Filmarchiv

Filmstill 27

27

27
Flóra Anna Buda
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2023
Animationsfilm
Frankreich,
Ungarn
2023
11 Minuten
Ungarisch
Untertitel: 
Englisch

Heute ist der 27. Geburtstag von Alice. Sie lebt in ihrem alten Kinderzimmer in der Wohnung ihrer Eltern. Ihre Mutter umhegt sie wie ein Kind. Ihr kleiner Bruder geht ihr auf die Nerven. Raum für Selbstverwirklichung und das Ausleben sexueller Bedürfnisse gibt es höchstens in ihrer eigenen Fantasie. Aus ökonomischen Gründen ist ihr und vielen anderen jungen Menschen verwehrt, ein unabhängiges Leben in eigenen vier Wänden zu führen. So muss Alice die Enge erdulden.

Am Abend ihres Geburtstages zieht sie mit ihrem Kumpel um die Häuser und tanzt sich bei einer Party auf dem Dach eines Hochhauses endlich für einige Momente frei. Der Blick über die nächtliche Stadt und die Ernüchterung nach all der Ausgelassenheit bringen das Dilemma jedoch ins Bewusstsein zurück: Wo ist ihr privater Rückzugsort, an dem sich Körper und Geist unbeobachtet entfalten können? Eindringlich, farbenfroh, mit fantastischem Sound und voller Erotik beschreibt dieser Film die bedrückende Lage einer ganzen Generation.

Franka Sachse

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Flóra Anna Buda
Buch
Flóra Anna Buda
Schnitt
Albane du Plessix
Produktion
Emmanuel-Alain Raynal, Pierre Baussaron, Gábor Osváth, Péter Benjámin Lukács
Ton
Péter Benjámin Lukács
Musik
Mári Mákó, Rozi Mákó
Animation
Zoltán Koska, Gábor Mariai, Luca Tóth, Borbála Zétényi, Flóra Anna Buda
Filmvertrieb
Annabel Sebag
Künstlerisches Design
Natália Andrade, Melinda Kádár
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Death Does Not Exist

Death Does Not Exist

La mort n’existe pas
Félix Dufour-Laperrière
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Kanada,
Frankreich
2025
72 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch

Als Marc seiner Freundin Hélène gesteht, dass er sie liebt, antwortet sie nur: „Später!“ Der Zeitpunkt für sein Geständnis könnte ungünstiger nicht sein, hinter Hélènes Erwiderung steckt eine viel größere Dimension. Die beiden gehören zu einer Gruppe von Aktivist*innen, die im Wald gerade ihre Smartphones verbrannt und sich den letzten wichtigen Fragen gestellt haben. Fragen nach Angst, Macht, Mut, Loyalität und nach Zweifeln. Im Anschluss überfallen sie – stellvertretend für die Schuldigen am Dilemma dieser Welt, wie sie meinen – ein reiches und einflussreiches Rentnerpaar in dessen Nobelanwesen. Die bewaffnete Attacke endet in einem Blutbad. Hélène aber wird mitten im Schusswechsel von einer seltsamen Erstarrung heimgesucht und gerät bald danach in den surrealistischen Strudel einer fatalen zweiten Chance.
Der kanadische Regisseur und Drehbuchautor Félix Dufour-Laperrière sagt, er schreibe „mit Farben im Kopf, Metamorphosen, traumhaften Sequenzen und mentalen Bildern, die sich auf der Leinwand materialisieren“. Aus handgezeichneten Vorlagen entstand eine vor allem symbolwuchtige 2D-Animation fließender Figuren und Silhouetten, die sich weder offensiv formulierten Botschaften noch der überbordenden Magie des Formats verweigert.

