimeterpapier, Lineal, ausgedruckten Kanji (den japanischen Schriftzeichen) und Tesafilm wird jedes Exemplar zunächst in feinster haptischer Arbeit erschaffen, bevor seine Assistentin, mit der er seit über dreißig Jahren zusammenarbeitet, das fertige Design in den Computer überträgt. Kikuchis Bücher stehen für eine durchdachte, minimalistische Ästhetik, in der jedes einzelne Element – Buchumschlag, Einband, Buchrücken, Lesebändchen – jene Geschichte weiterträgt, der er selbst beim Lesen begegnet ist. Namhafte Autoren wie Furui Yoshikichi, der unter anderem Robert Musil ins Japanische übersetzte, vertrauen auf die Intuition und das Geschick von Kikuchi, der von sich behauptet, über die Dekaden immer leerer geworden zu sein. Regisseurin Hirose Nanako zeigt in ihrem sanften Porträt einen Mann, dessen gesamte Lebensführung von eleganter und kultivierter Haltung den Dingen gegenüber geprägt ist – sei es beim Aufgießen frisch gemahlenen Kaffees, beim Benutzen eines alten Grammofons oder beim Schlendern über einen Flohmarkt in Tokio.

Carolin Weidner

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
Brand Jan Koester, Alexander Lahl

Markus ist ehrenamtlicher Bürgermeister in Tröglitz. Mit seiner Frau setzt er sich 2015 dafür ein, vierzig Flüchtlingen Obdach zu gewähren. Dann nimmt „sein“ Ort eine seltsame Fratze an.

Brand

Animationsfilm
Deutschland
2019
5 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Max Mönch
Jan Koester, Alexander Lahl
Hannes Schulze
Jan Koester
Jan Koester
Jan Koester
Elise Landschek
Hannes Schulze
Markus ist Ortsbürgermeister in Sachsen-Anhalt. Mit seiner Frau setzt er sich 2015 dafür ein, vierzig Flüchtlingen Obdach zu gewähren. Dann nimmt „sein“ Ort Tröglitz eine seltsame Fratze an: Die Bevölkerung ist beklemmend polarisiert und plötzlich steht die Flüchtlingsunterkunft in Flammen. Der animierte Dokumentarfilm sucht zu verstehen, was passiert ist. Dunkle Schraffierungen und Schattierungen kontrastieren mit idyllischen Aquarelllandschaften und legen Zeugnis über Verlorenes und Aufzuklärendes ab.

Nadja Rademacher

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Bread, Revenge?

Dokumentarfilm
Frankreich,
Deutschland
2019
76 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
Stefan Hayn (Stefan Hayn Filme und Malerei)
Stefan Hayn
Till Megerle
Stefan Hayn
Stefan Hayn
Klaus Barm
Der französische Widerstandskämpfer Robert Antelme fiel 1944 in die Hände der Deutschen. Er kam nach Gandersheim, ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges erlebte Antelme noch das ganze Ausmaß der Entmenschlichung im nationalsozialistischen Gewaltregime. Er schrieb darüber bald nach seiner Befreiung das Buch „Das Menschengeschlecht“, das heute ein Klassiker der Vergangenheitsbewältigung ist.

Stefan Hayn hat sich bereits in seinem Film „Straub“ (2014) mit Antelme beschäftigt. Nun geht er noch einmal ausführlicher auf eine Reihe von Texten ein, die kurz nach dem Krieg auch zu einer Debatte über die Frage des Umgangs mit der deutschen Schuld beitrugen. Hayn bezeichnet seinen Film im Vorspann als „lecture filmée“, eine „gefilmte Lektüre“: Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Texte (darunter Überlegungen über einen Brotdiebstahl unter Gefangenen) im französischen Original präsent sind, auch in der Rezitation durch Sprecher mit deutscher Muttersprache. Verschiedene Formen der „Lektüre“, die bis zu einer skizzenhaften szenischen Reinszenierung gehen, werden mit Gegenwartsaufnahmen aus heutigen Gedenkstätten zu einem vielschichtigen, im besten Sinn geschichtspolitischen Filmessay verwoben.

Bert Rebhandl

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Das Fieber

Dokumentarfilm
Österreich,
Deutschland,
Schweiz
2019
99 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Markus Wailand
Katharina Weingartner
Siri Klug
Andrea Wagner
Toby Cornish
Katharina Weingartner
Patrick Becker, Peter Braeker
Der Kampf will nicht enden. Noch immer regiert Malaria weite Teile Afrikas. Alle 60 Sekunden stirbt südlich der Sahara ein Kind an diesem Parasiten. Insgesamt ist sie der Grund für rund eine halbe Million Todesfälle im Jahr. Aber warum gelingt es einfach nicht, die Krankheit erfolgreich zu bezwingen, obwohl seit etlichen Jahren unzählige internationale Hilfsorganisationen an einer Lösung arbeiten?

Natürlich liegt das am Geld, an globalen Interessenskonflikten, an der mächtigen Pharmaindustrie. Das ist nichts Neues. Doch der österreichischen Filmemacherin Katharina Weingartner ist nun ein spannender dokumentarischer Thriller gelungen, der in das leidlich bekannte große Bild im Wortsinn aufregende, den Kontext verschiebende und erweiternde Verbindungslinien einzeichnet: zwischen dem Parasiten und der Pharmaindustrie, zwischen Selbstbestimmung in Ostafrika und dem reichsten Mann der Welt. Im Fokus stehen drei mutige Menschen in Uganda und Kenia, die vor Ort gegen die Krankheit kämpfen und oft mit alternativen Methoden weiter kommen, als das die westliche Medizin gerne hätte. Denn eine eigene Lösung, ohne fremde Hilfe und Technologien, ohne die merkantilen oder öffentlichkeitswirksam philanthropischen Interessen der Helfenden, würde ja Unabhängigkeit bedeuten.

Julia Weigl

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