Nachlass

Nachlass

Dokumentarfilm
2017
108 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Christoph Hübner Filmproduktion
Christoph Hübner, Gabriele Voss
Gilad Hochman
Christoph Hübner
Gabriele Voss
Christoph Hübner, Gabriele Voss
Stefan Korte
Adi Kantor zeigt uns Fotos, die sie in Auschwitz geschossen hat – von den hoch umzäunten Lagertrassen, von der Barrikadensiedlung. Dabei klickt sie durch die Ansicht auf ihrem Computer und landet bei Party-Bildern aus Krakau. Die erhobenen Hände mit Biergläsern seien wie eine siegreiche Geste, ganz so, als hätte man etwas hinter sich gebracht, meint die Historikerin, die Führungen durch das Berliner Dokumentations- und Aufarbeitungszentrum „Topographie des Terrors“ gibt, und deutet auf das Bild. In der Kontrastierung dieser Fotos, die so umstandslos aufeinanderfolgen, bringt sich Christoph Hübners und Gabriele Voss’ Film selbst auf den Punkt: Wie sind die Anschlüsse zwischen damals und heute denkbar? Wie setzt sich die Schuld der Täter in den folgenden Generationen fort? Welche Gefühle tragen die Kinder und Enkel der Täter und Opfer in sich – bewusst oder unbewusst?

Die Erinnerungskultur an das Naziregime und den Holocaust ist nicht nur eine Frage der öffentlichen Bewusstseinspflege durch Mahn- und Denkmäler, durch Ausstellungen und Museen. Sie steht auch in vielfältigen und je spezifischen privaten Auseinandersetzungen auf dem Spiel. „Nachlass“ gibt uns die Ahnung eines Gefühls dafür, wie schwer ein Foto des eigenen Vaters in SS-Uniform wiegen kann.

Lukas Stern


Nominiert für Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts