Zustand und Gelände

Zustand und Gelände

Dokumentarfilm
2019
119 Minuten
Untertitel: 
englische
Credits DOK Leipzig Logo
Ute Adamczewski
Ute Adamczewski
Stefan Neuberger
Ute Adamczewski
Ute Adamczewski, André Siegers
Ludwig Berger
Schon im Filmtitel wird klar, dass es um zwei Ebenen geht. Geschichte und Gegenwart, Archiv und Präsenz – mit solchen Begriffen für die Spannung zwischen Zustand und Gelände arbeitet Ute Adamczewski. Mit „Bild und Ton“ lässt sich die Reihe der Dichotomien fortsetzen. Zu sehen sind in den zwei Stunden Orte, Plätze und Landschaften in Sachsen. Sie haben alle eine Verbindung zu Geschehnissen unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933. Damals begann die Jagd auf politische Gegner, die so viele betraf, dass in der Gegend zahlreiche, zum Teil improvisierte Gefängnisse und Lager geschaffen wurden.

Eine Frauenstimme liest aus dem Off ruhig Dokumente von damals vor, ergänzt und erweitert um Erinnerungsberichte von Betroffenen aus der Zeit nach dem Krieg. Sukzessive kommen auch geschichtspolitische Aspekte hinzu. Für die DDR waren „Opfer des Faschismus“ nur Menschen, die gegen den Faschismus gekämpft hatten. Juden waren in diesem Sinn keine Opfer. Das findet eine bemerkenswerte Parallele in dem Umstand, dass schon die Nazis 1933 bei ihrem Versuch, Ordnung in die Verfolgungen zu bringen, die Juden (noch) exkludierten: „Fremdstämmigkeit ist kein Grund für Schutzhaft.“ Ein formal wie inhaltlich beeindruckender Film über die Gegenwart der Vergangenheit.

Bert Rebhandl



Ausgezeichnet mit einer Goldenen Taube im Deutschen Wettbewerb langer Dokumentar- and Animationsfilm und dem VER.DI Preif für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness.