Filmarchiv

Filmstill Extremely Short

Extremely Short

Totemo mijikai
Koji Yamamura
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Japan,
USA
2024
5 Minuten
Japanisch
Untertitel: 
Englisch
Das Leben ist kurz, extrem kurz. Die Zeit zwischen Geburt und Tod scheint zu verfliegen. Ein Fingerschnipp – und schon ist alles vorbei. Die letzten Sekunden reichen gerade aus, um die Silbe „da“ auszusprechen. Genau diese Silbe, ausgehaucht mit dem letzten Atem eines Sterbenden, wird von einem Mann aufgeschnappt, der in den Straßen Tokios nach dem kürzesten aller Dinge sucht. Die Silbe wirbelt durch seine Gedanken und löst eine Suada voller Überlegungen zur japanischen Sprache aus, in die er sich zunehmend hineinsteigert. Die „da“-Wörter fliegen uns in dadaistischer Manier wie Noten im Jazz um die Ohren. Kräftige Tuschezeichnungen bewegen sich mal fließend, mal explosiv über den weißen Hintergrund. Ein letztes „da“ vollendet die Betrachtung und bringt zum Stillstand, was zuvor energisch kreisend und vibrierend das Bild dominierte. Der Sterbende schließt die Augen. Doch nach dem Ende folgt ein neuer Anfang.
„Extremely Short“ bildet den Auftakt der Reihe „Bungaku Bideo“ – Literaturvideos –, die im Auftrag der Yanai Initiative zeitgenössische japanische Literatur und internationale Animationskunst zu innovativen Komplizinnen macht. Hier begegnet Koji Yamamura einem Prosatext von Hideo Furukawa, lauscht dem vom Autor selbst gelesenen Monolog und übersetzt dessen Sprachfuror in eine aufregende visuelle Form.
Franka Sachse

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Koji Yamamura
Buch
Hideo Furukawa
Kamera
Koji Yamamura
Schnitt
Koji Yamamura
Produktion
Koji Yamamura
Ton
Sunao Isaji
Sound Design
Sunao Isaji
Animation
Koji Yamamura
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill fur

fur

fur
Zhen Li
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2023
Animationsfilm
USA
2022
7 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Keine
Biologiestunde. Dort die Lehrerin im Licht der Projektion der Insektenkunde, hier das Klassenzimmer im Halbdunkel. Die Aufmerksamkeit schwindet. Pubertäres Tagträumen: Der Junge in der Schulbank davor ist eigentlich ganz süß. Die Finger wollen losrennen. Trotzdem lieber zunächst nur sich selbst anfassen. Jedoch dann funkt es …

Verknalltsein, was für ein schöner und intensiver, aber ebenso flüchtiger und ernüchternder Moment. Augen, Nase, Ohr, Mund und Hände gehen auf erste körperliche Entdeckungstouren, auf atemberaubende, auf abwegige, auf abstoßende. Zhen Li beobachtet mikroskopisch genau und fängt diesen Ausnahmezustand mit unterschiedlichen Animationstechniken auf großartige Weise ein. Kohlezeichnungen mit verwischten Zeichenspuren, pelzige Schimmelwellen, vertrackt animierte Körper und sirrende, klebrige Klänge umschreiben das Wogen der Sinne.
André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Zhen Li
Buch
Zhen Li
Produktion
Zhen Li
Sound Design
Zhen Li
Musik
Marc Riordan
Animation
Zhen Li
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis, Gedanken-Aufschluss-Preis
Filmstill Haunted House

Haunted House

Haunted House
Ayden Lamb
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
Kanada,
USA
2024
4 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Englisch
Erinnerung an einen lieb gewonnenen Menschen: Der Kamerablick erkundet die dunkle Enge einer Wohnung. In der Küche brennt noch Licht, auf den Stubentischchen lagern bunt die Dinge. Die Augen folgen in das Raum gewordene, labyrinthische innere Ich einer einst vertrauten und nun abwesenden Person. Die Erzählstimme versichert als Erstes, dass an diesem Ort alles wahr sei. Sie „zeigt“ die Plätze, wo die Erinnerte Häkeln gelernt und wo sie Erbsen geschält hat.
Der Erzählduktus bleibt faktisch, aber eine Schere öffnet sich. In die alten Videobilder mischen sich geisterhafte Erscheinungen, den geräuschartig-klanglichen Echo-Ton bevölkern Phantomstimmen. Wie das Häkeln und die Erbsen gehören zu dem Haus, das hier begangen wird, ein unbekleideter Mörder und andere unangenehme Schatten. Im Fortlauf der Dinge spinnen sich einzelne Fäden zum sinnbildlichen Häkeldeckchen eines Zuhauses zusammen. Unglaublich poetisch und sehr persönlich lässt Ayden Lamb mit „Haunted House“ einen Menschen filmisch wahr werden, der zu Lebzeiten in zwei Welten zugegen war, zugegen sein musste.
André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Ayden Lamb
Kamera
John Moon
Produktion
Ayden Lamb
Ton
Chris Scott
Sound Design
Chris Scott
Musik
Chris Scott
Animation
Ayden Lamb
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill Once in a Body

