Coal Heap Kids

Coal Heap Kids

Dokumentarfilm
2016
52 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Anne Gintzburger
Frédéric Brunnquell
Frédéric Brunnquell
Laure Matthey
Frédéric Brunnquell, Anne Gintzburger
Marc Soupa
Im klassischen Hollywood gab es dieses Produzenten-Bonmot, dass ein großer Film mit einer Explosion beginnen müsse, damit sich die Sache dann kontinuierlich steigern könne. Dieser Film, angesiedelt im ehemaligen Kohlerevier Nordfrankreichs, beginnt gleich mit sechs Explosionen. Es sind zwar nur China-Böller, die die beiden Brüder Théo (10) und Loïc (15) da hochgehen lassen, aber nichtsdestotrotz ist damit schon nach zehn Sekunden klar, dass es hier um Großes geht. Das Große ist die Armut, die Théos und Loïcs Wohnort Lens heimgesucht und sich in alle Ritzen des Persönlichen und Sozialen hineingefressen hat wie eine aggressives Säure. Früher wäre es statthaft gewesen, diesen Jungs eine glorreiche Zukunft als Working Class Heros vorauszusagen. Aber wer wollte heute dieses ethisch aufgeladene und von der Zeit überholte Vorbild noch einem jungen Menschen anempfehlen wollen?!? Oder können!?!

„Coal Heap Kids“ ist entstanden als Beitrag für die Dokumentarfilmreihe „Infrarouge“ des französischen Fernsehens. Die Energie, die ihn speist, ist jedoch von purer kinematografischer Natur. Was das heißt? Ein Film wie dieser rechtfertigt das Überleben des dokumentarischen Kinos. Wenn so ein Satz erst einmal dasteht, geht vieles schon leichter. Denn für den Fall, dass ein großes Herzklopfen sich nicht geradewegs in sachliche Worte übersetzen will (oder kann), braucht es manchmal einfach eine Umarmung!

Ralph Eue