Neben den Gleisen

Neben den Gleisen

Dokumentarfilm
2016
85 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Fritz Hartthaler
Dieter Schumann
Bernhard Kübel
Michael Kockot
Bernhard Kübel
Dieter Schumann, Michael Kockot
Joao Paulo da Silva
Barbara Denz, Birgit Müller (NDR)
Dieter Schumann hat in „Wadans Welt“ (DOK Leipzig 2010) am Beispiel einer Wismarer Werft die alten Fronten des Kapitalismus neu vermessen. Arbeiter gegen die unsichtbaren Kräfte der globalen Finanzspekulation. Klar, wer da verloren hat. In seinem neuen Film greift er diese ohnmächtige Erfahrung seiner Protagonisten gegenüber Ereignissen, an denen das alte Weltbild zerbricht, wieder auf. Die Geschichte spielt in und um eine Kiosk-Kneipe am Bahnhof von Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern. Täglich kehren hier Schichtarbeiter, Rentner, Hartz-IV-Empfänger und arbeitslose Jugendliche ein. Stammtischgespräche. Manchmal hart an der Grenze. Gleichzeitig wendet sich der Blick den Flüchtlingen zu, die täglich an dem Kiosk und seiner Stammbesetzung vorbeiziehen.

Das Zusammentreffen dieser beiden Welten ist erzählerisch direkt gesetzt. Geschichten der Flucht gegen das Klischee vom Vergewaltiger aus Syrien. Geschichten von im Bombenhagel getöteten Verwandten gegen das Gerücht, Migranten würden Kinder essen. Stand doch auf Facebook. Dennoch, bei aller Verunsicherung und trotz der diffusen Ängste, durch die Flüchtlinge sozial noch stärker abgehängt zu werden, gibt es Momente, in denen das Mitgefühl für das Schicksal des anderen überwiegt. Das macht, trotz der Affinität des Stammtischs zu rechten Lösungen, doch etwas Hoffnung. Genau darin liegt das große Verdienst dieses Films.

Matthias Heeder



Lobende Erwähnung im Deutschen Wettbewerb 2016;
Nominiert für DEFA-Förderpreis, Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts 2016

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