Andreas Körner

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Regie
Félix Dufour-Laperrière
Produktion
Nicolas Dufour-Laperrière
Animation
Félix Dufour-Laperrière
Filmstill Ghost Cat Anzu

Ghost Cat Anzu

Bakeneko Anzu-chan
Yôko Kuno, Nobuhiro Yamashita
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Japan,
Frankreich
2024
96 Minuten
Japanisch
Untertitel: 
Englisch

Die elfjährige Karin verbringt den Sommer auf dem Lande und schließt dort Freundschaft mit einer sprechenden Riesenkatze. So weit, so lieb. Doch es geht weiter. Ihr Vater hat Schulden bei Gangstern gemacht, die ihn halb zu Tode prügeln werden. Der Gott der Armut stellt Karin nach. Er wird sie in die Hölle führen, wo ihre verstorbene Mutter eine ewige Existenz als Putzfrau fristet. Hört sich das immer noch lieb an? Falls „Ghost Cat Anzu“ ein Kinderfilm sein sollte, dann der gnadenloseste, den man sich vorzustellen vermag.
Der Katzendämon beziehungsweise Bakeneko ist in der japanischen Mythologie ein wohlbekannter Akteur. Auch sonst finden sich in Takashi Imashiros Manga, auf dem dieser Film basiert, vertraute Muster: das Portal zur Parallelwelt, die Fabelwesen im Wald … Doch steckt der Teufel im Detail. Denn Comic und Adaption gehen mit den Traditionen erstaunlich respektlos um. Menschen und Geister benehmen sich oft wie die letzten Rüpel, und der Eingang zur Hölle führt durch eine Kloschüssel. Erstlingsregisseurin Yôko Kuno und der renommierte Nobuhiro Yamashita, der zum ersten Mal bei einem Animationsfilm Co-Regie führt, arbeiteten mit dem Rotoskopie-Verfahren. Die skurrilen, cartoonhaften Figuren und malerischen Hintergründe kontrastieren so stimmig, die Akzente sind so liebevoll gesetzt, dass man die schwüle Sommeratmosphäre fühlen, schmecken, riechen und greifen kann.

Christoph Terhechte

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Regie
Yôko Kuno, Nobuhiro Yamashita
Buch
Shinji Imaoka
Kamera
Masato Makino
Schnitt
Toshihiko Kojima
Produktion
Keiichi Kondo, Hiroyuki Neigishi, Shunsuke Yanagisawa
Co-Produktion
Pierre Baussaron, Emmanuel-Alain Raynal, Yukari Nishikawa
Musik
Keiichi Suzuki
Animation
Julien de Man
Filmvertrieb
Léonard Altmann / CHARADES
Filmstill God Is Shy

God Is Shy

Dieu est timide
Jocelyn Charles
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Frankreich
2025
15 Minuten
Französisch
Untertitel: 
Englisch

Die Zugfahrt ist sterbenslangweilig. Die Landschaft rauscht sirrend als abstraktes Farbkaleidoskop vorbei, und Ariel und Paul vertreiben sich die Zeit, indem sie füreinander ihre schlimmsten Albträume zeichnen. Bei Paul ist es die auf offener See auf ihn zuschwimmende Mutter, die ihn unter Wasser reißt, bei Ariel die Konfrontation mit einer psychotischen Frau in der Badewanne. Was als Spiel beginnt, entwickelt plötzlich unheimliche Züge, als sich die mitreisende Gilda dazu setzt – und dann davon erzählt, dass ihr das Unheimlichste überhaupt passiert sei. Sie habe ihren dementen Mann im Schlaf hypnotisiert. Derjenige, der ihr dann antwortete, sei niemand Geringeres als Gott gewesen. Ein ungehaltener Gott, ein verstimmter Gott, und schließlich ein regelrecht erzürnter Gott, denn sie habe partout nicht aufhören wollen, ihren schlafenden Mann zu fragen: Warum existieren wir?
Mit einem unglaublich präzisen Sinn für den Moment, in dem das Profane plötzlich Horrorpotenzial entwickelt, nimmt uns Jocelyn Charles mit auf einen großartigen Psychotrip. Dabei überlässt es der Regisseur dem Publikum, ob man den 2D-animierten Film einfach als pointierte Genre-Unterhaltung schaut, oder ob man die Untertöne mitnimmt: die Hybris, als Mensch ständig Gott spielen und jedes Mysterium aufklären zu wollen, beispielsweise. Eine Hybris, die nicht ohne Folgen bleibt.

