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Chile lebt
Der europaweite Protest gegen die chilenische Militärdiktatur äußerte sich neben der politischen Arbeit in einer Vielzahl künstlerischer Aktionen. Zu einem visuellen Markenzeichen wurde die farbenfrohe Ästhetik der Straßenkunst der Unidad Popular, bekannt geworden durch die Ramona-Parra-Brigaden. Nach deren Vorbild realisierte z.B. die Brigada Pablo Neruda, zu der bekannte chilenische Künstler*innen im Pariser Exil wie José Balmes, Gracia Barrios und Guillermo Núñez gehörten, 1977 am Rand der documenta 6 in Kassel ein 60 Meter langes Wandbild. Dessen Entstehen dokumentiert Franz Lehmkuhls Film „Chilenische Wandmalerei“ (1977–80), den Leipzig 1980 zeigte. In seinem mit Michael Börner koproduzierten Agitationsfilm „Chile lebt“ verwendet der chilenische Journalist und Filmemacher Juan Forch Bilder der Brigada Pablo Neruda, um dem Ausdruck zu verleihen, was die Hoffnung in seiner Heimat am Leben hält: die internationale Solidarität. 1979 kehrte Forch aus dem DDR-Exil zurück nach Chile.
Florian Wüst
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defa-filmverleih@deutsche-kinemathek.de
Far Far Away
Romantisch, mystisch, folkloristisch: Das malerische Oeuvre von Theodor Kittelsen (1857–1914) widmet sich nicht nur der Natur, sondern auch Sagen und Trollen – und prägt Künstler*innen bis heute. So auch Natasha Nikitina, die mit ihrem Film die 12-teilige, von Kittelsen angefertigte Bildreihe „Soria Moria Palace“ und sein gleichnamiges Buch aufgreift: Der junge Held Askeladden sieht in der Ferne den goldenen Palast Soria Moria und macht sich auf den Weg dorthin; eine Allegorie auf die goldene Zukunft, die man sich mit viel Mühe und Einsatz verdienen kann. Nikitina greift in ihrem Film aber eher das atmosphärische Moment auf, lässt einen Troll im Felsen zum Leben erwachen und dann wieder einschlafen, Gänse und andere Vögel in die Luft fliegen, Nebel und Dämmerung zu Nacht und dann wieder zu einem glühenden Morgen werden. Eine Hommage an den Künstler, aber auch an die sagenumwobene, norwegische Landschaft im Allgemeinen.
Marie Ketzscher
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claus@trollfilm.no
Glaube Sitte Heimat
André Eckardt
Enthält Darstellungen von Drogenkonsum, Nacktheit, körperliche Gewalt
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fidelsievering@gmail.com
The Hedge of Thorns
Immer wieder Brücken bauen. Damit sind Florian und Malene beschäftigt, und es geht ja auch nicht anders: Schließlich leben die beiden Kinder auf den gegenüberliegenden Seiten des Bächleins, wollen aber eigentlich immerzu miteinander spielen. Doch dann kommt der Krieg – und Florian darf nicht mehr zu ihr, denn Malene lebt jetzt im Feindesland: Das Bächlein ist zum Stacheldraht geworden. Mit ihrem kindgerechten Cut-out-Erwachsenenfilm (und vice versa!) erzählt Anita Killi von den unterschiedlichen Lebenswahrnehmungen von Jung und Alt, visuell inspiriert vom norwegischen Maler Theodor Kittelsen. Die Mikrokosmen der Kleinen sind liebevoll-detailliert eingefangen, vom Spiel im Schnee bis zum Nasenaneinanderreiben. Killi richtet den Blick dabei auch auf die Arbitrarität der meisten Konflikte. „War never dies, it just sleeps from time to time“, sagt Florians Vater, und: Es sind die Erwachsenen, die ihn wecken. Aber vielleicht fällt ja den nachfolgenden Generationen doch etwas anderes ein?
Marie Ketzscher
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claus@trollfilm.no
Der Hund auf dem Papier
Die Schwester von Paul ist traurig: Seitdem sein kleiner Hund gestorben ist, hat ihr großer Bruder aufgehört, die fantastischen Comic-Abenteuer zu zeichnen, in denen er und der Hund die Helden waren. Beharrlich besteht die kleine Schwester darauf, dass er endlich die eine unvollendete Zeichnung fertigstellt. Und siehe da, der geliebte Hund erwacht in den Bildern wieder zum Leben. Gemeinsam brechen die beiden zu einer letzten turbulenten Reise auf. Vielleicht fällt Paul so auch der Abschied leichter. Wunderschön in Blau und Weiß gezeichneter Film, der selbst wie ein Comic gestaltet ist.
Lina Dinkla
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festivals@bearwithmefilm.com
Illapu – Lied von Freiheit und Liebe
Die chilenische Folkloregruppe Illapu wurde erst unter der Militärdiktatur richtig bekannt. Die fünf Musiker konnten arbeiten, „aber keine Farbe zeigen“. Als sie sich immer mehr dem kulturellen Widerstand gegen das Pinochet-Regime anschlossen, wurden sie 1981 des Landes verwiesen. Aus dem französischen Exil heraus tourten sie durch Europa, darunter Ost-Berlin. Hier setzt Carlos Puccios Film ein: Der chilenische Regiestudent beobachtet Illapu im Rahmen seines Diplomfilmprojekts an der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR bei Proben und Konzerten. Sie sprechen über die fortbestehende Verbundenheit mit Chile und über die Frage, was wäre, wenn einzelne Bandmitglieder eine Einreisegenehmigung erhielten und dadurch Illapu auseinanderbrechen würde. 1986 zogen sie gemeinsam nach Mexiko und kehrten zwei Jahre später aufgrund des sich verändernden politischen Klimas nach Chile zurück.
