Filmarchiv

Countries

Arid Zone

Dokumentarfilm
2019
76 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Antônio Junior, Fernanda Pessoa
Fernanda Pessoa
Pedro Santiago
Rodrigo Levy
Germano de Oliveira, Mari Moraga
Fernanda Pessoa
Daniel Turini
Mesa in Arizona, östlich von Phoenix und gut 200 Kilometer von der Grenze zu Mexiko entfernt, gilt als die konservativste Stadt in den USA. 2001 war Fernanda Pessoa als Austauschschülerin in Mesa zu Gast. Sie war damals 15 Jahre alt. 15 Jahre später kehrte sie zurück, in den Wochen vor der Präsidentenwahl, bei der Donald Trump gewann. Ausgehend von zahlreichen Fotografien aus der damaligen Zeit, sucht Pessoa die Begegnung mit Menschen, die sie als Teenager kennenlernte. Sie findet einen neuen Zugang zu den Vereinigten Staaten, sie erlebt nun alles deutlich bewusster, schließlich ist sie inzwischen erwachsen geworden. Mit ihrem früheren Selbst führt sie einen inneren Dialog, während sie dieses Land neu entdeckt, dessen Bewohner sich so viel darauf einbilden, dass es ihres ist: Amerika. Das Land der Feuerwaffen und der eigentümlichen Sportarten, das Land, das die Shoppingmall erfand und den Western.

Pessoa zitiert den Philosophen Baudrillard, für den Amerika wie eine Fiktion wirkte. Mit ihrem Film macht sie daraus eine Wirklichkeitserfahrung, bei der sie am Ende auch mehr über ihr eigenes Land begreift: „Unser kultureller Kolonialismus kam zurück, um uns abzukassieren.“ „Arid Zone“ (Arizona) setzt dem Kolonialismus den sanften Widerstand genauer Beobachtung entgegen.

Bert Rebhandl



Lobende Erwähnung im Next Masters Wettbewerb Langer Dokumentar- and Animationsfilm.

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Flesh

Animationsfilm
2019
12 Minuten
Untertitel: 
englische
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Chelo Loureiro, Livia Perez
Camila Kater
Sofia Oriana Infante, Julia Teles
Samuel Mariani
Samuel Mariani
Camila Kater, Giovana Affonso, Flavia Godoy, Cassandra Reis, Leila Monsegur
Camila Kater, Ana Julia Carvalheiro
Xabier Ferreiro, Julia Teles, Luis Felipe Labaki
Ein animierter Dokumentarfilm in fünf Kapiteln von und über fünf Frauenpersönlichkeiten. In den Hauptrollen die eigene Körperlichkeit und eine multiperspektivische Sicht auf Weiblichkeit. Denn Herkunft, Umfeld und Sozialisierung – mit ihren mitunter pervers-zwanghaften Nebenwirkungen – haben ihr ganz eigenes Gewicht. Die autobiografischen Reflexionen gewinnen durch die Wahl unterschiedlicher haptischer Animationstechniken an Tiefenschärfe und Schlagkraft. Plastisch, eindringlich, schön.

Nadja Rademacher

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Next Masters Wettbewerb
Guaicurus Street João Borges

Ein Rotlichtviertel in Belo Horizonte. Die Kamera erhält Einlass in ein Laufhaus. Käufliche Liebe erscheint hier mal als routiniert-triste Fließbandübung, mal fast schon als Komödie.

Guaicurus Street

Dokumentarfilm
2019
75 Minuten
Untertitel: 
englische
deutsche
Credits DOK Leipzig Logo
João Borges, Thais Mol (Yara Filmes), Mariana Andrade
João Borges
Lucas Oscilloid, Pedro Durães
Lucas Barbi
Fabian Remy
João Borges
Lucas Oscilloid, Marcel Dadalto, Pedro Durães, Victor Brandão
Ein Rotlichtviertel in Belo Horizonte. Die Bordelle werben um ihre Kundschaft in allen Farben der Nacht. Die Fenster stehen hier meist offen, vor der Tür sitzt höchstens ein Typ auf einem Plastikstuhl. Die Kamera erhält Einlass in eines der Laufhäuser. Wir sehen in einer Totalen, fast wie auf einem Überwachungsbildschirm, Männer in einem schlichten Gang von Tür zu Tür, von Frau zu Frau huschen. Bei einigen der Verhandlungen aber sind wir plötzlich dicht dabei („3 Positionen für 25 Real“), und irgendwann folgt ein „unmöglicher“ Schnitt: ein Gegenschuss von der anderen Seite der Tür her, aus dem Zimmer der Frau heraus. Wir sehen Sexarbeiterinnen beim Aufräumen, beim Abhängen, beim miteinander Klatschen. Sie erzählen von Gewalt, von vorgetäuschten und von echten Orgasmen. Aber wir sehen auch Sexszenen, mit Schauspielern nachgestellt, in denen die käufliche Liebe mal als routiniert-triste Fließbandübung, mal fast schon als Komödie erscheint.

Wenn der Film die Grenzen zwischen einem dokumentarischen und einem fiktionalen Blick systematisch verwischt, dann hat das mit dem Wunsch zu tun, den Frauen ihre Würde zu lassen und die geläufigen Elendsbilder zu vermeiden. Es hat aber auch etwas damit zu tun, dass Sex nie zu trennen ist von Fiktionen und Projektionen.

Lukas Foerster

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Kids DOK
Skin Color Livia Perini

Kauan mag am liebsten Fußball spielen und im Meer schwimmen. Zwei Dinge verleiden ihm den liebsten Zeitvertreib: die Schule und die Sonnenstrahlen, die seine Haut nicht verträgt.

Skin Color

Dokumentarfilm
2018
15 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Karla Laet
Livia Perini
Pedro Santiago
Patrick Tristão
Yan Motta
Livia Perini
Tiago Lorena
Der elfjährige Kauan mag am liebsten Fußball spielen und im Meer schwimmen. Zwei Dinge verleiden ihm den liebsten Zeitvertreib: die Schule und die Sonnenstrahlen, die seine Haut nicht verträgt. Sonnencreme und langärmelige T-Shirts sind seine täglichen Begleiter. Zum Glück ist er aber nicht der Einzige in der Familie, der sich mit Albinismus herumschlagen muss. Ein Film über Zusammenhalt und Lebensfreude.

Marie-Thérèse Antony

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Next Masters Wettbewerb
Cinema Morocco Ricardo Calil

Obdachlose besetzen den ehemals glamourösen Kinopalast in São Paulo. Ein Theaterworkshop ruft die Vergangenheit des Gebäudes wach – und kreiert Projektionsflächen für zerrüttete Biografien.

Cinema Morocco

Dokumentarfilm
2018
76 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Eliane Ferreira, Pablo Iraola
Ricardo Calil
André Namur
Loiro Cunha, Carol Quintanilha
Jordana Berg
Ricardo Calil
Flávio Guedes, Ricardo Pinta
An die glanzvolle Vergangenheit des Cine Marrocos’ in São Paulo erinnert heute nur noch ein kurioser Nachrichtenfilm. Er zeigt, wie Irene Dunne, Erich von Stroheim und Abel Gance 1954 zum ersten Internationalen Filmfestival von Brasilien in den luxuriösen Kinopalast schaulaufen, und dass Fubuki Koshiji beim Stolpern ihren „zarten östlichen Fuß enthüllt“ (Originalton). Vierzig Jahre später stand das zwölfstöckige Gebäude plötzlich leer – zwei Dekaden lang. Als die angekündigte Renovierung auf sich warten ließ, wurde es 2013 von einer Gemeinschaft von Obdachlosen besetzt. Zeitweilig lebten 2.000 Menschen aus 17 Ländern in der ausgeweideten und mit Graffitis gesäumten Bauruine.

Auf Initiative des gleichnamigen Filmprojekts wurden im wiedereröffneten Kino Filme aus dem ersten Festivaljahr vorgeführt und ein Theaterworkshop ins Leben gerufen. Dabei erarbeiteten die schauspielenden Besetzer ikonische Filmszenen, etwa aus „Boulevard der Dämmerung“, „Die große Illusion“, „Julius Caesar“ und „Abend der Gaukler“. Vor dem Hintergrund der drohenden Zwangsräumung dokumentiert der Film die von den zerrütteten Biografien „mitgeschriebene“ Theaterarbeit, an deren Ende kinematografische Reenactments stehen. Norma Desmond, Marcus Antonius, die Kunstreiterin Anne und der Jagdflieger Maréchal werden buchstäblich zu Projektionsflächen – für so unterschiedliche Erfahrungen wie Kriegstraumata, Depression, Wohlstandsekel und postkoloniale Entfremdung.

Esther Buss



Goldene Taube im Next Masters Wettbewerb Langfilm


Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
Elections Alice Riff

Von wegen Politikmüdigkeit! Die Wahlen zur Schülervertretung in einer Schule in São Paulo zeigen die Mühen der Demokratie und die Verlockungen des Populismus – und wie man ihnen widersteht.

Elections

Dokumentarfilm
2018
101 Minuten
Untertitel: 
englische
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Alice Riff, Heverton Lima
Alice Riff
Vinicius Berger
Yuri Amaral
Alice Riff, Vanessa Fort
Marina Bruno, Daniel Turini, Fernando Henna
Wie die Demokratie funktioniert (und wo sie hakt), lernt man am besten, indem man sie praktiziert. In einer öffentlichen Highschool in São Paulo stehen die Wahlen zur Schülervertretung an. Verschiedene Teams konkurrieren um die besten Ideen, das coolste Wahlplakat und die meisten Stimmen. Es gilt, sich nicht zu populistischen Aktionen hinreißen zu lassen und persönliche Interessen hintanzustellen. Genau wie in der „großen“ Politik balancieren die Kandidatinnen und Kandidaten in ihren Rededuellen zwischen ehrlichem Engagement und oberflächlichen Showeffekten. Doch als plötzlich die Polizei vor den Schultoren steht, wird augenblicklich deutlich, wie wichtig es ist, dass die Schülerschaft mit einer Stimme sprechen kann.

Luc-Carolin Ziemann


Nominiert für den Young Eyes Film Award

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationaler Wettbewerb Kurzfilm
Stone Engravings and the Three-Colored Chickenpox Tale Luciana Mazeto, Vinícius Lopes

Ein Spiel mit den ältesten Geschichten der Welt in Brasilien: Höhlenzeichen, Gründungsmythen der Guaraní, verschwundene Tiere, denkende Steine, Film-Altertum und Kino auf dem Stand der Zeit.

Stone Engravings and the Three-Colored Chickenpox Tale

Dokumentarfilm
2018
21 Minuten
Untertitel: 
englische
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Leandro Engelke
Luciana Mazeto, Vinícius Lopes
Lívia Pasqual
Luciana Mazeto
Luciana Mazeto, Vinícius Lopes
Kevin Agnes
Ein filmisches Spiel mit den ältesten Geschichten der Welt in Brasilien. Das Sichtbare und das Unsichtbare existieren nebeneinander und lassen sich aufnehmen. Geritzte Zeichen in Höhlen, verschwundene Tiere, Gründungsmythen der Guaraní, Kinderspiele und denkende Steine. Dazu als Beweis ganz sichtbar: die verwendeten heutigen und uralten Film- und Tonaufnahmetechniken.

Saskia Walker

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Neuland
The Invented Village Liliana Sulzbach

Eine Siedlung, umringt von Bergen und Wäldern. Gegründet in den 1940er Jahren, beherbergte Itapuã seither fast 2.500 Menschen. Heute sind es nur noch 35, alle über 60 Jahre alt. Das Porträt einer Miniaturstadt.

The Invented Village

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Liliana Sulzbach, Thaís Fernandes
Liliana Sulzbach
Caetano Maschio Santos, Carlos Badia
Francisco Alemão Ribeiro, Thaís Fernandes
Angela K. Pires, Thaís Fernandes
Luis Otávio Feldens
Liliana Sulzbach
Kiko Ferraz, Chrístian Vaisz
Wallace Morais
Tatiana Sperhacke
Wallace Morais
Tatiana Sperhacke, Liliana Sulzbach, Thaís Fernandes
Wallace Morais
„Ich bin hier gelandet. Im Paradies. Itapuã ist wie ein 5-Sterne-Hotel für mich. Es ist mein Zuhause.“ Eine Siedlung, umringt von Bergen und Wäldern. Gegründet in den 1940er Jahren, beherbergte Itapuã seither fast 2.500 Menschen. Heute sind es nur noch 35, alle über 60 Jahre alt. Das Porträt einer Miniaturstadt, gebaut als Lösung für ein komplexes Problem. Durch die Geschichte führt eine virtuelle Karte, in der nach und nach Inhalte freigeschaltet werden können. Die Bewohner schwelgen in Erinnerungen. Alte Dokumente und Fotografien sowie Filmaufnahmen von damals und heute enthüllen Stück für Stück, welch traurige Wahrheit die in Itapuã Verbliebenen miteinander verbindet.

