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Camera Lucida – Außer Konkurrenz

Die „Camera lucida“ revolutionierte die Malerei mit den Mitteln der Optik. Sie nahm den Realismus der Fotografie und schließlich des Kinos vorweg und inspirierte Roland Barthes zu einem Essay, das sich der kaum sagbaren und gerade deshalb bestechenden Wirkung eines fotografischen Bildes widmet. Uns gab sie den Titel für eine Auswahl bestechender Dokumentarfilme, die Kinokonventionen und Realität auf besonders luzide Weise herausfordern.

Camera Lucida – Außer Konkurrenz
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Lamentations of Judas Boris Gerrets
In einer verlassenen Wüstenstadt lebt eine Schar alter Männer in Armut. Einst angolanische Söldner des Apartheid-Regimes, werden sie zu Akteuren der Geschichte von Judas Iskariot.
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Lamentations of Judas

Les lamentations de Judas
Boris Gerrets
Camera Lucida – Außer Konkurrenz
Dokumentarfilm
Niederlande,
Frankreich
2020
94 Minuten
Englisch,
Portugiesisch (Portugal)
Untertitel: 
Englisch
Weltpremiere

Termine und Tickets DOK Leipzig Logo

Verfügbar

abrufbar auf CultureBase.org

Verfügbar
Video-on-Demand
on Demand

abrufbar auf CultureBase.org

Credits DOK Leipzig Logo
Boris Gerrets
Iris Lammertsma
Boudewijn Koole
Eric Velthuis
Serge Lalou
Camille Laemle
Nic Hofmeyr
Boris Gerrets
President Kapa
Dominique Vieillard
Thuthuka Sibisi
Iris Lammertsma

In einer verlassenen Asbestminenstadt am Rande der Wüste Kalahari widersetzt sich eine Gruppe alter Männer der Evakuation. Sie haben keinen Ort, an den sie gehen könnten, denn sie waren einst verrufen als Soldaten des berüchtigten südafrikanischen Bataillons 32, auch bekannt als „Die Schrecklichen“. Täter und Opfer der Geschichte zugleich, werden sie in Boris Gerrets’ ebenso verstörendem wie faszinierendem filmischen Vermächtnis zu Akteuren der biblischen Geschichte von Judas Iskariot.

Das Schauspiel unter gleißender Sonne konfrontiert die in bitterer Armut lebenden Männer mit ihrer unbewältigten Vergangenheit. Viele von ihnen waren im angolanischen Unabhängigkeitskampf gegen Portugal von den Widerstandsbewegungen FNLA und UNITA zwangsrekrutiert worden. Nach der Machtübernahme der kommunistischen MPLA fanden sie sich als Söldner an der Seite weißer Südafrikaner im Kampf gegen das eigene Volk wieder und verteidigten schließlich das Apartheid-Regime im kolonialen Kampf in Namibia und in den südafrikanischen Townships. Am Rande des surrealen Filmsets zwischen den verfallenden Gebäuden der alten Minenstadt geben sie erstmals Auskunft über ihre Lebensgeschichten, sprechen über Verrat, Schuld und Reue. Nachdem die Weltpolitik über sie hinweggerollt ist, sie zu Unerwünschten, Exilierten, Vergessenen, Verdrängten und Gebrochenen gemacht hat, werden sie vor der Kamera endlich wieder als Menschen sichtbar.
Christoph Terhechte
#
Zustand der Welt
Sinn und Sein
Umverteilen und Mitreden
Poesie und Grenzgänge
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Camera Lucida – Außer Konkurrenz
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Zaho Zay Maéva Ranaïvojaona, Georg Tiller
Eine hybride Erzählung über Suchen und Heimsuchen: Sie spekuliert über die rätselhaften Wege und tiefgreifenden Traumata ihrer Landschaften und aller, die darin wandeln.
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Zaho Zay

Zaho Zay
Maéva Ranaïvojaona, Georg Tiller
Camera Lucida – Außer Konkurrenz
Dokumentarfilm
Österreich,
Frankreich,
Madagaskar
2020
79 Minuten
Französisch,
Madagassisch
Untertitel: 
Englisch
Deutsche Premiere
Credits DOK Leipzig Logo
Maéva Ranaïvojaona
Georg Tiller
Thomas Lambert
Georg Tiller
Maéva Ranaïvojaona
Maéva Ranaïvojaona
Georg Tiller
Barbara Bossuet
Herimandresy Randriambololona
Térence Meunier
André Fèvre
Georg Tiller
Maéva Ranaïvojaona
Georg Tiller
Thomas Lambert
André Fèvre

„Zaho Zay!“, ich bin hier. Täglich salutieren so die Häftlinge im überfüllten madagassischen Gefängnis, dessen Wärterin in jedem neuen Gefangenen ihren verlorenen Vater sucht. Ihre Projektionen und Fantasien lassen die mystische, mörderische Vaterfigur in (alb-)traumhaften Sequenzen über die Insel streifen, begleitet von einem poetischen Voiceover. Eine hybride Erzählung: Sie spekuliert über die rätselhaften Wege und tiefgreifenden Traumata ihrer Landschaften und aller, die darin wandeln.

Ein Paar Würfel, ein stiller Mörder und seine Opfer, Spuren von Geschichte und magischem Realismus. Rituale und Rätsel, Rache, Reue und Gefangenschaft werden zwischen der brutalen Realität einer Haftanstalt, den Fantasien der fiktionalisierten Erzählerin und den weiten Naturräumen einer Insel aufgedröselt und neu verschachtelt – langsam und poetisch. Krisen, koloniale Gewalt und deren Kontinuitäten sind angedeutet und verdichtet. Die Montage von dokumentarischem Material und inszenierten Passagen referenziert Western und Film noir und entwickelt einen intensiven visuellen und erzählerischen Sog. Ein fast schon lyrischer Text und die präzise kadrierten Bilder zeugen von einer unmöglichen Suche, die im Grunde eine Heimsuchung ist. Sie verweisen auf individuelle wie kollektive Traumata und die seltsamen Kräfte, mit denen sich solche Erschütterungen in Narrative und Orte einschreiben.
Djamila Grandits
#
Poesie und Grenzgänge
Umverteilen und Mitreden
Sinn und Sein
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