Der Funktionär

Der Funktionär

Dokumentarfilm
2018
72 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Andreas Goldstein, Heino Deckert
Andreas Goldstein
Jakobine Motz
Chris Wright
Andreas Goldstein
Der „Film über den Vater“ ist ein schwieriges Genre. Andreas Goldstein, Sohn des DDR-Kulturfunktionärs Klaus Gysi (1912–1999), hat sich dieser Aufgabe gestellt. Er tut das so uneitel wie nachdrücklich: bedächtig unaufgeregt, ehrlich intellektuell, analytisch persönlich. Er legt dabei ein Mosaik frei, das auf die Teleologien der selbsternannten Geschichtssieger ebenso verzichtet wie auf die Simplizismen (west-)deutscher Oscar-Anwärter. Nicht vom Leben der Anderen handelt dieser Film, sondern vom eigenen. Nicht vom Gestern, auch vom Heute.

Der Fokus bleibt beim Vater und dessen lebenslangem Versuch, eine Gesellschaftsordnung zu gründen, in der „Geist und Macht voll übereinstimmen“: bei der Urszene des jüdischen Intellektuellen (Anblick eines toten Arbeiters), der Karriere des SED-Parteikommunisten (Verlagsleiter, Kultusminister, Botschafter, Staatssekretär für Kirchenfragen), Einblicken in ein Privatleben, das ein getriebenes war. Selbst Teil dieser „kommunistischen Abstammungsgeschichte“, kommentiert Goldstein aus dem Off eigene Fotografien, gefundenes Fernseharchiv-Material und Bilder aus Berlin (damals, heute) und legt dabei die Latte für eine Neubetrachtung jenes Staates, aus dem er immer gekommen sein wird, hoch. „Wir würden Fragen nach der Legitimität unserer gegenwärtigen Existenz abweisen. Wie kommen wir eigentlich dazu, sie immerzu an die Vergangenheit zu richten?“

Barbara Wurm


Nominiert für den ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness

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