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Body of Crime

Dokumentarfilm
2017
73 Minuten
Untertitel: 
englische
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Pedro Rocha, Diego Hoefel
Pedro Rocha
Juliane Peixoto
Frederico Benevides
Diego Hoefel
Paulo Ribeiro
Ein Ausdruck von Ivans Last befindet sich um seinen Fuß geschnallt: eine elektronische Fessel, die seinen Standort überwacht. Kritisch wird es abends, wenn er bei seiner Familie sein soll, Ausgangssperre hat, aber eine Stimme Ideen einflüstert, die nur außerhalb des Hauses – und damit des gesetzlichen Rahmens – realisierbar scheinen. Ivan ist ein Tiger hinter Gittern, dessen Schritte täglich unruhiger werden. Zudem plagt ihn ein Gedankenspiel: Er kennt Männer, die die piependen Apparate eigenmächtig loswurden und nun auf freiem Fuß sind. Und er kennt andere, deren Befreiungsversuche scheiterten. Die Konsequenz: zurück ins Gefängnis. Ivan balanciert zwischen Skylla und Charybdis. Eine Erregtheit, die längst in Unmut gekippt ist und nach Lösung verlangt.

Carolin Weidner


Nominiert für Young Eyes Film Award

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Luiza

Dokumentarfilm
2017
15 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Caio Baú, Amanda Soprani, Isabele Orengo
Caio Baú
Murilo Lazarin
Fábio Allon
Caio Baú
Bruno Ito
„Live the Old Times“ steht in großen Lettern auf Luizas T-Shirt. Anfangs blättert das behütete 24-jährige Mädchen mit den blaugrünen Haarsträhnen noch in einem Album und betrachtet Fotos aus ihrer Kindheit. Doch bald zählt nur noch die Gegenwart mit ihrem Freund und die Frage, wann es Zeit ist für den ersten Sex. Familiäre Ängste, Autonomiewünsche, erwachende Sexualität und Entrücktheit verdichten sich zu einem ambivalenten Szenario.

Esther Buss

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Next Masters Wettbewerb
Paulistas Daniel Nolasco

Im Irgendwo der brasilianischen Savanne überlebt Paulistas. Die ländliche Region hat ihre Jugend verloren, Risse von Natureingriffen bekommen und färbt trotzdem alles mit ihrer Seele.

Paulistas

Dokumentarfilm
2017
76 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Matheus Peçanha, Lidiana Reis, Daniel Nolasco, Thiago Yamachita, Aline Mazzarella
Daniel Nolasco
Larry Sullivan
Will Domingos
Daniel Nolasco
Jesse Marmo
Im Irgendwo der zentralbrasilianischen Savanne überlebt Paulistas. Die ländliche Region hat ihre Jugend verloren, Risse in den Häusern bekommen und trotz alledem ihre Würde bewahrt. Weide, Fluss, spartanisch eingerichtete Interieurs – wie die Landschaft und die Lebensräume dehnen sich die Bilder und Klänge des Films sanftmütig, aber mit beeindruckender Kraft aus. Ruhige, hervorragend kadrierte Einstellungen und perfekt gesetzte Klänge können ausreden, ohne schwatzhaft zu werden. Sie porträtieren die landwirtschaftliche Arbeit und den Alltag der Menschen. Sie zeigen in der Verlassenheit eine von den Bewohnern aufrechterhaltene Wärme.

„Paulistas“ kann besingen, aber verzichtet auf Verklärung. Die philanthropischen Beteuerungen, die die Betreiber des nahegelegenen Staudamms über das Fernsehen versenden, fallen im Film in sich zusammen – wie die beschädigten, unbewohnbaren Häuser infolge der Natureingriffe. Und dann ist Juli und die Jugend kehrt für die Ferien kurzzeitig zurück. Sternenhaft leuchtet im nächtlichen Maisfeld das Mobiltelefon beim Tippen von Liebesnachrichten, und das Motorrad zieht eine geschwungene Staublinie durch die gesamte Breite der sommerlichen Weiden. Motivisch erklingen schwer beschreibbare Klänge zwischen Maschinenmetall und Blechblasinstrument. Paulistas ist von Umständen geprägt und färbt trotzdem alles mit seiner Seele.

André Eckardt

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Internationaler Wettbewerb Animadok
Tailor Calí dos Anjos

Tailor aus Rio de Janeiro ist transsexuell. In seinen animierten Bilderwelten berichtet er von eigenen Problemen und Erlebnissen und lässt auch Miro, Tertuliana und Bernardo zu Wort und Bild kommen.

2017

Tailor

Animadok
2017
10 Minuten
Untertitel: 
englische
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Bia Medeiros
Calí dos Anjos
Natalia Carrera
Bia Marques
Vinícius Nascimento
Raissa Laban
Debora Guimarães, Calí dos Anjos
Gustavo Ruggeri
„Als ich niedergeschlagen war, begann ich damit, Comics zu zeichnen. Viele Leute sagten mir, dass sie ihnen sehr geholfen haben, dabei, sich selbst zu finden.“ Tailor aus Rio de Janeiro ist transsexuell. In seinen animierten Bilderwelten berichtet er von eigenen Problemen und Erlebnissen und lässt auch Miro, Tertuliana und Bernardo zu Wort und Bild kommen. Eine wilde, spielerische, witzige, ernste, poetische Comic-, Dokumentar- und Erfahrungsmischung mit, über und von Transgender-Personen.

Frederik Lang

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Rogério Duarte, the Tropikaoslist

Dokumentarfilm
2016
89 Minuten
Untertitel: 
englische
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VPC Cinema Vídeo
José Walter Lima
Rogério Duarte
Pedro Semanovschi
Bau Carvalho
Caó Cruz Alves
José Walter Lima, Roberto Torres
Nicolas Hallet
Rogério Duarte (1939–2016) war ein brasilianischer Grafiker, Typograf, Musiker und Dichter. Nach eigenem Verständnis ein populärer Avantgardist, ebenso sehr Tribun des brasilianischen Undergrounds in Film, Musik und Malerei wie volkstümlicher Künstler. Als Zeitgenosse und Weggefährte von Glauber Rocha, Gilberto Gil und Caetano Veloso hob er in den 1960er Jahren die Bewegung des Tropicalismo mit aus der Taufe, wandelte sich später aber zum Häretiker, weil er dieser Richtung den Kniefall vor dem Kommerz nie verzeihen wollte.

José Walter Limas filmisches Porträt ist eine bewundernde Hommage für einen Natural Born Independent, der sein Metier aus einer tiefen, geradezu kosmisch-religiös empfundenen Haltung gegenüber dem Leben und der Welt praktizierte. Einmal entlockt der Regisseur seinem Protagonisten dessen Credo: „Kunst ist kein Beruf. Sie ist eine Art der Annäherung. Sie ist ein Weg, sich Dingen zu nähern.“

Ralph Eue

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Tango

Animationsfilm
2016
13 Minuten
Untertitel: 
englische
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Antonio Junior, Francisco Gusso, Lígia Teixeira, Pedro Giongo
Francisco Gusso, Pedro Giongo
Francisco Gusso, Pedro Giongo
Francisco Gusso, Jéssica Luz, Pedro Giongo
Pedro Giongo
Francisco Gusso, Jéssica Luz, Pedro Giongo
Francisco Gusso, Pedro Giongo
Ale Rogoski, Pedro Giongo
Das von den Vorfahren überlieferte Ritual „Tango“ soll helfen, Hunger und Dürre zu beenden. Die Dorfbevölkerung trägt Opfergaben zusammen. Sie wird mit Wohlstand belohnt, vergisst jedoch bei allem Überfluss die Pflichten des Opferkults. Pedro Giongo und Francisco Gusso verweben Anleihen bei Franz Kafkas „Ein Hungerkünstler“ mit grafischen Reminiszenzen an die brasilianische Folklore und die schier berstende Bildwelt der flämischen Renaissance zu einem bemerkenswerten Gleichnis.

André Eckardt


Nominiert für mephisto 97.6 Publikumspreis

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The Third Shore

Dokumentarfilm
2016
57 Minuten
Untertitel: 
englische
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André Hallak
Fabian Remy
Rafael Martini
Lucas Barbi
Fabian Remy, Bruno Carboni
Fabian Remy
Osvaldo Ferreira
1953 nehmen die Gebrüder Villas-Bôas, Pioniere des Indigenismus in Brasilien, erstmals Kontakt mit den Kayapó auf und halten die freundschaftliche Begegnung auf körnigem Schwarz-Weiß-Film fest. Sie sehen die Konflikte zwischen Stamm und Nationalstaat voraus und verstehen sich als Vermittler. Zu ihrer Überraschung entdecken sie unter den Indianern einen jungen Weißen: João stammt von brasilianischen Siedlern ab und wurde als Kind im Zuge anhaltender Fehden von den Kayapó entführt und großgezogen. Als er nun den Weg zurückgeht, beginnt für ihn ein Leben zwischen zwei Welten, ohne feste Heimat.