Once in a Body

Una vez en un cuerpo
María Cristina Pérez
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Kolumbien,
USA
2025
10 Minuten
Spanisch
Untertitel: 
Englisch
„Es war einmal ein Körper, der nicht Mensch sein wollte. Er wusste nicht, dass er schon zu einem gehört. Nämlich zu mir.“ Mit diesen poetischen und kryptischen Worten leitet María Cristina Pérez González ihren Film ein, taucht mitten hinein in die bildgewaltige, handgemalte Animation. Eher assoziativ als narrativ zieht uns die traurige Stimme in einen Strudel aus Erinnerungsfetzen, die allesamt um den Körper der Protagonistin kreisen: eine voluminöse Gestalt, die sich manchmal vor Abscheu frisst, sich bildfüllend ausstreckt oder erbsenhaft verkriecht – im Schwarz der fließenden, großzügigen Pinselgesten, aber vor allem im fleischigen Selbst.
Da gibt es die entfremdete Schwester, die einmal die Füße dieses Körpers als hässlich bezeichnet hat. Die gute Freundin, die ohne Abschied von der Bildfläche verschwand. Den Vater, der einmal sagte, dass alle unglücklichen Frauen fett werden. Und vor allem diese namenlose Figur, die in ihrem Magen wohnt und niedlich grinsend die Depression nährt. Wie so oft im Leben führt zur Zufriedenheit nur der Weg der Aussöhnung. Natürlich mit der Schwester, aber vor allem mit dem eigenen Körper, der nicht in eng gefasste, gesellschaftliche Normen passt – der aber der einzige ist, den man hat. Und mit dem es sich ganz wunderbar tanzen, springen und sogar lachen lässt, wenn man versteht, dass er kein Monster ist, das man bekämpfen muss.
Marie Ketzscher

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
María Cristina Pérez
Buch
María Cristina Pérez
Schnitt
Mauricio Cuervo Rincón
Produktion
Mauricio Cuervo Rincón
Co-Produktion
Mireia Vilanova, James Belfer, Adam Belfer
Musik
Daniel Gwilym Jones Cozzarelli
Animation
Laura Alcina, Natalia Rojas Noy, Megumi Cardona, Gizenth Barreto, Fabián Llantén, Anamaría Sáenz Peñas, Julián Arias Garzón, Juan Pablo Figueroa, Daniel Bonza
Filmvertrieb
Annabel Sebag
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Ausgezeichnet mit: mephisto 97.6-Publikumspreis
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024

The Brown Dog

Nadia Hallgren, Jamie-James Medina
Eine kalte Winternacht. Gehüllt in Coolness zieht Wachmann Nobody seine einsamen Runden ums Karree, hängt seinen dahintreibenden Gedanken über das Leben nach – Melancholie mit Straßenhaftung.
Filmstill The Brown Dog
Filmstill The Brown Dog

The Brown Dog

The Brown Dog
Nadia Hallgren, Jamie-James Medina
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2024
Animationsfilm
UK,
USA
2024
14 Minuten
Englisch
Untertitel: 
Keine
Die Winternacht tut ihre letzten Atemzüge im milchigen, bernsteinfarbenen Licht der Straßenbeleuchtung. Schneeflocken rieseln herab, die Kamera kreist langsam um eine kleine Wachstube in einer Einfahrt. Auf dieser einsamen Insel sitzt Nacht für Nacht: Nobody. Als Wachmann in der Kälte garantiert er die Sicherheit der warmen Wohnungen und die ihrer Besitzer*innen. Er übersteht die Zeit mit einem unwilligen Ölradiator, einem Kalendermädchen auf grüner Wiese und seinen dahintreibenden Gedanken. Als Seismograf der Lebensbetrachtungen und Nachtrunden ums Karree dienen seine Dienstprotokolle. Nobody ist in eine über lange Zeit gewachsene Hülle der Coolness gepackt, die es ihm schwer macht, auf ein seltenes Lächeln so zu reagieren, wie er es im Herzen gern möchte.
Nadia Hallgren und Jamie-James Medina kondensieren eine autobiografische Kurzgeschichte des Künstlers und Musikers Willis Earl Beal aka „Nobody“. Der 2021 verstorbene Schauspieler Michael K. Williams lieh dem Selbstgespräch seine Stimme und gibt ihm den übernächtigten, melodischen Sound. In dem sehr filmischen, melancholischen Stück im Schwebezustand öffnet Beiläufiges einen philosophischen Kosmos. Doch der gedankliche Ausflug schlägt stets wieder auf dem Asphalt des Parkplatzes vor dem Wohnblock auf.
André Eckardt

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Nadia Hallgren, Jamie-James Medina
Buch
Willis Earl Beal
Schnitt
Spencer Campbell
Produktion
Michael Stirton, Jamie-James Medina, Nadia Hallgren
Ton
Machine Sound
Sound Design
Michalis Anthis
Musik
Tyshawn Sorey
Animation
Fons Schiedon
Filmvertrieb
Brian Newman
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis