Young DOK ist unsere Sektion für ein junges Publikum. In unseren Kids DOK Programmen finden sich Filme für alle ab 3, ab 5 und ab 8, die Lust auf spannende, witzige, nachdenkliche Seh-Erlebnisse haben.
Young DOK ist unsere Sektion für ein junges Publikum. In unseren Kids DOK Programmen finden sich Filme für alle ab 3, ab 5 und ab 8, die Lust auf spannende, witzige, nachdenkliche Seh-Erlebnisse haben.
Boi versucht leise zu sein, aber die Gläser zittern ihm in der Hand. Bloß den Papa nicht stören! Denn wenn der Papa gestört wird, dann erwacht der Wutmann in ihm und er prügelt die geliebte Mama. In „Angry Man“ gibt es kein Versteck vor der Gewalt, die als nervöse Antizipation oder lähmende Panik in jede Faser des Alltags kriecht. Doch trotz seiner Angst tut Boi das einzig Richtige: Er geht Hilfe holen. Killis Film ist aber nicht nur die Geschichte eines mutigen Jungen, der die Spirale der häuslichen Gewalt unterbricht: Ihr Werk strahlt Empathie in alle Richtungen aus, schließt sogar den Vater mit ein. Denn der hat ein Monster in sich – ein gezeichnetes, das wächst und kreucht, bevor es sich seinen Weg nach außen bahnt und dort als Cut-out-Wutmann eruptiert. Auch er braucht Hilfe. „Angry Man“, eine Adaption eines Bilderbuchs von Gro Dahle und Svein Nyhus, vermittelt humanistisch-glaubhaft, dass sich Menschen befreien und verändern können. Ganz ohne romantisierendes Happy End.
Marie Ketzscher
Thematisiert körperliche Gewalt, psychische Erkrankungen
Was bleibt übrig, wenn alles vergeht? Ein alter Fotograf versucht anhand von Fotografien, Menschen und Ereignisse zu rekonstruieren, aber sie entgleiten ihm immer wieder, verschwinden im Dunklen, werden von den Wellen überspült. Anton Dyakov zeigt mit seinem 2D-animierten und in Schwarz-Weiß umgesetzten Film eben nicht nur, wie die Erinnerung verloren geht, sondern auch, wie sie uns manchmal heimsucht und überkommt – etwa in Form eines beklemmendes Archiv-Fragment diffuser Kriegsaufnahmen. „Black Box“ verhandelt Verlust und Trauer aus persönlicher und doch universeller Sicht, und nimmt dabei Bezug auf die Erinnerungskultur im digitalen Zeitalter, die immer stärker ohne die haptische Vergewisserung eines Fotoabzugs auskommt – oder auskommen möchte.
Marie Ketzscher
Camille, ein sehr kleines Mädchen, und das höhenängstliche Chamäleon sind unzertrennlich und spielen gern Verstecken im Wald. Camille liebt es, mit ihrem Pfeifen buchstäblich den Ton anzugeben. Doch eines Tages wird sie zu übermütig und bringt Chamäleon auf eine Idee, die alles durcheinanderbringt. Jetzt haben sie sich im grünen Dickicht verloren. Können sie ihren Stolz überwinden und einander wiederfinden?
Lina Dinkla
Die Pestizide rotten die Insekten aus, das Öl fließt ins Meer, die Wälder brennen: 1994 lässt die Regisseurin Laila Rakvåg einen Vogel über und durch die ökologischen, mensch-gemachten Krisenherde fliegen, die uns heute noch in schlimmeren Ausmaßen beschäftigen. Manchmal kann der Vogel in der schönen Natur landen, doch das Innehalten ist nie von Dauer, das Paradies immer schon kurz vor der nächsten Höllentransformation. Je weiter der Vogel fliegt, desto menschlicher wird sein Antlitz: Er wird zum Baby, das dann tatsächlich auch geboren wird – und die Erinnerungen des Vogels in den gerade geöffneten Augen trägt. Wir sind untrennbar mit der Natur verbunden, was wir ihr zufügen, fügen wir auch uns zu: Rakvågs Film ist ein aktivistisches Plädoyer für mehr Empathie mit unserem Planeten und ein Umdenken aus der Perspektive einer werdenden Mutter.
Marie Ketzscher
Die Geschichten, Mythen und auch die Lebensrealität der Samen ist immer eng mit den Rentieren verknüpft: Das Umherziehen mit ihnen, der Umgang mit ihnen als Nutztiere. Woher diese enge Beziehung kommt? Anita Killi greift einen Entstehungsmythos auf oder denkt ihn sich aus: der durchs Land ziehende, das Nichtstun genießende Alits bekommt mit dem Joiken (Jodeln), die enge Verbindung zu den Rentieren von Sonnentochter geschenkt, als sie ihn wieder verlassen muss. Der Gesang zieht die Tiere magisch an. Die Sehnsucht, die in den Tönen liegt, greift Killi mit poetischen Bildern und in samischer Sprache auf: In den Umarmungen zwischen Alits und Sonnentochter, aber auch in den Momenten, in denen sie durch die Wiesen streifen. Alles ist in dieser sinnlich-haptischen Auffassung der Natur miteinander verbunden.
Marie Ketzscher
Einfach frei und selbstbewusst auf einer Bühne zu tanzen ... Davon träumt die zwölfjährige Jools. Mit dem Choreografen Yorrith lernt sie, ihre körperlichen Einschränkungen anzunehmen und eigene Grenzen zu überwinden. Ganz langsam, im Einzelunterricht, bestärkt Yorrith Jools, auf ihre eigene Art zu tanzen und gibt ihr die Kraft, sich nicht vom Urteil anderer beeinflussen zu lassen. Eine mitreißende Geschichte darüber, dass es beim Tanzen kein Richtig oder Falsch gibt und ein eindrucksvolles Porträt eines Mädchens, das nicht mehr nur betrachtet, sondern wirklich gesehen werden möchte.
