Filmarchiv

Deutscher Wettbewerb 2020
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Atomkraft Forever Carsten Rau
Bildgewaltige und gleichzeitig nüchterne Bestandsaufnahme zum Nullsummenspiel zwischen Klimawandel und nuklearem Gau: ohne jede Dramatisierung und dennoch zutiefst verstörend.
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Atomkraft Forever

Atomkraft Forever
Carsten Rau
Deutscher Wettbewerb 2020
Dokumentarfilm
Deutschland
2020
94 Minuten
Französisch,
Deutsch
Untertitel: 
deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit

Dieser genaue und nüchterne Blick auf das Thema Atomkraft beginnt da, wo Deutschland steht: beim Abschalten. Gerade weil dem Film jeder Alarmismus fehlt, wird das Alarmierende der Situation deutlich. Der nukleare Albtraum ist nicht zu Ende, eine sichere Endlagerung nicht in Sicht. Dennoch scheint die „saubere“ Kernenergie, befördert durch den Kohleausstieg, für viele wieder eine Option zu sein. Der Schrecken des Klimawandels sticht den Schrecken des atomaren GAUs. Ein Nullsummenspiel.

Carsten Rau gelingt es meisterhaft, die aufgeheizte Debatte in aller Ruhe zu sondieren. Er spricht mit Menschen, die alle von und mit der Atomkraft leben. Sehr bewusst setzt er sie, egal ob Ingenieur, Wissenschaftlerin oder Wirtin, mit genau der gleichen Mischung aus Ernsthaftigkeit und Nonchalance in Szene. Erzählt wird ohne Dramatisierung, aber mit bestechend „schönen“ Bildern, die durchaus die Faszination für diese Technologie nachvollziehbar machen. Wenn sich dann noch hippe französische Atomingenieure in die Front der Klimaschützer einreihen wollen, zeigt sich, wie falsch die Rede von einem „alternativlosen Weg“ heute ist und immer schon war. Es formt sich das Porträt einer Gesellschaft, die sehenden Auges eine Sackgasse betreten hat und erst langsam realisiert, dass sie sich mit jedem Schritt weiter vom Ausgang entfernt.
Luc-Carolin Ziemann

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Carsten Rau
Buch
Carsten Rau
Kamera
Andrzej Krol
Schnitt
Stephan Haase
Produktion
Hauke Wendler, Carsten Rau
Co-Produktion
SWR Südwestrundfunk, NDR Norddeutscher Rundfunk
Ton
Augusto Castellano
Musik
Ketan Bhatti, Vivan Bhatti
Filmvertrieb
Georg Gruber
Redaktion
Kai Henkel, Timo Grosspietsch
Publikumswettbewerb 2024
Filmstill Naima
Naima Anna Thommen
Als Migrantin muss Naima ihr Leben von Grund auf neu beginnen, als sie von Venezuela in die Schweiz zieht. Hier muss die 46-Jährige wieder unten anfangen. Ein Film über menschliche Stärke.
Filmstill Naima

Naima

Naima
Anna Thommen
Publikumswettbewerb 2024
Dokumentarfilm
Schweiz
2024
98 Minuten
Deutsch,
Spanisch
Untertitel: 
Englisch

Es gibt Dokumentarfilmheld*innen von solcher Stärke und Vitalität, dass man sich von den ersten Momenten an in ihren Charme verliebt. Man ist sofort bereit, mit ihnen durchs Feuer zu gehen. Naima ist so ein Fall – zweifellos verstärkt durch das Regietalent und die meisterhafte dramaturgische Komposition von Anna Thommen.
Naimas Geschichte ist die Geschichte einer Migrantin in Europa, die ihr Leben von Grund auf neu beginnen muss, als sie von Venezuela in die Schweiz übersiedelt. Früher arbeitete sie im Marketing für internationale Unternehmen, jetzt schlägt sie sich mit wechselnden Service-Jobs durch. Naima gibt nicht auf, sie kämpft für sich selbst und die Möglichkeit, ihre Kinder wieder um sich zu haben. Aufgrund ihrer finanziellen Schwierigkeiten leben die beiden Teens bei ihrem Ex-Mann. Als sie die Chance erhält, die gewünschte Ausbildung zur Krankenschwester und ein vorbereitendes Praktikum in einer psychiatrischen Abteilung zu absolvieren, steht Naima vor erheblichen Herausforderungen. Ihre Vorgesetzte mag sie nicht, was konkret dazu führt, dass das Praktikum nicht anerkannt wird. An Feuer, das unserer Heldin entgegenschlägt, mangelt es also nicht. Doch Anna Thommens Porträt ist der Beweis, dass der menschliche Geist viel auszuhalten und sogar Feuersbrünste zu überwinden vermag. Ein Muss für alle, die im Dokumentarfilm nach Inspiration und emotionaler Berührung suchen.

