Filmarchiv

Sections (Film Archive)

Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Filmstill Houseprints
Hauspausen Biko Erki, Stefan Koutzev, Nathalie Bailoukova
Akribisch malt Johannes Kloosterhuis mit Pinsel und Schablone seine Miniaturhäuser. Dabei sinniert der zurückgezogen lebende Künstler über verschiedene Formen von Wohnen und Sein.
Filmstill Houseprints

Hauspausen

Hauspausen
Biko Erki, Stefan Koutzev, Nathalie Bailoukova
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Deutschland
2024
10 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

Wohin man auch schaut, hängen großflächige Gemälde mit Ansichten von Häusern. Jedes Haus ist akribisch konturiert, auf den ersten Blick sieht eines aus wie das andere. Manchmal halten sie Abstand voneinander, manchmal scheinen sie in der Leere zu schweben. Seltsam unverortet wirken diese in immer neuen Anordnungen kombinierten Häuser. Mit Schablone und Pinsel sitzt Johannes Kloosterhuis bereits am nächsten Bild. Jedes Haus beherberge seine eigene Geschichte, doch vielleicht sei die Idee des Eigenheims auch ein Ideal von gestern, überlegt er laut.
Beim Zeichnen sinniert Kloosterhuis über verschiedene Lebens- und Wohnformen. Er selbst betrachtet die Welt bevorzugt vom Fenster aus, genießt die Aussicht auf Parkhausdächer, Gärten und Bäume. Seine meist monochromen Tableaus hingegen kennen keinen Horizont. Kloosterhuis’ künstlerische Visionen sind womöglich deshalb so faszinierend, weil sie ein unergründliches Eigenleben entwickeln. Mit der Kamera dürfen wir zusehen, wie sie Gestalt annehmen, wie mit jedem Pinselstrich ein neues Miniaturhaus, ein neues Miniaturschicksal entsteht.

Anke Leweke

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Biko Erki, Stefan Koutzev, Nathalie Bailoukova
Kamera
Biko Erki, Nathalie Bailoukova, Stefan Koutzev
Schnitt
Biko Erki, Nathalie Bailoukova, Stefan Koutzev
Produktion
Kunsthochschule für Medien Köln
Ton
Biko Erki, Nathalie Bailoukova, Stefan Koutzev
Sound Design
Biko Erki
Nominiert für: Gedanken-Aufschluss-Preis
Filmstill Heimat Is a Space in Time
Filmstill Heimat Is a Space in Time

Heimat ist ein Raum aus Zeit

Heimat ist ein Raum aus Zeit
Thomas Heise
Thomas Heise (1955–2024) 2024
Dokumentarfilm
Deutschland,
Österreich
2019
218 Minuten
Deutsch,
Koreanisch
Untertitel: 
Englisch

Thomas Heises letzter Film setzt sich mit dem Archiv seiner Familie auseinander, initiiert durch den Tod der Mutter und des Bruders. Suggestiv kommentiert, in gegenwärtige Bilder eingesetzt, eignet er sich den Heimat-Begriff an, indem er die Widersprüche von über hundert Jahren deutscher Geschichte ins Sichtfeld holt. In einem Schlager von Marika Rökk wird auch das Gegenprogramm formuliert: „Schau nicht hin, schau nicht her, schau nur geradeaus.“ Heises monumentale Anordnung von Bruchstücken ist offen und insistierend zugleich, verwüstet und lebenshungrig, niemals geradeaus. Geschichtsschreibung und Selbstbeobachtung, nirgendwo ganz dazugehörend: eine Berührung im dunklen Kino, ein Riss durch die Autobahn, Listen, Lebensläufe, Après-Ski. Zusehen, was (damit) geschieht.

Jan Künemund

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Thomas Heise
Buch
Thomas Heise
Kamera
Stefan Neuberger, Börres Weiffenbach, Peter Badel
Schnitt
Chris Wright
Produktion
Heino Deckert, Johannes Rosenberger, Constantin Wulff, Johannes Holzhausen
Ton
Johannes Schmelzer-Ziringer
Deutscher Filmverleih
GMfilms
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Filmstill Sky like Silk. Full of Oranges
Himmel wie Seide. Voller Orangen Betina Kuntzsch
Die fröhlich animierte Collage erinnert an den ersten Interflug nach MalIorca im Frühjahr 1990. So blau das Meer auch leuchtet, die DDR-Reisetruppe bleibt doch nur Zaungast im Urlaubsparadies.
Filmstill Sky like Silk. Full of Oranges

Himmel wie Seide. Voller Orangen

Himmel wie Seide. Voller Orangen
Betina Kuntzsch
Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm 2024
Dokumentarfilm
Deutschland
2024
10 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

Ansichtskarten, Reiseprospekte, Urlaubsfotos genügen dieser fröhlich-bissig animierten Collage, um von Stimmungen und Sehnsüchten zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung zu erzählen. Im Frühjahr 1990 landete zum ersten Mal eine Interflug-Maschine mit DDR-Bürger*innen auf Mallorca. Die mediterranen Farben der Insel „kannten wir von den Postkarten unserer West-Verwandten“, konstatiert die Ich-Erzählerin aus dem Off, „das war Westen, das war Westen-Westen.“ Vermeintlich naiv vorgetragen, entwickeln ihre Erinnerungen dennoch einen ironischen Hintersinn. So blau das Meer auf den Fotos leuchtet, so laut die Kastagnetten erklingen, so sehr bleibt die Reisetruppe mit ihrem Ostgeld doch nur Zaungast im Paradies mit Halbpension. Alles wirkt wie ein leeres Versprechen: die überprallen Orangen an den Bäumen, das üppige Frühstücksbüffet und die gigantischen Poolanlagen im Hotel.

Anke Leweke

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Betina Kuntzsch
Buch
Betina Kuntzsch
Schnitt
Betina Kuntzsch
Produktion
Betina Kuntzsch
Sound Design
Urs Hauck
Musik
Moritz Denis, Eike Hosenfeld
Animation
Betina Kuntzsch
Sprecher*in
Valeska Hegewald
Nominiert für: Gedanken-Aufschluss-Preis