Florian Wüst
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cristina.marx@filmuniversitaet.de
I’m Painting a Self-Portrait, but All I See Is My Sister’s Face
Carolin Weidner
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hela.stanczyk@gmail.com
in memory of
Carolin Weidner
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ciucioflorinda@gmail.com
Die Klasse von 1990
Eine Theaterbühne, Hamlet: der „Ruf nach Freiheit“. Die ihn deklamieren, haben ihr Handwerk gelernt. Genau hier, in Rostock, hatten sie einen Monat vor der deutschen Einheit ihr Studium begonnen. 35 Jahre später erinnern sie sich. 1990: Sie kommen aus unterschiedlichen Verhältnissen, aus Ost und West. Sind sich fremd, wohnen in der Platte. Und finden sich schnell in einem Strudel wieder, der den gesamten Osten erfasst: So wie die Betriebe ringsum soll auch die Theaterhochschule „abgewickelt“ werden. Zeitgleich brennt in Rostock-Lichtenhagen das „Sonnenblumenhaus“. Sie müssen lernen, sich zu organisieren. Wie in einem Puzzle fügen sich individuelle Erzählungen, ergänzt durch Archivbilder und historische Probenvideos, zu einem Zeitbild. In Gestalt der heute Studierenden, die Szenen von damals nachspielen, spiegelt sich die Vergangenheit in der Gegenwart. Die Geschichte der ostdeutschen Studierendenbewegung der frühen 1990er Jahre ist heute aus dem kollektiven Gedächtnis fast vollständig gelöscht. Wie in Rostock erinnert auch an der Universität Leipzig nichts daran, dass die Existenz einer Vielzahl wissenschaftlicher bzw. künstlerischer Institute und Einrichtungen allein ihrem Einsatz zu verdanken ist. „Die Klasse von 1990“ ist die dringend notwendige Korrektur einer westlich dominierten Geschichtsschreibung sowie eine Lehrstunde in Selbstermächtigung und Demokratie.
Grit Lemke
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office@poison-berlin.com
Kurtág Fragments
György Kurtág ist ein berühmter ungarischer Komponist, einer der Großen der Nachkriegs-Avantgarde. 1926 geboren, ist er jetzt 100 Jahre alt, doch sein Verstand ist wunderbar aktiv geblieben. In seiner Dachwohnung im Budapester Musikzentrum arbeitet er weiterhin unermüdlich mit einigen der besten Musiker*innen der Welt, die ihre Werke für den bescheiden machenden Prozess der Zusammenarbeit öffnen. In einer geografischen Rundreise nimmt uns der Film mit von seiner Geburtsstadt Lugoj an die verschiedenen Orte, die ihn geformt haben, von Transsylvanien über Budapest bis nach Paris. Er zeichnet seine frühen Anfänge in der Musikwelt nach, die mit Tanz und vierhändigen Pianokonzerten mit seiner Mutter begannen – was er später mit seiner Frau, der Pianistin Márta, fortsetzte. Anschließend folgt er seinem Leben und den vielen künstlerischen Kollaborationen, unter anderem mit dem isländischen Pianisten Víkingur Ólafsson und dem britischen Cellisten Steven Isserlis. Auch sein Magnum Opus, „Fin de Partie“, ist in den Film eingewoben. „Die Karte ist nicht die Landschaft; die Noten sind nicht die Musik…“ Für die Pianisten Halla Oddný Magnúsdottir und Ólafsson hat Kurtág „eine Art des Komponierens gefunden, die man nicht spielen kann, ohne über die Noten hinauszugehen“. Dieses Gefühl wird von Kurtág geteilt, der anmerkt, dass es nicht um seine Ideen geht, sondern darum, ob das von Musizierenden gespielte Stück sie wirklich „erfasst“. Das Porträt eines Mannes, der Musik lebt und atmet und ganze Welten komponiert, die vor Emotion übersprudeln.
Sevara Pan
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kati.vajda@nfi.hu
Magic Atlas
Marie Ketzscher
Enthält Darstellungen von körperliche Gewalt, Drogenkonsum, Gewalt an Kindern
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g362005@163.com
Maros Foto
Anfang der 2000er-Jahre macht Maria Nikolaidou auf der Münchner „Panzerwiese“ ein Foto: Ihr Sohn Alexandros und ein anderer kleiner Junge spielen Krieg. Eine Frau mit Engelsflügeln legt schützend die Arme um die beiden. 23 Jahre später kehren Mutter und Sohn an den Entstehungsort der Schwarz-Weiß-Aufnahme zurück. Mit derselben Kamera dreht Alexandros nun einen Fotofilm über das Bild von damals und trifft sich auch mit seinem einstigen Spielkameraden. Aus dem Off bringen ihre Erinnerungen und Assoziationen unterschiedliche Perspektiven und Stimmungen zum Vorschein. Die Geschichte und die Geschichten hinter einer Fotografie werden rekonstruiert: Was wurde damals übersehen? Warum sollte Alexandros keine Waffe von den Großeltern bekommen? Wer ist die Person auf dem Hügel im Hintergrund? Am Ende entsteht ein neues Bild.
Anke Leweke
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a.murboeck@posteo.de