Filmarchiv

Internationales Programm 2018
The Book of the Sea Aleksei Vakhrushev

Zwei traditionelle Jäger der Tschuktschen inmitten der weißen Weiten des Eises im äußersten Nordostens Russlands: Robben, Wale und Mensch, Gegenwart und uralte Mythen.

The Book of the Sea

Dokumentarfilm
Russland
2018
85 Minuten
Untertitel: 
englische

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Aleksei Vakhrushev
Aleksei Vakhrushev
Alexander Tavrizyan
Vyacheslav Makaryev, Ruslan Fedotov
Julia Trofimenko
Eduard Belyayev
Aleksei Vakhrushev
Maria Ushenina, Sergei Ovcharenko
Zwei Jäger im tiefsten Nordosten Russlands in der Beringstraße. Sie jagen, um ihre Familien und die Bewohner ihres Dorfes zu versorgen. Inmitten der weißen Weiten des Eises pirschen sie sich an Robben heran und umkreisen mit Booten die Wale im Meer, bis der richtige Moment für die Harpune kommt. Die Jagd ist für die Bewohner dieser eisigen Gegend Teil einer besonderen Koexistenz mit der Natur. Nicht als Floskel, die ein friedliches Trotzeinander beschreibt, sondern als – wenigstens aus Menschensicht – unauflösbarer Zusammenhang.

Gegenwart und Vergangenheit dieser Lebensweise verschränken sich in den uralten Geschichten, die sie dabei begleiten. Der Filmemacher Aleksei Vakhrushev, Sohn und kinematografischer Künder der Kultur der Tschukotka, stellt in „The Book of the Sea“ ethnografische und Landschaftsaufnahmen der Eislandschaften neben animierte Sequenzen, gehalten in warmen Erdtönen, die die Mythen der indigenen Völker des russischen Fernen Ostens als archaisches, aber stets präsentes Echo mithallen lassen. Diese Elemente verbinden sich zu einem eindrücklichen Zeugnis des Lebens in der Arktis.

Fabian Tietke

The Last Limousine

Dokumentarfilm
Deutschland,
Russland
2013
79 Minuten
Untertitel: 
englische

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Marina Razbezhkina, Heino Deckert
Daria Khlestkina
Anton Silaev
Anna Dashina, Evgeniy Kurbatov
Daria Khlestkina, Mieneke Kramer
Daria Khlestkina
Sergey Ovcharenko, Maria Ushenina
Sie waren nicht nur der Stolz der Nation, sondern auch Sinnbild für offen zur Schau gestellte Macht, die zunehmend zur leeren Pose geriet. Die ebenso feudalen wie formvollendeten Limousinen, die die Paraden des sowjetischen Militärs auf dem Roten Platz anführten, forderten im Osten wie im Westen Ehrfurcht und Respekt ein. Bis zum Kollaps 1990 wurden sie im Moskauer Autowerk ZIL handgefertigt. Dann kam die Produktionsstrecke zum Erliegen. An einem Mangel an Diktatoren und Repräsentationsgelüsten kann es nicht gelegen haben. Vielleicht sind die offenen Limousinen zu riskant geworden? Kurzum: Plötzlich bricht ein Auftrag über die schon fast abgewickelte Fabrik herein. Drei Wagen werden von Staats wegen bestellt. Der Geist des alten Kollektivs erwacht, die Maschinen werden hochgefahren und der Betriebsdirektor schreitet ernst die gigantischen Hallen ab, wo es sich die Katzen längst gemütlich gemacht haben. Die Regisseurin Daria Khlestkina protokolliert präzise dieses letzte Aufbäumen eines Giganten und gewährt – nicht ohne Wehmut – Einblick in die Restposten einer einstmals sozialistischen Betriebsstruktur, wo Langmut und Improvisationskunst doch das eigentliche Kapital stellten.
Cornelia Klauß
Internationales Programm 2014
The Term Pavel Kostomarov, Aleksandr Rastorguev, Aleksej Pivovarov

Insiderblick auf die Köpfe der Anti-Putin-Opposition. Von ganz links bis weit rechts, Intellektuelle, Promis und Politiker. Zeugnis eines brodelnden Chaos – hautnah und atemlos.

The Term

Dokumentarfilm
Estland,
Russland
2014
87 Minuten
Untertitel: 
englische

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Pavel Kostomarov, Aleksandr Rastorguev, Aleksej Pivovarov
Pavel Kostomarov, Aleksandr Rastorguev, Aleksej Pivovarov
Dies ist DER Film über die Opposition gegen Putins Russland. Einer der Regisseure, Pavel Kostomarov, wurde während seiner Entstehung durchsucht, etliche der Protagonisten saßen in Untersuchungshaft, einige sind verurteilt. Die dutzenden Kameras, die zu dem Mitte Mai 2012 gestarteten Online-Clip-Projekt beitrugen, auf dem der Film basiert, sind vor Ort, wenn fast sämtliche Anführer der Proteste gegen die Regierung festgenommen werden. Nur Herr Belov‚ der Weiße, bleibt ungeschoren, wenn er den Nazi-Mob zu „Lang lebe Anders Breivik“-Schlachtgesängen treibt. Da ist einmal Ksenija Sobčak, Politiker-Tochter, Ex-Putin-Patenkind, Talkshow-Masterin und vieles mehr, die trotz Glamour zur Repräsentantin der gemäßigten liberalen Intelligenzija taugt. Da ist Aleksej Naval’nyj, der trotz massiver Neigung nach weit rechts unzählige Anhänger um sich schart. Da ist Sergej Udal’cov, linksextremer Frontmann. Oder Petr Verzilov, Gatte von Pussy-Riot-Nadja und nunmehr „best friend“ von Madonna und Yoko Ono.
Sie alle nehmen mit ihrem Auftreten eine „Frist“ in Kauf. Eine „Frist“ ist es aber auch, die mit dem wiederholten Amtsantritt Putins als Präsident eingesetzt hat – die entscheidende sogar, wie sich zeigt, was den Aufstieg und Niedergang des bürgerlichen Widerstands gegen die Autokratie betrifft. Während der Zar, von „maîtres“ wie Depardieu beklatscht, seinen „thrill on Blueberry Hill“ besingt …
Barbara Wurm

Ties

Animationsfilm
Deutschland,
Russland
2019
8 Minuten
Untertitel: 
_ohne Dialog / Untertitel

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Florian Grolig
Dina Velikovskaya
Artem Fadeev
Björn Ullrich
Vera Myakisheva
Nadya Fedotova
Dina Velikovskaya
Artem Fadeev
Nur noch der Abschied von Mama und Papa. Die Taxe ins Erwachsensein hupt bereits. Der letzte gemeinsame Tee ist ausgetrunken und die Schwelle schon überschritten. Wenn ein Kind sich ins Leben verabschiedet, löst sich für Eltern bisweilen die bisherige Welt bis zum letzten Faden auf. Mit allen Nebenwirkungen, auch für die Tochter. Launiger Strich, herzlich gezeichnete Charaktere, visueller Witz – Dina Velikovskaya weiß die Mittel der Animation mit Humor, Persönlichkeit und Pfiff einzusetzen.

Nadja Rademacher



Ausgezeichnet mit dem Mephisto 97.6-Publikumspreis.