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Publikumswettbewerb 2025
Filmstill Coexistence, My Ass!
Coexistence, My Ass! Amber Fares
Noam Shuster-Eliassi wuchs in einem jüdisch-arabischen Friedensprojekt in Israel auf, arbeitete für die UN und macht Stand-Up-Comedy zum Nahostkonflikt auf Englisch, Hebräisch und Arabisch.  
Filmstill Coexistence, My Ass!

Coexistence, My Ass!

Coexistence, My Ass!
Amber Fares
Publikumswettbewerb 2025
Dokumentarfilm
USA,
Frankreich
2025
93 Minuten
Englisch,
Hebräisch,
Arabisch
Untertitel: 
Englisch

Im Namen ihres Dorfes ist eine Utopie formuliert, die Noam Shuster Eliassi von Kindheit an geprägt hat: Newe Shalom (hebräisch) oder Wahat al-Salām (arabisch) bedeutet in etwa „Oase des Friedens“. Die kleine Community von etwa 300 Menschen aus jüdischen und arabischen Familien wurde 1969 gegründet, liegt in Israel an der Grenze zum Westjordanland und erprobt gelebte Solidarität. So werden die Jüdin Noam und ihre palästinensische Freundin Ranin schon als Kinder zu Botschafterinnen der Verständigung, etwa wenn Hillary Clinton oder Jane Fonda zu Besuch kommen. Eine Karriere bei den Vereinten Nationen scheint vorgezeichnet.
In ihrer Comedyshow „Coexistence, My Ass!“, die Regisseurin Amber Fares als Leitmotiv nutzt, schlägt Shuster Eliassi hingegen schärfere Töne an. Mit ihrem beruflichen Wechsel von der Diplomatie zur politischen Komik – je nach Publikum auf Englisch, Hebräisch oder Arabisch – zeigt der Film sie als Kritikerin der Netanjahu-Regierung, vor und nach dem Terroranschlag der Hamas vom 7. Oktober 2023. So spiegelt sich an ihrem Beispiel auch die Zerrissenheit in Teilen der israelischen Linken: Auf den tiefen Schmerz, selbst geliebte Menschen verloren zu haben, folgt bei Shuster Eliassi die Wut über den Gaza-Krieg. Was kann, was darf Humor in dieser Lage? Vielleicht dazu beitragen, über das Leid zweier Völker trauern zu können und die Utopie des Friedens, trotz allem, nicht aufzugeben.

Jan-Philipp Kohlmann

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Amber Fares
Kamera
Amber Fares, Philippe Bellaiche, Amit Chachamov
Schnitt
Rabab Haj Yahya
Produktion
Amber Fares, Rachel Leah Jones, Valérie Montmartin
Ton
Rachel Leah Jones, Ibrahim Zaher, Sharon Luzon
Filmvertrieb
Stephanie Fuchs
Nominiert für: Filmpreis Leipziger Ring
Filmstill Cutting Through Rocks

Cutting Through Rocks

Uzak yollar
Sara Khaki, Mohammadreza Eyni
Publikumswettbewerb 2025
Dokumentarfilm
USA,
Iran,
Deutschland,
Niederlande,
Katar,
Chile,
Kanada
2025
94 Minuten
Aserbaidschanisch,
Farsi
Untertitel: 
Englisch

Die Proteste mit dem Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ in Teheran und anderen Großstädten scheinen weit weg von dem Ort, an dem Sara lebt. Doch die Protagonistin dieses Films setzt sich in ihrer ländlichen Gemeinde im Nordwesten des Iran ganz alltagspraktisch für die gleichen feministischen Werte ein. Immer wieder werden wir in Bildern darauf zurückgeführt, dass ihr Vater sie einst – zum Unmut des Dorfes – das Motorradfahren lehrte. Ein kleiner Gefallen mit großer Wirkung: Für Sara ebnete er einen Weg jenseits der patriarchalen Ehe. Mobil auf zwei Rädern arbeitete sie als Hebamme und brachte zahlreiche Mädchen zur Welt, für die sie sich jetzt erneut stark machen will: Zu Beginn des Films und in der Mitte ihres Lebens entschließt sich Sara, als erste Frau in der Geschichte ihrer Kommune für den Gemeinderat zu kandidieren. Ein Schritt, der ihr einerseits begeisterte Unterstützung einbringt; andererseits muss sie offene Feindseligkeiten und eine Anhörung bei den Sittenwächtern der Islamischen Republik über sich ergehen lassen. Sara Khaki und Mohammadreza Eyni fangen in „Cutting Through Rocks“ diese Machtstrukturen und ihre individuelle Wirkung ebenso präzise ein wie Gesten der Solidarität und Selbstbestimmung.

Jan-Philipp Kohlmann

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Sara Khaki, Mohammadreza Eyni
Buch
Sara Khaki, Mohammadreza Eyni
Kamera
Mohammadreza Eyni
Schnitt
Sara Khaki, Mohammadreza Eyni
Produktion
Sara Khaki, Mohammadreza Eyni
Ton
Karim Sebastian Elias
Sound Design
Miguel Hormazabal
Filmvertrieb
Stephanie Fuchs
Deutscher Filmverleih
Stephanie Fuchs
Nominiert für: Filmpreis Leipziger Ring
Ausgezeichnet mit: Goldene Taube (Publikumswettbewerb)