Für Fabian Remy ist die Geschichte eine Vorlage, um eine bis heute gespaltene Gesellschaft zu beschreiben, auch wenn er João selbst nicht mehr lebend vorfindet. An dessen Stelle begibt sich Thini-á mit dem Regisseur auf die biografische Spurensuche und durchlebt einen gespiegelten Identitätskonflikt. Er verließ seinen Stamm und zog in die Megastadt Rio de Janeiro, nachdem er die Zersetzung der indigenen Kultur durch die moderne Zivilisation erlebte. Doch die Sehnsucht zieht ihn immer öfter zurück zu seinen Wurzeln. Der Film nimmt seine Pendelbewegung formal auf und begleitet Thini-á auf seinen Fahrten durch staubige Ebenen und das Amazonasgebiet – als eine anhaltende dokumentarische Reise. Passend auch zu João, der sein späteres Leben als Fährmann zwischen den Ufern verbrachte.

Lars Meyer

Die Annotationen zu den Filmen der Offiziellen Auswahl wurden von den Mitgliedern der Auswahlkommission sowie Gastautor*innen geschrieben. Alle Zitate aus den Katalogtexten zu DOK Leipzig müssen als solche gekennzeichnet werden. Der Name der Autorin bzw. des Autors muss dabei angegeben werden. Originaltitel und Namen sind teilweise transkribiert bzw. transliteriert. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir Bildrechte in den Festivalpublikationen sowie bei der Berichterstattung im Einzelnen nicht nachweisen können, und verweisen darauf, dass das Bildmaterial ausschließlich zum Zwecke der Werbung für den Einzelfilm bzw. die Festivalprogramme veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nicht vorgesehen und würde nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Rechteinhaber*innen stattfinden. Die Bildrechte liegen bei der/beim jeweiligen Rechteinhaber*in.

Internationales Programm
The Nation That Didn't Wait For God Lucia Murat, Rodrigo Hinrichsen

Die Kadiweu im brasilianischen Mato Grosso spielten einst in einem Film mit. Bestandsaufnahme nach der Ankunft von TV, Alkohol, der Kirche, den Weißen. Ein verlorenes Paradies.

The Nation That Didn't Wait For God

Dokumentarfilm
2015
89 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Lucia Murat, Paulo Trancoso
Lucia Murat, Rodrigo Hinrichsen
Livio Tragtenberg
Leonardo Bittencourt
Mair Tavares, Lucas Cesário
Lucia Murat
Branko Neskov
Schon die Eingangssequenz, die wie ein Zeittunnel Vergangenheit und Gegenwart verbindet, weist Lucia Murat als große Erzählerin des brasilianischen Kinos aus. 1999 drehte sie im Reservat der Kadiweu im Mato Grosso einen Spielfilm. 13 Jahre später kehrt sie zurück, um das Schicksal verschiedener Protagonisten, die damals kleinere Rollen übernommen hatten, aufzugreifen. Im Kontrast der Bilder von damals mit jenen der Gegenwart werden die Probleme der Kadiweu deutlich: Mit der Elektrifizierung kamen die Fernsehapparate, schließlich der Alkohol und die protestantische Kirche. Wie können Tradition, Sprache und Identität erhalten bleiben, wenn die Jungen in die Stadt gehen? Wenn die Pfarrer die alten Bräuche ablehnen? Wenn weiße Rinderfarmer sich illegal auf dem Gebiet der indigenen Bevölkerung niederlassen? Der Film folgt diesen Fragen in einer assoziativ angelegten Erzählung. Immer wieder gelingt es dieser, entlang kleiner Ereignisse und Details – der Tag der Toten, die Erklärung eines Namens – die Distanz abzumessen, die die Kadiweu von ihrer Vergangenheit trennt. Früher waren sie ein kriegerisches Volk, das auf Pferden in den Kampf zog. Heute waschen sie ihre japanischen Motorräder im Fluss und verhandeln Landrechte über Rechtsanwälte. Und bleiben trotzdem Kadiweu. Das jedenfalls ist das trotzige Statement der Schlusseinstellung dieses bemerkenswerten Films.

---Matthias Heeder

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