Vier Frauen unterschiedlicher Generationen sitzen mit einem Hund in vertrauter Pose zusammen auf einer Wiese. Eine Frau den Kopf auf die Schulter einer anderen
Blossoming (Regie: Kamila Serwicka) | DOK Leipzig 2026

DOK Leipzig hat die Filme der Wettbewerbe 2026 bekanntgegeben. Ausführliche Informationen zu den diesjährigen Festivalfilmen und XR-Arbeiten, einschließlich der Vorführtermine und -zeiten, werden am Donnerstag, dem 8. Oktober, auf der Website des Festivals zu finden sein. Der Kartenvorverkauf beginnt zur selben Zeit.

Insgesamt 76 Filme, darunter 30 Weltpremieren, konkurrieren in den vier Wettbewerben um die Goldenen und Silbernen Tauben. Das Programm umfasst insgesamt 29 Debütfilme.

„Zahlreiche Filme in den Wettbewerben der diesjährigen Festivalausgabe richten den Blick nach Mittel- und Osteuropa. Dass damit dem filmischen Schaffen in diesen Ländern mehr Raum gegeben wird, ist nicht nur ein zentrales Anliegen von DOK Leipzig, sondern auch mir persönlich sehr wichtig“, sagt Ola Staszel, Festivalleiterin von DOK Leipzig. „Außerdem freue ich mich sehr, dass wir so viele Arbeiten von Nachwuchsfilmschaffenden zeigen können und die meisten der Filme im Deutschen Wettbewerb mithilfe von den Medienförderanstalten der Länder und des Bundes sowie Senderbeteiligungen realisiert werden konnten.“

Von den neun Langfilmen im Internationalen Wettbewerb Dokumentarfilm feiern drei ihre Weltpremiere und zwei ihre internationale Premiere bei DOK Leipzig. Wieder dabei sind unter anderem die Regisseur*innen Lukas Marxt, Helena Třeštíková und Alain Kassanda.

Lukas Marxt setzt sich mit den Folgen des Klimawandels auseinander und dokumentiert in seinem Werk “>1,5°C Pyropolitics and the New World“ die verheerenden Großbrände, die Anfang 2025 in Los Angeles wüteten. Ebenfalls aus der Dringlichkeit des Augenblicks heraus entstanden, befasst sich Asmahan Bkerats „Concrete Land“ mit dem Alltag einer palästinensischen Beduinenfamilie in Jordanien, während um sie herum Luxusvillen entstehen, die ihr Zuhause bedrohen. Ana Bovinos „The Nights“ stellt das Geschichtenerzählen als politischen und intimen Akt in den Mittelpunkt und begleitet La Pichi am Stadtrand von Buenos Aires dabei, wie sie – nach Jahren der Ausgrenzung – ihre Identität und ihren Körper zurückgewinnt. Unterdessen präsentiert die renommierte Dokumentarfilmemacherin Helena Třeštíková, deren Gesamtwerk beim diesjährigen Festival mit der Hommage Dokumentarfilm gefeiert wird, in „Bára – Diary of a Rockstar“ ein intimes Porträt der tschechischen Rockikone Bára Basiková, das einen beeindruckenden Zeitraum von fünfzig Jahren umfasst. Ein Film in ganz anderer Machart stammt von Andrei Kutsila. Sein in Venedig preisgekrönter Film „Letters from the Silenced Country“ (Golden Globes Impact Prize for Documentary) zeichnet ein erschütterndes Bild der Verbrechen im heutigen Belarus und verwandelt den privaten Briefwechsel politischer Gefangener in ein filmisches Zeugnis. Hu Sanshou richtet seine Kamera in „Xiangzidian Village: The Stage“ auf den Bau einer Autobahn im Herzen Chinas und interpretiert diesen als moderne Bühne, auf der sich das Leben der Menschen abspielt. In Giuseppe Schillacis „Auber 89“ richtet der Schauspieler Fatsah Bouyahmed seinen Blick auf die vergessenen Archive der Sozialwohnungssiedlungen von Aubervilliers aus den 1980er Jahren, die eine flüchtige Hoffnung erweckten, bevor in den Pariser Vororten die Desillusionierung einsetzte. Ebenfalls in der Nähe von Paris dokumentiert Alain Kassandas „The Maternity Ward“ die letzten Jahre der Entbindungsstation Les Lilas, bevor diese nach 60 Jahren feministischen Engagements ihre Türen schließt. Begleitet von ihrer Kamera begibt sich Kamila Serwicka in „Blossoming“ auf eine Reise in eine andere verschlossene Welt: die intimsten Geheimnisse ihrer Familie und ihre bewegte Geschichte.

Im Wettbewerb werden außerdem 13 Kurzfilme gezeigt (siehe Filmliste), die eine Vielzahl von Themen behandeln – von romantischen und familiären Bindungen bis hin zu bürokratischen und politischen Abläufen.

Fünf Langfilme konkurrieren im Internationalen Wettbewerb Animationsfilm um die Goldene Taube. Im Mittelpunkt von Chris Sullivans „The Orbit of Minor Satellites“ steht eine faszinierende animierte Geschichte über einen Psychiater und seine Patientin, die auf eine verlassene, halluzinatorische Raumstation aus der Zeit des Kalten Krieges entführt. Xun Suns „Magic Atlas“ – ein verwirrender, berauschender Film, dessen Entstehung ein Jahrzehnt in Anspruch nahm – bedient sich der Malerei und der Holzschnittanimation, um die Geschichte des jungen Lehrlings Xiaozhi zu erzählen, der verschiedene Identitäten annimmt und fantastische Welten durchquert – darunter das abgeschiedene Kohleimperium Luocha, wo es keine Erinnerungen gibt. In dem gemeinsam von Erica Maradona, Tania Anaya, Otto Guerra und Sávio Leite inszenierten Film „Son of a Bitch“ hofft der junge Ismael, seinem Schicksal zu entkommen. Er lässt seine Mutter, die in Veredas in Brasilien ein Bordell betreibt, zurück, um nach seinem Vater und dem Meer zu suchen, das er noch nie gesehen hat. Der Film „We Are Aliens“ von Kohei Kadowaki nutzt die Animation, um über eingeschlagene Lebenswege nachzudenken und begleitet den zurückhaltenden japanischen Jungen Tsubasa, für den eine Freundschaft nach einem scheinbar kleinen Vorfall eine Wendung nimmt. Schließlich zaubert Pierre Héberts „Prelude and Fugues – The Wood Thrush“ ein filmisches Gedicht herbei, das wie eine Fuge aufgebaut ist und sich in einem unbehaglichen Raum zwischen dem Ideal der Freiheit und der Unausweichlichkeit der Gefangenschaft bewegt.

Zum Programm gehören auch 19 Kurzfilme (siehe Filmliste), die den Status quo hinterfragen und zum Nachdenken darüber anregen, wie wir miteinander und mit den Strukturen unserer Gesellschaft leben. Zu den Filmschaffenden, die dieses Jahr wieder dabei sind, gehören Anne Isensee, Maria Dakszewicz, Veneta Androva und Aline Helmcke.

Im Deutschen Wettbewerb Dokumentarfilm werden acht Langfilme präsentiert, von denen sieben beim Festival ihre Weltpremiere feiern.

In einer Reflexion über Heimat, Tod und familiäre Bindungen in seinem Debüt-Langfilm „Cold River: I Am in Leipzig“ blickt Haiguang Li auf seinen Heimatort Lengshuijiang in China zurück, der am Rande seines Alltags in Leipzig stets präsent zu sein scheint. In Janis Westphals „Haus der Trinker“, gedreht in Berlin, bietet der Schauplatz selbst eine mehrdeutige Interpretation. Die Unterkunft erlaubt es ehemals obdachlosen Männern mit chronischer Alkoholabhängigkeit, die als „therapieresistent“ gelten, weiter zu trinken und definiert so den Begriff der Hilfeleistung innerhalb eines Sozialfürsorgesystems neu. Auch Julia Groteclaes’ „Hotel Utopia“ nutzt einen Ort als Schauplatz für eine filmische Erkundung und versetzt uns in die Berge Bulgariens, wo ein verlassenes Hotel digitale Nomad*innen und Investor*innen anzieht. Jasmine Alakaris „Free Zone“ hinterfragt, was es eigentlich bedeutet, Zeuge zu sein, und begleitet einen im Exil lebenden iranischen Aktivisten, der in Athen Flüchtlinge in besetzten Häusern unterbringt, während eine rechtsgerichtete Regierung Massenräumungen durchführt. Vererbtes Leid und generationenübergreifende Suchtzyklen zeichnen in Konrad Schlaichs „Kindesmutter“ ein nuanciertes Porträt einer Mutter-Tochter-Beziehung in Halle (Saale). Tete Hoffmann setzt sich in ihrem zutiefst persönlichen Film „Mein genialer Vater“ mit Autonomie, Fürsorge und Kunst auseinander und platziert die Kamera zwischen sich und ihrem Vater, einem 83-jährigen Schriftsteller, bei dem Demenz diagnostiziert wurde. In „Übergang“ des Regieduos Peter Badel und Chris Wright läuft die Kamera auch nach dem Tod eines Menschen weiter. Der Film erweckt Thomas Heises unveröffentlichte Archive und Fragmente seines geplanten, wenn auch nie vollendeten „Heimatfilms“ zum Leben. Jonathan Omer Mizrahis „The Snake Charmer“ erzählt von der erschütternden Begegnung einer Gruppe thailändischer Gastarbeiter in der Landwirtschaft an der Grenze zwischen Israel und Gaza mit einer Roboterschlangenkamera, die für die Überwachung der Tunnel in Gaza durch das israelische Militär entwickelt wurde.

Im Deutschen Wettbewerb Dokumentarfilm werden zudem 12 Kurzfilme gezeigt (siehe Filmliste), die sich mit Themen wie Erinnerung, LGBTQIA+ und psychischer Gesundheit auseinandersetzen.

Im Publikumswettbewerb werden zehn Langfilme gezeigt, die alle bereits bei renommierten internationalen Festivals ihre Weltpremiere feierten, darunter Venedig (Victor Kossakovskys „Holy Wood Dust“, Erik Shirais „Sumo: Spirit Weighs Nothing“), CPH:DOX (Emil Langballes „Petrodheads“), Sundance (Michał Marczaks „Closure“) und Visions du Réel (Jacqueline Zünds „Heat“ und Lauren Dällenbachs „Nicole Nicole“, Gewinner des Preises der Jury im nationalen Wettbewerb).

„Kurtág Fragments“ von Dénes Nagy (Silberner Bär für Beste Regie für „Natural Light“ bei der Berlinale 2021) zeichnet ein weitreichendes, aber auch zutiefst intimes Porträt des musikalischen Genies György Kurtág, der kürzlich sein 100. Lebensjahr vollendete. Persönliches und Politisches prallen in Ahmet Sevens „For Life“ aufeinander, in dessen Mittelpunkt eine palästinensische Frau steht, die beschließt, das Sperma ihres inhaftierten Ehemanns herauszuschmuggeln – in der Hoffnung, wieder Mutter zu werden. Eine eindringliche Familienchronik entsteht auch in „White Lies“, in dem die Künstlerin Alba Zari sich mit der Vergangenheit ihrer Familie und deren Verstrickung in die für systematischen Kindesmissbrauch berüchtigte Sekte „Children of God“ auseinandersetzt. In entgegengesetzter Tonalität untersucht Nhat Quang Nongs „Baby Jackfruit Baby Guava“ (DOK Co-Pro Market 2020) den Zusammenhalt eines ungewöhnlichen Familientrios, das Nachwuchs bekommt. Teil davon: Quang selbst, ein lebensfroher schwuler Mann mit ausgefallenem Modegeschmack, seine konservative Mutter Cuc und seine Schwester Mai, die sich schwertut, Realität und Visionen voneinander zu trennen.

Dieses Jahr entscheiden die Festivalbesucher*innen in einer Online-Abstimmung, welcher Film eine Goldene Taube für den besten Dokumentarfilm im Publikumswettbewerb erhalten soll.

Das komplette Programm, inklusive Filmvorführungen und Tickets: Programm

Alle Wettbewerbsfilme im Überblick: Filmlisten Wettbewerbe 2026

Bildmaterial zum Download: Filmstills

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