Vika Leshchenko

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Regie
Anna Thommen
Buch
Anna Thommen
Kamera
Gabriela Betschart
Schnitt
Claudio Cea, Anna Thommen
Produktion
Judith Lichtneckert
Ton
Wendelin Schmidt-Ott, Nadine Häusler
Sound Design
Guido Keller, Magnetix
Musik
Ephrem Lüchinger
Filmvertrieb
Renato Manganello
Mehr zum Film
Deutscher Wettbewerb 2021
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Nasim Ole Jacobs, Arne Büttner
Einfühlsames, intimes Porträt einer afghanischen Frau und ihrer Familie im Geflüchtetenlager Moria auf der griechischen Insel Lesbos – bevor und während das Camp in Flammen aufging.
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Nasim

Nasim
Ole Jacobs, Arne Büttner
Deutscher Wettbewerb 2021
Dokumentarfilm
Deutschland
2021
120 Minuten
dari,
Französisch,
Griechisch
Untertitel: 
deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit, Englisch

Acht Monate lang begleitete das Filmteam um Ole Jacobs und Arne Büttner die Afghanin Nasim und ihre Familie im Geflüchtetenlager Moria auf der griechischen Insel Lesbos, wo zeitweise 20.000 Menschen auf einem für weniger als 3.000 Personen konzipierten Raum leben mussten. Der beobachtende Dokumentarfilm zeigt äußerst einfühlsam den Alltag der zweifachen Mutter, die es auf beeindruckende Weise schafft, die Herausforderungen dieser unzumutbaren Extremsituation immer wieder aufs Neue zu meistern.

Nasim lebte mit ihrer Familie zuvor im Iran, wo sie bereits Diskriminierung erdulden musste. Ihre Ehe ist zerrüttet, die stillen Konflikte mit ihrem Mann fängt die Kamera behutsam ein – Blicke erzählen alles. Nasim leidet an Rheuma und kann ihre Hände kaum noch bewegen. Trotzdem findet sie dafür liebevolle, erklärende Worte – ihren eigenen und den anderen Kindern gegenüber. Sie springt sogar vorübergehend als Ersatz für die weggegangene Schullehrerin ein: „Heute werden wir malen …“ Das Verständnis, das sie anderen stets entgegenbringt, bleibt ihr selbst jedoch verwehrt: Alle in ihrem Umfeld meinen besser zu wissen, was sie braucht. Als das Camp im September 2020 in Flammen aufgeht, scheint jede Hoffnung auf eine bessere Welt verloren. Nasim ist auf sich allein gestellt – doch ganz vielleicht birgt diese erneute Katastrophe auch eine Chance.
Borjana Gaković

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Regie
Ole Jacobs, Arne Büttner
Kamera
Arne Büttner
Schnitt
Janina Herhoffer
Produktion
Ray Peter Maletzki, Ayla Güney, Stephan Helmut Beier
Co-Produktion
Ole Jacobs, Arne Büttner
Ton
Ole Jacobs, Azadeh Zandieh
Performer
Nasima Tajik
Ausgezeichnet mit: DEFA Förderpreis, ver.di Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness
Publikumswettbewerb 2025
Filmstill Natchez
Natchez Suzannah Herbert
Eine Kleinstadt in Mississippi. Viele kommen hierher, um geschichtsvergessen in Südstaaten-Nostalgie zu schwelgen. Schwarze Tourguides machen die weißen Flecken in den Narrativen sichtbar.
Filmstill Natchez

Natchez

Natchez
Suzannah Herbert
Publikumswettbewerb 2025
Dokumentarfilm
USA
2025
87 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch

Es war einmal eine Stadt am Ufer des Mississippi. Neoklassizistische Häuser aus der Antebellum-Ära säumen noch heute die Straßen, Pferdekutschen voller Tourist*innen sind unterwegs, auf einer Truckladefläche spielt ein fahrender Organist. In Natchez scheint die Zeit stehen geblieben. Doch während die Nachfahrinnen der europäischen Kolonist*innen ihre aus aller Welt herbeiströmenden Gäste in historischen Reifröcken als Reinkarnationen der „Southern Belle“ begrüßen und mit Südstaatennostalgie verköstigen, beginnt die Fassade zu bröckeln. Aufgebaut auf den Schultern von Kindern, Frauen und Männern in Ketten, entstand hier Mitte des 19. Jahrhunderts das Epizentrum des Baumwollkapitalismus und mit 750.000 Schwarzen Ausgebeuteten der zweitgrößte Sklav*innenmarkt in den USA.
In der weiß-gewaschenen Geschichtsversion kommt dieser Teil des ehemaligen „Cotton Kingdom“ fast gar nicht vor. Im Gegenteil trieft sie nur so vor Romantisierungen und rassistischen Klischees. Doch Menschen wie der Schwarze Pastor und Tourguide Rev brechen diese Tradition und lassen die nostalgisch-verklärte Illusion einer heilen Welt zerplatzen. Suzannah Herbert inszeniert den Zusammenstoß verschiedener Perspektiven und Charaktere mit unbestechlichem Blick für direkte oder indirekte Widersprüche. Zugleich legt sie eine gesellschaftliche Spaltung frei, die weit über den Mikrokosmos Natchez hinausreicht.

Philipp Hechtfisch

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Regie
Suzannah Herbert
Kamera
Noah Collier
Schnitt
Pablo Proenza
Produktion
Darcy McKinnon, Suzannah Herbert
Filmvertrieb
Axelle Jean
Animation und Musique Concrète 2021
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Neighbours Norman McLaren
Ein Nachbarschaftsstreit eskaliert … Die pixilierten Bewegungen der Darsteller und die Szenerie wirken immer absurder, auch durch die überdrehten Klänge des handgezeichneten Tons.
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Neighbours

Voisins
Norman McLaren
Animation und Musique Concrète 2021
Animationsfilm
Kanada
1952
8 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine

Ein eskalierender Nachbarschaftsstreit als pazifistische Parabel auf den Koreakrieg. Durch die Pixilation, als deren Begründer Norman McLaren gilt, wirken Handlung und Szenerie zunehmend absurd. Überdrehte elektronische Klänge steigern den Aberwitz. Auch sie entstanden in einer besonderen Technik: Per Hand zeichnete McLaren optische Tonsignale mit Strichen und Punkten direkt auf die Filmtonspur.

André Eckardt

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Regie
Norman McLaren
Kamera
Wolf Koenig
Produktion
Norman McLaren
Musik
Norman McLaren
Performer
Grant Munro, Jean-Paul Ladouceur
Kids DOK 2023
Filmstill Nele in the Clouds
Nele in den Wolken Bernadette Hauke
Nele träumt davon, eine Ballonfahrt zu machen. Das ist nicht so einfach, denn ihre Mutter ist gehbehindert und im Alltag brauchen sie viel Hilfe. Geht der Traum vielleicht doch in Erfüllung?
Filmstill Nele in the Clouds

Nele in den Wolken

Nele in den Wolken
Bernadette Hauke
Kids DOK 2023
Dokumentarfilm
Deutschland
2022
25 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

Auf dem Balkon ist Nele den Wolken ganz nah. Schöner wäre es jedoch, eine Ballonfahrt zu machen und ihnen noch näher zu sein. Dieses Vorhaben ist nicht so einfach umzusetzen, denn Neles Mutter ist gehbehindert. Bei Unternehmungen brauchen sie Hilfe und ihr Alltag wird von vielen anderen Menschen mitorganisiert. Ihnen geht es sehr gut zusammen, aber so ein Ausflug im Heißluftballon wäre schon toll …