Marie Ketzscher

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Jocelyn Charles
Buch
Jocelyn Charles
Produktion
Joséphine Mancini
Animation
Tamerlan Bekmurzayev, Jocelyn Charles, Hugues Valin
Filmvertrieb
Anaïs Colpin
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Hun Tun

Hun Tun

Hun Tun
Magdalena Hejzlarová
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Tschechische Republik,
Frankreich
2024
15 Minuten
Tschechisch
Untertitel: 
Englisch

In einem fantastischen Raum, irgendwo zwischen Animation, Realfilm und Performance, entfaltet sich eine Erzählung über Hun Tun, den König des Chaos. Hun Tun feuert dich an, Hun Tun treibt dich voran, Hun Tun hält dich wach. Er gibt dir Kraft für unzählige Überstunden und endlose Freizeitaktivitäten. Doch Hun Tun raubt dir dafür den Schlaf und verwandelt dich.
Bruchstücke des alltäglichen Lebens – Tassen, Kronkorken, Tablettenpackungen – künden von durchgemachten Nächten und völliger Erschöpfung, vom Schlafen-Wollen und vom Nicht-Können. Überlagerungen aus elegant animierten, zarten Sandelementen erzeugen Rhythmus und Textur. Vertanzte Erzählmomente in expressiven Kostümen schaffen Leichtigkeit und transportieren gleichzeitig eine intensive Stimmung. Über allem liegt eine präzise Tongestaltung, die die Ebenen zur spannungsvollen Reflexion eines sehr persönlichen Konflikts verwebt.

Franka Sachse

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Regie
Magdalena Hejzlarová
Buch
Magdalena Hejzlarová
Kamera
Zdena Sýkorová
Schnitt
Alexander Kashcheev
Produktion
Karolína Davidová
Co-Produktion
Romain Bent
Ton
Alexander Kashcheev
Sound Design
Alexander Kashcheev
Musik
Gosheven
Animation
Eliška Kerbachová, Magdalena Hejzlarová, Anna Belova
Filmvertrieb
Florian Fernandez
Sprecher*in
Magdalena Hejzlarová
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Mehr zum Film
Filmstill Hurikán

Hurikán

Hurikán
Jan Saska
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Tschechische Republik,
Slowakei,
Frankreich,
Bosnien und Herzegowina
2024
13 Minuten
Tschechisch
Untertitel: 
Englisch

Das Bier ist alle in Prag … also eigentlich nur an einem Imbissstand abseits der touristischen Altstadt. Aber das Röcheln des Zapfhahns ist deswegen nicht weniger dramatisch für Hurikán, einen Dauerkunden, der seinen Tag und viel von der Nacht an diesen Treffpunkten der verlorenen Seelen verbringt. Verknallt in die Budenbetreiberin, nimmt Hurikán die Sache in die Hand. Sie kommt ins Rollen, genau wie das leere Fass, das er befüllen lassen will. Ein abenteuerlicher Parcours nimmt seinen Lauf. Er beginnt mit kleinen spöttischen Gesten und weitet sich schnell zu einer rasanten Jagd in den dösenden, aber steilen Seitenstraßen des Prager Stadtviertels Žižkov aus.
Jan Saska verwebt mit großartigem Timing und Augenzwinkern Genretypisches aus Comic und Actionkino. Und mittendrin ein Typ, dem das Leben nicht leichtfällt. Hier muss ihm das Glück helfen, um nicht zu verdursten.

André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Jan Saska
Buch
Jan Saska, Václav Hašek
Schnitt
Jan Saska
Produktion
Kamila Dohnalová, Martin Vandas
Co-Produktion
Antoine Lietout, Ivan Zuber, Juraj Krasnohorsky, Mladen Đukić, Alena Vandasová
Sound Design
Jiří Gráf
Animation
Marek Pokorný, Michaela Večerková, Jan Saska, Camille Chao, Hugo de Faucompret, David Štumpf, Jean-Christophe Lie, Félicia Gillibert, Delphine Grelet
Filmvertrieb
Luce Grosjean
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2023
Filmstill Knit’s Island
Knit’s Island Ekiem Barbier, Guilhem Causse, Quentin L’helgoualc’h
Ein Dokumentarfilmteam verbringt 963 Stunden in einem Videogame und interviewt dort die Spieler*innen. Nach und nach lassen diese ihre Masken fallen und geben Einblicke in ihr „echtes” Leben.
Filmstill Knit’s Island

Knit’s Island

Knit’s Island
Ekiem Barbier, Guilhem Causse, Quentin L’helgoualc’h
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2023
Animationsfilm
Frankreich
2023
95 Minuten
Französisch,
Englisch
Untertitel: 
Englisch

Rennen. Schnelles Atmen. In der Stille ein Schuss. Der Auftakt schlägt die Grundtöne an: Vorsicht, Neugier, Nervenkitzel. Ein Dokumentarfilmteam verbringt 963 Stunden auf dem Abenteuerspielplatz des Videogames DayZ. Online-Spieler*innen erkunden das Areal einer postsowjetischen Katastrophenprovinz und setzen sich permanent der Gefahr aus, von feindlich gesinnten Gamer*innen getötet zu werden. Guilhem, Ekiem und Quentin sind als Avatare trotz „Presse“-Kennzeichnung den gleichen Regeln unterworfen, wenn sie die Spieler*innen in ihrer virtuellen Welt interviewen. Die Community ist heterogen: marodierende Banden, Cowboys mit Samariter-Ethos, neugierige Wandernde.

Die Realität ist nie ganz fern. Spielerin „Feesh“ wird im Interview von ihrer Konsole fortgerissen, denn ihr IRL(in real life)-Kind weint. „Iris“ erschießt im Gesprächsverlauf vor den Augen der geschockten Dokumentarfilmer, ihr „Spielzeug“, einen Gefangenen – ein Konflikt dokumentarischen Arbeitens tut sich auf. „Knit’s Island“ ist eine beunruhigende, melancholische bis herzerwärmende Tour durch Zufallsbegegnungen und -freundschaften von schlaflosen Menschen in der künstlichen Welt. Einige Avatare zucken ständig nervös und grotesk, weil sie dunkelste Wünsche ausleben. Andere „trick the game“ und dringen in faszinierende techno-psychedelische Sphären vor. Spielende und gespielte Persona – manchmal sind sie eins, manchmal zwei.

André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Ekiem Barbier, Guilhem Causse, Quentin L’helgoualc’h
Buch
Ekiem Barbier, Guilhem Causse, Quentin L’helgoualc’h
Kamera
Ekiem Barbier, Guilhem Causse, Quentin L’helgoualc’h
Schnitt
Nicolas Bancilhon
Produktion
Boris Garavini
Sound Design
Mathieu Farnarier
Musik
Ekiem Barbier, Guilhem Causse, Marc Siffert
Filmvertrieb
Wouter Jansen
Filmstill La Perra

La Perra

La Perra
Carla Melo Gampert
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2023
Animationsfilm
Kolumbien,
Frankreich
2023
14 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine

Die Brüste gehoben, der Po gestrafft, das Federkleid geglättet. Sie ist fertig zum Date. Doch ihre Tochter klammert und will sie nicht gehen lassen zu diesem noch unverständlichen, abstoßenden Ritual des Verlangens. Sehr bald aber wird sich die flügge Pubertierende selbst dem sexuellen Begehren hingeben … und Enttäuschung erleben. In der konfliktreichen Welt der beiden Frauen entziehen sich Männer der Partner- und Vaterschaft. Die treue Haushündin bietet den einzigen Halt.

Wie schon in ihrem Vorgängerfilm verlegt Carla Melo Gampert die beeindruckende, aber kompromisslose Analyse einer Familienbeziehung in das Leben der Schreitvögel. Die menschlichen Züge schlagen anatomisch durch, doch die Vogelkörper samt ihrer Feder- und Lautgeräusche eignen sich hervorragend zur treffenden Überzeichnung der Gefühle. Zarte Zeichenstriche werden zu schneidend scharfen Bewegungslinien der Tierfiguren, sowohl in den erotisch derben Liebesakten wie auch in den „handgreiflichen“ Auseinandersetzungen. Sanfte Farbflecke in Aquarell leuchten glühend in der Hitze der Lust und warnend in der ausweglosen Wut auf.

André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Carla Melo Gampert
Schnitt
Juan Sebastián Quebrada
Produktion
Julie Billy, Naomi Denamur, Franco Lolli, Capucine Mahé
Ton
Juanma López, Daniel Giraldo
Animation
Carla Melo Gampert, Andrea Muñoz Álvarez
Filmvertrieb
Elise Notseck
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Margarethe 89

Margarethe 89

Margarethe 89
Lucas Malbrun
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2023
Animationsfilm
Frankreich
2023
18 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

In farbenfrohen Filzstiftbildern und klaren Linien zeichnet sich das Ende realsozialistischer Unterdrückung, verhängnisvoller Liebe und stillschweigender Doppelmoral ab. Leipzig, 1989. Noch gehört die Stadt den Blauhemden der Freien Deutschen Jugend, noch ist in Festtagsansprachen von einem blühenden Land die Rede. Weggesperrt in einer psychiatrischen Klinik wegen der Zugehörigkeit zur Leipziger Punkszene und beschimpft als „Teil der feindlich-negativen Kräfte“, die die DDR von innen aushöhlen: Margarethe hält das aus. Schlussendlich sind es jedoch die fehlenden Briketts und das kalte Wasser in der Gemeinschaftsdusche, welche die junge Frau von der Nähe zu ihrem Freund Heinrich träumen lassen. Während die Proteste auf den Straßen sich entwickeln, spielt Heinrich mit seiner Band kirchlich organisierte Punkkonzerte, die eine Aussicht auf Freiheit erahnen lassen. Doch Stasi-Spitzel sind präsenter denn je – bis die gerade errungene Reisefreiheit sie mit den Lichtern des Feuerwerks in alle Winde zerstreut.

Jana Kraft

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Lucas Malbrun
Buch
Lucas Malbrun, Marie Larrivé
Kamera
Lucas Malbrun
Schnitt
Clara Saunier, Vincent Tricon
Produktion
Nicolas de Rosanbo, Céline Vanlint
Ton
Elodie Thevenin
Sound Design
Quentin Romanet
Musik
Mael Oudin
Filmvertrieb
Miguel Español Celiméndiz
Künstlerisches Design
Morgan Curt, Hippolyte Cupillard, Jean-Baptiste Peltier, Charlie Belin, Jonas Schloesing, Daria Skripka, Yehor Bondarenko, Angelina Dorozhinskaia
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Memory Hotel

Memory Hotel

Memory Hotel
Heinrich Sabl
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Deutschland,
Frankreich
2024
100 Minuten
Deutsch
Untertitel: 
Englisch

1945 rückt die Rote Armee auf deutschem Gebiet vor, der Zweite Weltkrieg nähert sich seinem Ende. Noch immer versuchen Familien, nach Amerika zu entkommen, doch viele Pläne misslingen. Auch die fünfjährige Sophie verliert auf der Flucht Vater und Mutter. Sie werden von Nazioffizier Scharf und einem sowjetischen Soldaten namens Wassili getötet, Hitlerjunge Beckmann ist Zeuge. Das grausame Geschehen ereignet sich in einem äußerst seltsamen Hotel, das diese vier Überlebenden fortan auf bizarre Weise an sich bindet, ganz gleich, in welchen Räumen dieses wahrhaft gruseligen Gebäudes sie sich befinden: Oben in der Lounge, wo nach und nach die neue Kundschaft kommt, unten in der Küche, wo die inzwischen erwachsene Sophie das Essen zubereitet, oder gar in einer Nische nahe des Fahrstuhlschachts, wo sich Beckmann zusammen mit den Ratten versteckt hält. Die unfreiwilligen Dauergäste altern, werden aber nicht müde, um Sophie zu buhlen.
Heinrich Sabl baut der deutsch-sowjetischen Schuld- und Bewältigungsgeschichte ein auf anregende Art verstörendes, mit Realitätszitaten dekoriertes Puppenhaus. In seinem ersten abendfüllenden Animationsfilm, an dem der Regisseur mehr als zwanzig Jahre gearbeitet hat, schickt er außergewöhnliche Figuren auf eine ebenso außergewöhnliche visuell-akustische Zeitreise durch die kriegsbeschädigten Suiten des 20. Jahrhunderts.

