Filme als Ausgangspunkte, um konstruktiv miteinander ins Gespräch zu kommen – diese Vision bekräftigt DOK Leipzig mit der neuen Sektion „Positions“ und erweitert damit sein bestehendes Repertoire an Talkformaten.
„Positions“ lädt das Publikum zu verlängerten Gesprächen im Anschluss an die Filmscreenings ein. Die Filme selbst sollen in ihrer Vielschichtigkeit und Ambivalenz dazu anregen, sich mit komplexen gesellschaftlichen und geopolitischen Themen auseinanderzusetzen, einander zuzuhören, Widersprüche auszuhalten und eigene Überzeugungen zu hinterfragen. Können wir allein mit Kunst protestieren? Wie entsteht Macht innerhalb von Institutionen und wie können wir verhindern, dass wir selbst und andere sie missbrauchen? Mit diesen und weiteren Fragen setzen sich Filmemacher*innen, Festivalgäste und Publikum im Rahmen von „Positions“ auseinander. Zu den Highlights gehören zwei von der Woche der Kritik entwickelte Debattenformate, welche die herkömmliche Dynamik von Filmgesprächen aufbrechen. Am Festivalmittwoch findet nach dem Screening von „this, too, will be liquid“ und „Atlas of Disappearance“ das Diskussionsformat „Steilvorlage“ statt, in dem über den Film und dessen Kuration diskutiert wird. Am Donnerstag wird „Detention“ vom Format „Reaktionszeit“ begleitet. Dabei hört der Regisseur den eingeladenen Gästen zunächst nur zu und hat erst später die Gelegenheit, auf das Gesagte zu reagieren.
Darüber hinaus sind auch in diesem Jahr wieder zwei kostenfreie DOK Talks geplant. Programmatisch für die neu eingeführte Sektion „Fokus Ost“ steht der Talk „Ostdeutsche Perspektiven im Dokumentarfilm“. Was macht den Osten aus, welche Themen sind hier virulent und wie finden ostdeutsche Lebensrealitäten ihren Weg auf die Leinwand und in die Medien? Der Talk in Kooperation mit der Wochenzeitung „der Freitag“ fragt nach Sichtbarkeit, dominanten Erzählungen und den Bildern, die vom Osten entstehen – und nach seiner Repräsentation in der gesamtdeutschen Filmlandschaft. Darüber diskutieren mit Moderatorin Barbara Schweizerhof Filmschaffende der Fokus Ost-Reihe: Ina Borrmann („Guten Abend, du Schöne“), Sonja Hilberger („Die Klasse von 1990“), Dieter Schumann („Garten der Hoffnung“) und Kuratorin Grit Lemke.
Der DOK Talk „Kino und Kampf. Der Talk zur Retrospektive“ bringt die Projektpartner der diesjährigen Retrospektive zusammen. Diese nimmt die Vielzahl analoger Kopien der Filme des revolutionären lateinamerikanischen Kinos der 1960/70er-Jahre, die sich in den Archiven von Arsenal und Bundesarchiv befinden, als ihren Ausgangspunkt. Deren Wege erzählen auch von Kooperationen zwischen ost- und westdeutschen Filmfestivals, -verleihern und -archiven - über die innerdeutsche Grenze hinweg. Stefanie Schulte Strathaus (Arsenal Filminstitut e.V.), Petra Rauschenbach (Bundesarchiv), Stefanie Eckert (DEFA-Stiftung) und Kurator Florian Wüst sprechen über diese Geschichte und die Bedeutung institutioneller Zusammenarbeit heute. Der Talk wird moderiert von Vivien Buchhorn.
Auch in diesem Jahr werden die DOK Leipzig Hommagen wieder von zwei kostenfreien, öffentlich zugänglichen Meisterklassen begleitet. In der von Grit Lemke moderierten Meisterklasse der Hommage Dokumentarfilm gewährt die tschechische Filmemacherin Helena Třeštíková persönliche Einblicke in ihre Arbeitsweise und dokumentarische Haltung. In der Meisterklasse der Hommage Animationsfilm an das norwegische Animationsstudio Trollfilm zeichnet Gründerin Anita Killi im Gespräch mit Kuratorin Marie Ketzscher die Entwicklung des Studios von damals bis heute nach und gewährt einen Blick hinter die Kulissen aus Glasplatten, Kameras und Papierobjekten und den Entstehungsprozess des ersten Langfilms des Studios.
Auch im Branchenprogramm DOK Industry gibt es in diesem Jahr wieder eine Vielzahl spannender Talkformate für akkreditierte Festivalgäste. Zu den Highlights gehören der DOK Industry Talk „Doc Together: When Freedom of Expression is at Risk“, welcher der Frage nachgeht, wie Dokumentarfilmschaffende, Journalist*innen und Institutionen auf den zunehmenden Druck auf die Presse- und Medienfreiheit in ganz Europa reagieren können. Angesichts des weltweit zunehmenden politischen Drucks auf queeres Filmschaffen wird beim DOK Industry Talk „Making Space for Queer Cinema - The Curatorsʼ Role“ thematisiert, welchen Beitrag Filmfestivals leisten können, intersektionale Erzählweisen zu fördern und wie unterschiedlich queeres Kuratieren aussehen kann. Weitere DOK Industry Talks und Podiumsdiskussionen befassen sich mit Kinos als Orte von Begegnung, sozialem Diskurs und Gemeinschaft, der Sichtbarkeit europäischer Animationsfilme, ethischen Fragen bei der Arbeit mit Archivmaterial in Bezug auf KI und der Entwicklung des dokumentarischen Programms der ARD im Streaming-Zeitalter.
Am 13. Oktober erscheint außerdem die zweite Folge der aktuellen Staffel des DOK Industry Podcasts mit dem Titel „I Is Another: Relational Documentary Practices with Ollie Launspach“. Darin spricht Host Savina Petkova, Redakteurin bei „Talking Shorts“, mit dem niederländischen Regisseur Ollie Launspach darüber, was es bedeutet, zum Protagonisten im eigenen Film zu werden – und ob das Filmemachen jemals zu persönlich werden kann. Ausgehend von seinem Film „kiss kiss bang bang“, der bei der diesjährigen Festivalausgabe gezeigt wird, spricht der Filmemacher über die Verletzlichkeit, die mit der Dokumentation der eigenen Beziehung einhergeht und welche Überraschungen das Erzählen persönlicher Geschichten mit sich bringen kann.
Das komplette Programm, inklusive Filmvorführungen und Tickets: Programm
Bildmaterial zum Download: Filmstills und Porträts