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Filmstill Lina

Lina

Lina
Remo Rauscher
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Österreich
2025
19 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

„Mir hat das erst passieren müssen, dass ich wusste, dass es ‚normal‘ ist.“ Dieser Satz einer Protagonistin bringt auf den Punkt, wie unsere Gesellschaft mit ungeborenen und früh verstorbenen Kindern umgeht: Sternenkinder sind omnipräsent (jede vierte Mutter hat ein Kind verloren) und doch abwesend. Uns fehlen die Vokabeln, die Sensibilität und die Stille, um den Eltern die Trauer zu ermöglichen.
Remo Rauschers animierter Dokumentarfilm konfrontiert uns mit ebendieser Unfähigkeit. Hier sprechen zwanzig trauernde und mit Trauer befasste Menschen: Sie denken laut nach, ringen um Worte, betrachten den Schmerz aus unterschiedlichen Perspektiven, entdecken Würde und Kraft darin und helfen uns so, das Tabu zu überwinden. Sie wehren sich dagegen, ein „Fehler im System“ zu sein, die Sprachlosigkeit hinzunehmen. Die Dunkelheit in Rauschers Film ist ambivalent und auf allen Ebenen spürbar: Sie wirkt sogartig und zugleich fürsorglich. Sie ist großzügig und schenkt uns Momente von Schönheit, Demut und Hoffnung. Die 2D-Animationen in gedeckten Farben auf dunklem Hintergrund bleiben abstrakt, skizzenhaft und zurückhaltend – ein Ausdruck von Feingefühl und Respekt. Nur gelegentlich lenken sie Aufmerksamkeit auf sich, während die Stimmen viel Raum bekommen und sich angstfrei entfalten können. Dieser Film öffnet einen Raum zum Trauern, den die Gesellschaft noch nicht bieten kann.

Irina Rubina

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Remo Rauscher
Produktion
Remo Rauscher
Animation
Remo Rauscher
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Camera Lucida 2025
Filmstill Little, Big, and Far
Little, Big, and Far Jem Cohen
Akademische Arbeit und Melancholie: Drei Wissenschaftler*innen teilen miteinander ihre Gedanken über Physik und Astronomie, die ungewisse Zukunft, den Klimawandel, Intimität und Einsamkeit.
Filmstill Little, Big, and Far

Little, Big, and Far

Little, Big, and Far
Jem Cohen
Camera Lucida 2025
Dokumentarfilm
Österreich,
USA
2025
122 Minuten
Deutsch,
Englisch
Untertitel: 
Deutsch, Englisch

Das neue Werk der US-Filmemacherlegende Jem Cohen ist wie ein seltsamer Cousin seines Klassikers „Museum Hours“. Verwandt als Essayfilm mit fiktionaler Struktur, geht es hier nicht um Kunst, sondern um Wissenschaft, nicht um eine solitäre Wiener Institution, sondern um ein Netzwerk von Instituten. Darin bewegen sich Karl, ein alternder österreichischer Astronom und Museumsberater, seine Frau Eleanor, Physikerin in den USA, sowie Karls ebenfalls in den Staaten lebende junge Freundin und Kollegin Sarah, Spezialgebiet „Bürgerwissenschaft“, die gerade vorsichtig eine neue Beziehung eingeht. Die drei tauschen sich auf faszinierend informative Weise aus – über ihre Fachdisziplinen, aber auch über die interdisziplinäre Melancholie, die sie bei der akademischen Arbeit befällt, ob sie nun mit Politik, Klimawandel, Zukunftsangst, Einsamkeit oder Intimität zu tun hat.
Cohen hält sie mit der Kamera fest, erlaubt sich aber auch seine typischen erbaulichen Abschweifungen. Er folgt den Off-Stimmen durch Museums- und Ausstellungsräume, bleibt mit dem Blick an Himmelskörpern und wissenschaftlichem Gerät, an Straßen, Ozeanen und Landschaften hängen. Erfüllt von Wissens- wie von Herzensneugier, sammelt er: winzige Fragmente, gewaltige Entdeckungen, unendlich weite Sterne. Die Unermesslichkeit der Welt ist unmöglich zu erfassen. Aber man kann ihre Dimensionen entwirren: das Kleine, das Große und das weit Entfernte.

James Lattimer

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Jem Cohen
Buch
Jem Cohen
Kamera
Jem Cohen
Schnitt
Jem Cohen
Produktion
Paolo Calamita, Jem Cohen
Ton
Jem Cohen, Leslie Shatz