Lina Dinkla
Romantisch, mystisch, folkloristisch: Das malerische Oeuvre von Theodor Kittelsen (1857–1914) widmet sich nicht nur der Natur, sondern auch Sagen und Trollen – und prägt Künstler*innen bis heute. So auch Natasha Nikitina, die mit ihrem Film die 12-teilige, von Kittelsen angefertigte Bildreihe „Soria Moria Palace“ und sein gleichnamiges Buch aufgreift: Der junge Held Askeladden sieht in der Ferne den goldenen Palast Soria Moria und macht sich auf den Weg dorthin; eine Allegorie auf die goldene Zukunft, die man sich mit viel Mühe und Einsatz verdienen kann. Nikitina greift in ihrem Film aber eher das atmosphärische Moment auf, lässt einen Troll im Felsen zum Leben erwachen und dann wieder einschlafen, Gänse und andere Vögel in die Luft fliegen, Nebel und Dämmerung zu Nacht und dann wieder zu einem glühenden Morgen werden. Eine Hommage an den Künstler, aber auch an die sagenumwobene, norwegische Landschaft im Allgemeinen.
Marie Ketzscher
Fuchs und Wildschwein leben im Wald auf einem Hügel und entdecken gemeinsam die Welt. Der Herbst kündigt sich an. Begeistert beobachten sie, wie ein Blatt nach dem anderen von den Ästen segelt. Dann lockt Wildschwein Fuchs auf eine Wanderung zum großen „Blätterbaum“, an dem noch unzählige Blätter auf ihren Flug warten. Eine abenteuerliche Reise beginnt, bei der Fuchs eine Prüfung nach der anderen bestehen muss. Eine Adaption der beliebten polnischen Comic-Reihe von Berenika Kołomycka.
Lina Dinkla
Ein munteres Schneegestöber lockt Anna nach draußen. Als sie durch den Schnee streift, trifft sie auf einen unerwarteten Spielkameraden.Ein Schneehase – oder ist es doch nur ihre Fantasie? Nach dem Spielen geht es gemütlich aufs Sofa mit einer heißen Tasse Kakao. In klaren Farben gezeichneter poetischer Film über die Winterfreuden.
Lina Dinkla
Der Baseball als Omen. Während die Menschen gebannt dem Flug der ledernen Kugel hinterherschauen – ja, sich vielleicht in der unterhaltsamen Freizeitbeschäftigung vor dem Fernseher oder im Stadion geradezu verlieren – schaut ein beunruhigter Vogel dem Ganzen zu. Denn fliegend verwandelt sich das Geschoss zunehmend in die Erdkugel, die der Vogel nun mit den eigenen Federn in einem behelfsmäßig zusammengebauten Nest schützen will. Ursprünglich als Einreichung für einen MTV-Wettbewerb geplant, findet Killi mit diesem Debütfilm schon zu wichtigen Lebensthemen: die Nutzung von Multiplan-Cut-out-Animation und die große Empathie, mit der sie ihre Verbundenheit mit Natur und Umgebung artikuliert. „The Glass Ball“, der visuell von osteuropäischen Granden wie Jurij Norstein inspiriert wurde, ist für sie auch heute eine Erinnerung an die Fragilität unserer Erde.
Marie Ketzscher
Immer wieder Brücken bauen. Damit sind Florian und Malene beschäftigt, und es geht ja auch nicht anders: Schließlich leben die beiden Kinder auf den gegenüberliegenden Seiten des Bächleins, wollen aber eigentlich immerzu miteinander spielen. Doch dann kommt der Krieg – und Florian darf nicht mehr zu ihr, denn Malene lebt jetzt im Feindesland: Das Bächlein ist zum Stacheldraht geworden. Mit ihrem kindgerechten Cut-out-Erwachsenenfilm (und vice versa!) erzählt Anita Killi von den unterschiedlichen Lebenswahrnehmungen von Jung und Alt, visuell inspiriert vom norwegischen Maler Theodor Kittelsen. Die Mikrokosmen der Kleinen sind liebevoll-detailliert eingefangen, vom Spiel im Schnee bis zum Nasenaneinanderreiben. Killi richtet den Blick dabei auch auf die Arbitrarität der meisten Konflikte. „War never dies, it just sleeps from time to time“, sagt Florians Vater, und: Es sind die Erwachsenen, die ihn wecken. Aber vielleicht fällt ja den nachfolgenden Generationen doch etwas anderes ein?
Marie Ketzscher
Die Schwester von Paul ist traurig: Seitdem sein kleiner Hund gestorben ist, hat ihr großer Bruder aufgehört, die fantastischen Comic-Abenteuer zu zeichnen, in denen er und der Hund die Helden waren. Beharrlich besteht die kleine Schwester darauf, dass er endlich die eine unvollendete Zeichnung fertigstellt. Und siehe da, der geliebte Hund erwacht in den Bildern wieder zum Leben. Gemeinsam brechen die beiden zu einer letzten turbulenten Reise auf. Vielleicht fällt Paul so auch der Abschied leichter. Wunderschön in Blau und Weiß gezeichneter Film, der selbst wie ein Comic gestaltet ist.
Lina Dinkla
Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
26. Oktober bis 1. November 2026
Leipziger Dok-Filmwochen GmbH
Katharinenstraße 17
04109 Leipzig
Deutschland
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