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Jahr

Panorama: Mittel- und Osteuropa 2025
Filmstill Night Sky Elevator
Night Sky Elevator Csanád Baksa-Soós
Ein Fluss aus Schlagzeilen fließt durch die Großstadt, eine Sonnenfinsternis flackert violett. Die Bilder gleiten schwerelos und ohne festes Ordnungsprinzip dahin, eröffnen ganze Welten. 
Filmstill Night Sky Elevator

Night Sky Elevator

Night Sky Elevator
Csanád Baksa-Soós
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2025
Animationsfilm
Ungarn
2025
9 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine

Legetrick im Schwebezustand: minutiös und detailliert gearbeitet, zugleich aber doch wie aus dem Unbewussten hingetupft. Bei Csanád Baksa-Soós landen Schmetterlinge auf Damenschuhen und fliegen mit ihnen davon, fließt ein Fluss aus Schlagzeilen durch die Großstadt, lässt eine violett wabernde Sonnenfinsternis leuchtende Messer aus der Erde in den Himmel schießen, würgen steinerne Lippen einen Lichtball hervor. Die Bilder folgen keinem festen Ordnungsprinzip – jedes von ihnen eröffnet eine neue Welt, atmet tief durch, zieht weiter. Leitmotive tauchen auf, dann wieder ab. Was bleibt, sind betörende Farben und Texturen. Diese erstrecken sich bis auf die Tonspur: Das Kratzen eines malträtierten Cellos, nächtliche Saxofonklänge aus der kaum gedämmten Nachbarwohnung, gespenstische Klarinettenetüden im halligen Probenraum schmiegen sich den Bildern kongenial an.

Felix Mende

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Csanád Baksa-Soós
Schnitt
Csanád Baksa-Soós
Produktion
Zsuzsanna Vincze
Ton
Csanád Baksa-Soós
Sound Design
Csanád Baksa-Soós
Animation
Csanád Baksa-Soós
Filmstill Smoke of the Fire

Smoke of the Fire

O fumo do fogo
Daryna Mamaisur
Panorama: Mittel- und Osteuropa 2023
Dokumentarfilm
Portugal,
Ukraine,
Belgien,
Ungarn
2023
22 Minuten
Portugiesisch (Portugal),
Ukrainisch
Untertitel: 
Englisch

Das Erlernen einer Fremdsprache ist wie das Erschaffen eines anderen Selbst. Wie kann man sie sprechen, ohne seinen eigenen Klang zu verlieren, ohne sich ganz darin aufzulösen – und trotzdem Gehör und Beachtung finden? Dieser Film ist ein charmanter und intellektuell akribischer Versuch, sich durch die Komplexitäten von Sprache, Identität und Trauma zu navigieren.

Dafür schöpft die Filmemacherin aus der eigenen Biografie. Denn als sich die aus Kyjiw stammende Daryna Mamaisur im Rahmen des Graduiertenstudiums Doc Nomads in Portugal aufhielt, überfiel Russland die Ukraine. Heimat und die Suche danach wurden bestimmend für diese Arbeit, ebenso die traumatische Erfahrung, der schwierigen Situation nur aus der Ferne „beiwohnen“ zu können. Sie, die Ukrainerin in Portugal, lernt Portugiesisch. Sie lässt sich die neuen Vokabeln für „Krieg“, „Explosion“ und „Angriff“ über die Zunge rollen. Sie vergleicht sie mit dem weichen, intimen Klang ihrer Muttersprache, mit dem Klang von Kyjiw. Freund*innen schicken Ton- und Bildaufzeichnungen aus der Ukraine, die sich mit Animationen zu einem vielschichtigen Essay verbinden und schließlich zum Zeugnis werden – für die Widerstandsfähigkeit von Sprache und Kultur, ganz gleich, wo sie gesprochen und gelebt werden, nicht zuletzt auch für die Kraft des künstlerischen Dokumentarfilms, der Sprechen und Klingen möglich zu machen vermag.

Victoria Leshchenko

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Daryna Mamaisur
Kamera
Shaheen Ahmed, Daryna Mamaisur, Svitlana Vostrikova
Schnitt
Daryna Mamaisur
Produktion
Frederik Nicolai, Daryna Mamaisur
Ton
Ghada Fikri, Juliette Menthonnex, Tetiana Usova
Sound Design
Anna Khvyl
Filmvertrieb
Valentina Zalevska