Andreas Körner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Heinrich Sabl
Buch
Heinrich Sabl
Kamera
Heinrich Sabl
Schnitt
Heinrich Sabl
Produktion
Heinrich Sabl
Ton
Torsten Ratheischak
Sound Design
Heinrich Sabl, Jochen Jezussek, Henry Labs
Musik
Erik Lautenschläger, Thomas Mävers
Animation
Heinrich Sabl, Florence Corre
Funding institution
Annedore Dreger, Thomas Janze
Performer
Steffi Kühnert
Filmstill Simply Divine

Simply Divine

Pur și simplu divin
Mélody Boulissière, Bogdan Stamatin
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Frankreich,
Rumänien
2024
15 Minuten
Rumänisch
Untertitel: 
Englisch

Inspiriert vom Nachlass eines rumänischen Fotografen, in dem 5.000 Glasplatten-Negative aus den 1930er bis 1950er Jahren lange unentdeckt überdauerten, entwickelt sich eine berührende Liebesgeschichte. 1939 begegnet Anna Florea in ihrem Heimatort in der Bukowina dem jungen Soldaten Jean Mihail. Ein Kuss im Mondschein besiegelt ihre Zuneigung. Doch allzu bald wird Jean an die Front beordert. Seine leidenschaftlichen Briefe erhalten die Verbindung. Doch als Anna aus ihrem Dorf flüchten muss, reißt der Kontakt ab.
Die große Liebe der beiden ist zerbrechlich, vom Krieg und von der Zeit angegriffen – genau wie die alten Atelier- und Alltagsfotos, mit denen dieser animierte Dokumentarfilm Zuversicht und drohenden Verlust veranschaulicht. Anna Florea selbst erzählt: im Rückblick, 91-jährig. Ihre warme, zarte Stimme erweckt die Erinnerungen, die vermeintlich auf den Bildern gespeichert sind, zu neuem Leben. Die auf den Fotoplatten „Erstarrten“ kommen in Bewegung, werden in Öl-auf-Glas-Übermalungen zum Leuchten gebracht, erblühen und nehmen uns mit in die Vergangenheit.

Franka Sachse

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Mélody Boulissière, Bogdan Stamatin
Schnitt
Billie Belin, Annabelle Basurko, Nina Gerolt
Produktion
Marc Faye
Co-Produktion
Mathieu Rolin, Mihai Mitrică
Ton
Yan Volsy
Animation
Mélody Boulissière, Charlotte Arene, Andrei Berculescu, Dorel Mărgărit, Cosmin Tudor Sîrbulescu
Filmvertrieb
Marc Faye
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Ausgezeichnet mit: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill The Family Portrait

The Family Portrait

Obiteljski portret
Lea Vidaković
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2023
Animationsfilm
Kroatien,
Frankreich,
Serbien
2023
14 Minuten
ohne Dialog
Untertitel: 
Keine

András und seine Tochter Zsófia genießen einen entspannten Sonntag in ihrer herrschaftlichen Stadtvilla, kurz vor dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die Stille im Haus wird jedoch bald von einem entflohenen Schwein und gleich darauf von unerwartetem Besuch gestört: Der Bruder von András fällt mit seiner großen Familie und viel Gepäck durch die Vordertür ein. Auf allen Etagen verursachen rennende Kinder und schwatzhafte Verwandte Lärm und Durcheinander. Kunstobjekte werden unerlaubt betastet, Möbel verrückt, Gegenstände fallen zu Boden. Mit dem Besuch ist das Chaos eingezogen. Zsófias Vater und die Dienstmagd versuchen vergeblich, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Zwar können sich András und sein Bruder annähern, jedoch ist das alte Haus den veränderten Umständen nicht gewachsen. Ein Leck in der Wasserleitung kündigt ein Finale an, das immerhin alle gemeinsam stillstehen lässt.

Franka Sachse

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Lea Vidaković
Buch
Lea Vidaković
Kamera
Lea Vidaković, Damien Buquen
Schnitt
Iva Kraljević
Produktion
Draško Ivezić, Jean Francois le Corre, Nikolina Vucetic Zecevic
Sound Design
Zoran Maksimovic
Animation
Marion le Guillou, Bilitis Levillain, Violette Delvoye
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis