Filmarchiv

Filmstill Floating

Floating

Floating
Jelena Milunović
Internationaler Wettbewerb Animationsfilm 2025
Animationsfilm
Serbien,
Kroatien,
Deutschland
2025
7 Minuten
Serbisch
Untertitel: 
Englisch

Als die Frau mit Lockenwicklern die Tür öffnet, ist es um den Papa geschehen: Wie ein Lufthauch, ein Sturm oder Tornado weht es ihn herein und wieder hinaus. Auch in seiner eigenen Wohnung lässt er sich nicht (be-)greifen: Er wächst und schrumpft, wird zerbrechlich, dann wieder bedrohlich, wirft dabei alles um. Und dann fliegt er regelrecht davon, schmeißt mit Eiern nach Passant*innen. Zwischendrin die Tochter, die erst nur hilflos dabeistehen kann und der es zunehmend schwerer fällt, ihn zu besuchen – die Stufen werden höher, der Boden zu Kaugummi. Schließlich schaut sie in den Himmel und sieht ihn dort schweben.
Was tun, wenn der Vater an einer psychischen Krankheit leidet? Wie geht man damit um, wenn so früh im Leben die (Sorge-)Verantwortung die Seiten wechselt? Das verhandelt Jelena Milunović mit mutigen, sehr zärtlichen und nicht immer auflösbaren Gleichnissen. Sie setzt starke Farbakzente: Die depressiven Episoden sind klaustrophobisch schwarz-weiß, die ekstatischen Hochs bunt und frei gezeichnet. Und der rote Luftballon, der als metaphorischer Hoffnungsträger schon anfangs kurz im Bild erscheint, könnte vielleicht einen Weg weisen, die beiden wieder zusammenzubringen.

Marie Ketzscher

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Jelena Milunović
Buch
Jelena Milunović
Produktion
Miloš Ivanović
Co-Produktion
Draško Ivezić, Jelena Milunović, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF
Sound Design
Luka Barajevic
Animation
Jelena Milunović, David Lovrić
Nominiert für: mephisto 97.6-Publikumspreis
Filmstill The Thing to Be Done

The Thing to Be Done

Ono što treba činiti
Srđan Kovačević
Internationaler Wettbewerb Dokumentarfilm 2025
Dokumentarfilm
Kroatien,
Serbien,
Slowenien
2025
88 Minuten
Slowenisch,
Bosnisch,
Kroatisch,
Serbisch
Untertitel: 
Englisch

Eine Landkarte Europas ist mit Zahlen versehen: Von Süden nach Norden, Osten nach Westen steigen die Werte immer weiter an. Es handelt sich um die Brutto-Mindestlöhne der jeweiligen Nationen – 281 Euro in Bosnien und Herzegowina, 842 Euro in Slowenien, 1.498 Euro in Deutschland und 1.613 Euro in Irland. Regisseur Srđan Kovačević ist auf Transparenz bedacht. Doch nicht nur er: Dem Büro für Arbeitnehmerrechte „Delavska svetovalnica“ im slowenischen Ljubljana dienen Aufklärung und Durchsichtigkeit als Grundlagen seiner Tätigkeit. Hierhin kommen Arbeitnehmer*innen, die von Unternehmen ausgebeutet und betrogen werden, die weder Arbeitsverträge noch Lohn erhalten. Viele von ihnen sind nicht im Besitz der slowenischen Staatsbürgerschaft, eine mit Fallstricken versehene Rechtslage macht sie verwundbar und stumm. Goran Zrnić, ehemaliger Elektriker und nun Jurist, Goran Lukić, unverrückbarer Gewerkschaftsaktivist, und Sozialarbeiterin Laura Orel erheben für sie ihre Stimmen, beraten zwischen Papierstapeln und permanent läutenden Telefonen.
Kovačevićs Kamera folgt den dynamischen Situationen mit entsprechender Geschwindigkeit und fängt darin schier Unglaubliches ein. „The Thing to Be Done“ versammelt Momente der Erschöpfung und des Triumphs, macht abwechselnd wütend und hoffend. Direct Cinema und Klassenkampf verbinden sich hier zu einer im besten Sinne aufwiegelnden Kraft.

Carolin Weidner

Credits DOK Leipzig Logo

Regie
Srđan Kovačević
Kamera
Srđan Kovačević
Schnitt
Klara Šovagović
Produktion
Sabina Krešić
Co-Produktion
Viva Videnović, Marta Popivoda, Jelena Angelovski
Sound Design
Julij Zornik
Nominiert für: Silberne Taube, FIPRESCI Preis, Preis der Interreligiösen Jury, MDR-Filmpreis
Ausgezeichnet mit: Preis der Interreligiösen Jury