Lina Dinkla

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Regie
Bernadette Hauke
Kamera
Luana Knipfer
Schnitt
Antonella Sarubbi
Produktion
Matthias Kringe
Ton
Tom Claudon, Hannes Hirsch
Broadcaster
RBB Rundfunk Berlin-Brandenburg
Kids DOK 2024
Filmstill Nelson the Piglet
Nelson the Piglet Anneke de Lind van Wijngaarden
Seit sieben Jahren hat Brandons Familie ein Minischwein als Haustier. Doch Nelson wurde seltsamerweise zu einem Riesen-Oschi. Nun rebelliert die nette Nachbarschaft und Nelson muss weg, oder?
Filmstill Nelson the Piglet

Nelson the Piglet

Nelson het minivarken
Anneke de Lind van Wijngaarden
Kids DOK 2024
Dokumentarfilm
Niederlande
2023
15 Minuten
Niederländisch
Untertitel: 
Deutsch (Overvoice), Englisch

Die Geschichte begann vor sieben Jahren, als Brandons Familie ein Haustier wollte und mit einem Minischwein zurückkam. Über die Zeit wuchs Nelson im Hinterhof vom kleinen Ferkel zu einem 500-Kilo-Brocken heran. Familie Verbeek liebt ihn heiß und innig, doch in der Nachbarschaft regt sich Widerstand. Auch in Brandons Klasse geht das Geläster los und er beginnt zu zweifeln. Eine Lösung muss her!

Lina Dinkla

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Regie
Anneke de Lind van Wijngaarden
Kamera
Jeroen Kiers
Schnitt
Sonja ten Boom
Produktion
Maarten Kuit, Nienke Rispens, Jeroen van den Idsert
Co-Produktion
KRO-NCRV
Ton
Matthijs Klijn
Sound Design
Brandon Grötzinger
Broadcaster
Michiel Brongers
Re-Visionen 2022
Filmstill New Eldorado
New Eldorado Tibor Kocsis
300 Tonnen Gold werden unter dem Dorf Roșia Montană in Rumänien vermutet. Vor zwanzig Jahren filmte Tibor Kocsis eine sich formierende Protestbewegung gegen die Abbaupläne.
Filmstill New Eldorado

New Eldorado

Új Eldorádó
Tibor Kocsis
Re-Visionen 2022
Dokumentarfilm
Ungarn
2004
76 Minuten
Englisch,
Französisch,
Deutsch,
Ungarisch,
Rumänisch
Untertitel: 
Englisch

Im rumänischen Roșia Montană, auf Deutsch auch Goldbach, befindet sich das größte Goldvorkommen Europas. Schon die alten Römer bauten dort mit Hammer und Meißel Stollen, später wurde das Edelmetall mit Schwarzpulver und dann Dynamit gefördert. Als jedoch Anfang der 2000er Jahre die Möglichkeiten herkömmlicher Abbaumethoden erschöpft scheinen, schaltet sich ein kanadisches Unternehmen ein und plant, das ganze Dorf und vier angrenzende Berge zu pulverisieren – und das Gold mit hochgiftiger Blausäure aus dem Gestein zu lösen. Tibor Kocsis beobachtet mehrere Jahre lang, wie der Konzern die Bewohner des Ortes zu verdrängen versucht, und wie sich Widerstand formiert, der bis heute anhält.

Marie Kloos

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Regie
Tibor Kocsis
Kamera
Tibor Kocsis
Schnitt
György Márió Kövári
Produktion
Tibor Kocsis
MDR Special Screening 2024
Filmstill Nice Ladies
Nice Ladies Mariia Ponomarova
Inmitten des eskalierenden Ukrainekriegs wird das Cheerleading-Team „Nice Ladies“, bestehend aus Frauen über 50, auf eine harte Probe gestellt. Sveta flieht mit ihrer Familie in die Niederlande, während Valia und Nadia in Charkiw bleiben. Der Film zeigt, wie der Krieg alles durchdringt, aber der Sport und ihre Freundschaft ein unzertrennliches Band bleiben.
Filmstill Nice Ladies

Nice Ladies

Nice Ladies
Mariia Ponomarova
MDR Special Screening 2024
Dokumentarfilm
Niederlande,
Ukraine
2024
92 Minuten
Ukrainisch,
Russisch
Untertitel: 
Deutsch

Inmitten des eskalierenden Ukrainekriegs wird das Cheerleading-Team „Nice Ladies“, bestehend aus Frauen über 50, auf eine harte Probe gestellt. Sveta flieht mit ihrer Familie in die Niederlande, während Valia und Nadia in Charkiw bleiben. Der Film zeigt, wie der Krieg alles durchdringt, aber der Sport und ihre Freundschaft ein unzertrennliches Band bleiben.

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Mariia Ponomarova
Kamera
Sveta Aparina, Niels van Koevorden, Lola Mooij
Schnitt
Annelotte Medema
Produktion
Rogier Kramer
Co-Produktion
Alina Gorlova
Ton
Karina Rezhevska, Sofie van der Meer, Suzanne Boekestijn, Kristian Knoop, Bente van der Spek
Sound Design
Kamila Wójcik
Filmvertrieb
Maëlle Guenegues
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2025
Filmstill Night Sky Elevator
Night Sky Elevator Csanád Baksa-Soós
Ein Fluss aus Schlagzeilen fließt durch die Großstadt, eine Sonnenfinsternis flackert violett. Die Bilder gleiten schwerelos und ohne festes Ordnungsprinzip dahin, eröffnen ganze Welten. 
Filmstill Night Sky Elevator

Night Sky Elevator

Night Sky Elevator
Csanád Baksa-Soós
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2025
Animationsfilm
Ungarn
2025
9 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine

Legetrick im Schwebezustand: minutiös und detailliert gearbeitet, zugleich aber doch wie aus dem Unbewussten hingetupft. Bei Csanád Baksa-Soós landen Schmetterlinge auf Damenschuhen und fliegen mit ihnen davon, fließt ein Fluss aus Schlagzeilen durch die Großstadt, lässt eine violett wabernde Sonnenfinsternis leuchtende Messer aus der Erde in den Himmel schießen, würgen steinerne Lippen einen Lichtball hervor. Die Bilder folgen keinem festen Ordnungsprinzip – jedes von ihnen eröffnet eine neue Welt, atmet tief durch, zieht weiter. Leitmotive tauchen auf, dann wieder ab. Was bleibt, sind betörende Farben und Texturen. Diese erstrecken sich bis auf die Tonspur: Das Kratzen eines malträtierten Cellos, nächtliche Saxofonklänge aus der kaum gedämmten Nachbarwohnung, gespenstische Klarinettenetüden im halligen Probenraum schmiegen sich den Bildern kongenial an.

Felix Mende

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Csanád Baksa-Soós
Schnitt
Csanád Baksa-Soós
Produktion
Zsuzsanna Vincze
Ton
Csanád Baksa-Soós
Sound Design
Csanád Baksa-Soós
Animation
Csanád Baksa-Soós
Filmstill Nighthawk

Nighthawk

Nočna ptica
Špela Čadež
Slowenische Animation 2022
Animationsfilm
Slowenien,
Kroatien
2016
9 Minuten
Slowenisch
Untertitel: 
Englisch

Eine trunkene Autofahrt durch die Nacht. Am Steuer sitzt ein Dachs. Das Autoradio ist säuselnder, rhythmischer Begleiter und Taktgeber zum Taumel der Fahrbahn, zum Irrlichtern der Scheinwerfer der entgegenkommenden Fahrzeuge. Der Anfang wird zum Ende einer skurrilen Reise, die einem nicht durch Geschwindigkeit den Kopf verdreht, sondern durch erzählerische Finesse in visuell großartiger Verdichtung.

André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Špela Čadež
Buch
Gregor Zorc, Špela Čadež
Schnitt
Iva Kraljević
Produktion
Tina Smrekar, Špela Čadež, Vanja Andrijević
Ton
Johanna Wienert
Musik
Tomaž Grom
Animation
Zarja Menart, Špela Čadež, Matej Lavrenčič
Filmstill Nine Easy Dances

Nine Easy Dances

Nine Easy Dances
Nora Rosenthal
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Kanada
2023
20 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch

Regisseurin Nora Rosenthal nimmt ihre Eltern Heidi und Alan auf sehr spezifische Weise in den Blick: Sie inszeniert das Paar tanzend. Um „einfache Tänze“ handelt es sich dabei jedoch keineswegs. Denn schnell merkt Rosenthal, dass ihr ambitioniertes Projekt an ihren eigenen überhöhten Erwartungen zu scheitern droht. Sie engagiert zwei professionelle Tänzer – Spiegelbilder und gleichsam Interaktionspartner für Heidi und Alan –, die den enormen Druck auf belastbare Schultern verteilen sollen und mit denen es sich gemeinsam im Walzer wiegen oder auch Diskokugeln schieben lässt.
Abstrakt-verspielt und doch einfühlsam begegnet „Nine Easy Dances“ schwergewichtigen Themen wie Vergänglichkeit und Krankheit, gibt den Weg frei ins Familienarchiv und versucht sich am Erzählen einer Geschichte, deren Ende bereits im Raum steht. Ein vielschichtiges Unterfangen, assoziativ, frei und intelligent.

Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Nora Rosenthal
Buch
Nora Rosenthal
Kamera
Michail Miroshnik
Schnitt
Kyle Gregory Sanderson
Produktion
Nora Rosenthal
Ton
Grant Edmonds
Performer
Alan Rosenthal
Animation Night 2024
Filmstill Nineteenth-Century Stroboscopic Discs (1831–1882)
Nineteenth-Century Stroboscopic Discs (1831–1882) Dominique Willoughby
Schauerliche Grimassen, Akrobatik, Farbfontänen – die Vorläufer des Kinos ließen mit wenigen Animationsbildern staunen. Eine Parade von reanimierten historischen Wunderscheiben.
Filmstill Nineteenth-Century Stroboscopic Discs (1831–1882)

Nineteenth-Century Stroboscopic Discs (1831–1882)

Disques stroboscopiques du dix-neuvième siècle (1831–1882)
Dominique Willoughby
Animation Night 2024
Experimentalfilm
Frankreich
1999
14 Minuten
ohne Dialog

Schauerliche Grimassen, Handwerker bei der Arbeit, rennende Tiere, wilde Farbfontänen – die „Noch-nicht-Filme“ aus der Vorgeschichte des Kinos waren nur sechzehn Animationsbilder lang, aber sie ließen staunen und befriedigten die Schaulust. Der Pariser Künstler Dominique Willoughby hat Wunderscheiben des 19. Jahrhunderts aus den Archiven geholt und variantenreich zu minimalistischer Musik reanimiert.

André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Dominique Willoughby
Young Eyes 2025
Filmstill Niñxs
Niñxs Kani Lapuerta
Kani Lapuerta begleitete Karla acht Jahre lang beim Aufwachsen und bei ihrer Transition. Gemeinsam erzählen sie Karlas Coming of Age: farbenfroh, verspielt und aus trans Perspektive.
Filmstill Niñxs

Niñxs

Niñxs
Kani Lapuerta
Young Eyes 2025
Dokumentarfilm
Mexiko,
Deutschland
2025
84 Minuten
Spanisch
Untertitel: 
Deutsch

Karla ist verträumt, Karla ist charismatisch und Karla ist trans. Zusammen mit ihren Eltern wächst sie in der mexikanischen Kleinstadt Tepoztlán auf. Sie liebt es, sich zu schminken oder zu verkleiden. Aber manchmal wächst ihr die Welt auch über den Kopf. Dann versteckt sie sich stundenlang in ihrem Zimmer. Zum Glück hat Karla Freundinnen und eine Familie, die sie unterstützen, oft verstehen und immer auch mal herausfordern.
Über acht Jahre hinweg begleitete trans Filmemacher Kani Lapuerta seine Protagonistin in ihrem Alltag und ihrer Transition. Entstanden ist eine farbenfrohe, verspielte und politische Coming-of-Age-Erzählung aus trans Perspektive. Gemeinsam erschaffen Karla und Kani einen filmischen Raum, in dem ihre Fantasie genauso wichtig ist wie ihre Identität – und wo beides ineinanderfließt. Der Filmtitel bezieht sich auf eine der möglichen geschlechtsneutralen Formen des spanischen Ausdrucks „niños“, der auch nicht-binäre, trans und genderfluide Kinder einschließt. „Niñxs“ ist ein berührender, Mut machender Film über Kindheit, Kreativität und Selbstermächtigung – und ein starkes Plädoyer für eine Welt, in der alle einfach sie selbst sein dürfen.

Tina Jany

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Kani Lapuerta
Buch
Kani Lapuerta
Kamera
Quetzalli Malagón
Schnitt
Yuri Amaral
Produktion
Sulecia Pineda
Co-Produktion
Dirk Manthey, Anke Petersen
Sound Design
Eloisa Diez, Janis Grossmann-Alhambra
Musik
Boris Skalsky
Deutscher Filmverleih
MissingFILMs
Redaktion
Sabine Bubeck-Paaz
Nominiert für: Young Eyes Film Award
Kids DOK 2021
Media Name: a9ec8213-11cc-43c0-b7e8-c14d0bf9a3e4.jpg
Njel, the Separation Félix Mbog
Manuela war vier Jahre alt, als ihre Eltern zum Arbeiten ins Ausland gingen. Sie wächst bei den Großeltern in Kamerun auf und hat gelernt, mit der Abwesenheit zurechtzukommen.
Media Name: a9ec8213-11cc-43c0-b7e8-c14d0bf9a3e4.jpg

Njel, the Separation

Njel, la séparation
Félix Mbog
Kids DOK 2021
Dokumentarfilm
Kamerun,
Südafrika
2021
22 Minuten
Französisch
Untertitel: 
deutsche Untertitel für Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit

Manuela lebt in Kamerun und war vier Jahre alt, als ihre Eltern zum Arbeiten ins Ausland gingen. Nun ist sie elf und bereitet sich auf ihren ersten Schulabschluss vor. Sie wächst bei ihren Großeltern auf und musste trotz gutem Leben sehr lange mit der Trauer kämpfen. Nun hat sie gelernt, wie man mit der Abwesenheit zurechtkommen und trotz der großen Entfernung beieinander sein kann.

Lina Dinkla

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Félix Mbog
Produktion
Don Edkins, Tiny Mungwe, Cyrille Masso
Filmvertrieb
Bérénice Hahn
Filmstill No Changes Have Taken In Our Life

No Changes Have Taken In Our Life

Hai nei yang
Xu Jingwei
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2023
Animationsfilm
China
2022
43 Minuten
Chinesisch
Untertitel: 
Englisch

Nach dem Ende der Graduierungsfeier verlässt Ba, ein junger Musiker, mit seiner Tuba auf der Schulter den Festsaal. Am Ausgang trifft er seinen Lehrer, der ihm ein Versprechen abringt: Er soll berichten, sobald er eine Anstellung gefunden hat. Da ihn niemand am Wohnheim abholt, schlägt sich Ba allein durch die karge ländliche Gegend. Endlich daheim entdeckt er, dass sein Vater eine neue Ehefrau gefunden hat, die nun bei ihm lebt. Es gibt keinen Platz mehr für Ba. Er verlässt sein ehemaliges Zuhause und macht sich auf die Suche nach einem Job. Es folgen diverse vergebliche Versuche – erst als Musiker und später ohne Bezug zu seiner Ausbildung – eine Anstellung zu finden. Alle Bemühungen scheitern an absurden Voraussetzungen der potenziellen Arbeitgebenden. Ba müsse sich zunächst ein teures Kostüm kaufen oder könne erst nach einer unbezahlten Anfangsphase mit Bezahlung rechnen, da er noch Anfänger im Geschäft sei. Der aufdringlichen Nachfragen seines Lehrers weiß sich Ba nur noch durch Notlügen zu erwehren.

In dieser Welt, in der kein Stückchen grüne Landschaft mehr existiert, in der der Putz von den Wänden bröckelt, in der alles zerfällt, gibt es keine Verwendung für den Musiker Ba. Die alltäglichen Ausgaben verzehren sein letztes bisschen Geld. Die Hoffnung auf Glück und darauf, seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können, schwindet dahin. Bas Tuba verstummt.

Franka Sachse

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Xu Jingwei
Produktion
Yang Leiting, Yang Xintong
Animation
Yang Leiting
Filmvertrieb
Shuting Li
Ausgezeichnet mit: Goldene Taube Langfilm (Internationaler Wettbewerb Animationsfilm)